Christoph Keese in Stuttgart Ein Vordenker rät zu Selbst­zerstörung

Von Veronika Kanzler 

Der Journalist Christoph Keese hat erläutert, wieso sich seiner Meinung nach alle Wirtschaftsbranchen neu erfinden sollten. Bei seinem Vortrag, von unserer Zeitung mitveranstaltet, hatte er mehr als 600 Zuhörer, darunter viele Unternehmer.

Christoph Keese wünscht sich Mut für einen radikalen Wandel. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Christoph Keese wünscht sich Mut für einen radikalen Wandel. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - „Kannibalisiert euch selbst“, ruft Christoph Keese den über 600 Zuhörern in den Wagenhallen zu. Vornehmlich innovative Unternehmer aus der Region sitzen dort, um einem der namhaftesten deutschen Vordenker im Bereich des digitalen Wandels zuzuhören. Am Mittwochabend dreht sich alles um disruptive Veränderungen, sozusagen scharfe Brüche, die es nach Keeses Ansicht in jeder Branche geben kann, ja geben muss. Aus Sicht des Journalisten Keese ist es die beste Wahl, sich selbst kaputt zu machen, bevor andere das tun: „Dann hat es jeder selbst in der Hand, wie es mit seinem Unternehmen weitergeht.“ Das falle den Deutschen allerdings noch etwas schwer. Wenngleich Stuttgart für ihn das Silicon Valley Deutschlands ist, sieht er auch hier noch großes Potenzial.

Ausreden lässt er nicht gelten

Dass es Branchen gebe, die sich nicht disruptiv ändern können, lässt Keese nicht gelten. Er erzählt von dem Startup N26, einer Bank, bei der die Kontoführung über das Smartphone läuft und die damit etwas Revolutionäres machte. Dabei waren die Gründer von N26 keineswegs von Haus aus Banker. Trotzdem hätten sie etwas völlig Disruptives in ihrer Branche erreicht. Deshalb Keeses Rat an jeden Unternehmer: „Lasst euch nicht zerstören, sondern habt den Mut, den Wandel selbst zu gestalten.“

„Disrupt Yourself – Vom Abenteuer, sich in der Welt neu erfinden zu müssen“ ist eine Gemeinschaftsveranstaltung von Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten und Hypovereinsbank. Das passt auch deshalb, da die Medien- und die Finanzbranche vor großen Herausforderungen stehen. Christoph Reisinger, Chefredakteur der Stuttgarter Nachrichten, und Markus Beumer, Vorstandsmitglied der Hypovereinsbank, sind sich am Mittwoch denn auch einig, dass sie dieses Abenteuer freudig und intensiv erleben.

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