Die evangelische Kirchengemeinde Stuttgart-Möhringen vermietet die ehemaligen Kindergartenräume im Nebengebäude der Christuskirche an die Jugendhilfe aktiv.
Möhringen - Mehr als eine Million Flüchtlinge sind 2015 nach Deutschland gekommen. In Stuttgart waren es etwa 8000 Menschen. Darunter sind auch viele Minderjährige, die ohne ihre Eltern in der Bundesrepublik gestrandet sind. Für sie werden händeringend Räume gesucht. Die evangelische Kirchengemeinde Möhringen möchte sich einbringen und helfen. So formuliert es der geschäftsführende Möhringer Pfarrer Ernst-Martin Lieb.
Von Mai an vermietet die Gemeinde das Nebengebäude der Christuskirche an der Meßstetter Straße an die Jugendhilfe aktiv. Die Stiftung mit Sitz in Plieningen kooperiert mit dem Jugendamt und betreut bereits an anderen Orten unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. So gibt es zum Beispiel seit April in dem Pflegeheim Hans-Rehn-Stift an der Supperstraße in Rohr eine Wohngruppe. Im Januar möchte die Jugendhilfe aktiv auf ihrem eigenen Gelände an der Bernhauser Straße eine weitere eröffnen.
Die Kirchengemeinde baut um
Die Jugendhilfe aktiv ist eine gemeinnützige kirchliche Stiftung bürgerlichen Rechts. Etwa 700 Mitarbeiter fördern und unterstützen derzeit mehr als 1500 Kinder. Thomas Kuhn freut sich, dass die evangelische Gemeinde Möhringen der Jugendhilfe aktiv die Räume zur Verfügung stellt. „Das ist eine gute Sache. Auf diese Weise können die Gemeinden mittelbar was in der systematischen Flüchtlingsarbeit tun“, sagt der Regionalleiter der Stiftung.
In den Räumen an der Meßstetter Straße in der Kolbäckersiedlung war ursprünglich das Kinderhaus in der Christuskirche untergebracht, kurz Kick. Bevor nun Jugendliche einziehen können, müssen die Handwerker anrücken und den einstigen Kindergarten renovieren und umbauen. Aus den Gruppenräumen und den Gemeinschaftswaschräumen mit Toiletten sollen Einzel- und Zweibettzimmer mit jeweils eigenen Sanitäranlagen werden. Geplant ist, dass in dem Nebengebäude künftig sechs bis zehn junge Männer leben.
Die Kosten betragen etwa 450 000 Euro
Ernst-Martin Lieb schätzt die Kosten auf 450 000 Euro. Die Gemeinde bringt das Geld selbst auf. „Das wird aus den Rücklagen entnommen“, erläutert Lieb. Mit der Vermietung der Räume sollen die Ausgaben refinanziert und über mehrere Jahre hinweg gestreckt wieder den Rücklagen zugeführt werden. Kick ist inzwischen innerhalb des Areals umgezogen, vom Nebengebäude der Kirche in das Gartengeschoss der Kirche. Denn das Nebengebäude war in die Jahre gekommen. „Der Zustand war so, dass wir dort langfristig keinen Kindergarten mehr haben wollten“, sagt Lieb.
Hinzu kam, dass auch in Möhringen die Zahl der Gemeindeglieder rückläufig ist. Um Geld zu sparen, rückt man enger zusammen. Das bedeutet auch, dass das eine oder andere Gebäude aufgegeben werden muss. Die meisten Gruppen, die sich etwa einst in der Christuskirche trafen, sind mittlerweile in der Auferstehungskirche an der Widmaierstraße zu Hause.
Die Studentenwohnungen sind vom Tisch
In der Vergangenheit diente das Kinderhaus Kick als Ausweichquartier für den Martinskindergarten. Denn die Stadt hat das Gebäude an der Vaihinger Straße 75 saniert. Im Herbst hatte die evangelische Gemeinde als Träger der Einrichtung die neuen Räume offiziell eröffnet. Seitdem steht das ehemalige Kinderhaus Kick leer.
Es gab den Plan, das Nebengebäude der Christuskirche zu Studentenwohnungen umzubauen. So stand es vor einigen Monaten im Newsletter, der regelmäßig vom Kirchengemeinderat verschickt wird. Nun hat man sich aber noch einmal umentschieden, auch angesichts der großen Zahl an Flüchtlingen, welche die Landeshauptstadt derzeit handeln muss.