Chronik eines Mordfalls Vermisstensuche und traurige Botschaft

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8. November 2017: Katharina K. wird zum letzten Mal lebend gesehen.

Der Angeklagte Daniel E. besucht kurz einen Freund auf dessen Arbeitsstelle, um Geld abzuholen, das dieser ihm schuldet. Später wird ihm E. auf Facebook schreiben, er stehe unter Mordverdacht – und dass er der Polizei den Besuch bestätigen solle und dass die Ermittler sicher „die Kameras anschauen möchten“.

Am Abend, kurze Zeit später, besucht E. seine Exfreundin Katharina K. und hilft ihr mit handwerklichen Tätigkeiten. Er selbst hat gegenüber der Polizei ausgesagt, K. sei dann plötzlich aus der Wohnung gegangen und habe die Kinder bei ihm gelassen.

Die Anklage geht hingegen davon aus, dass E. seine Exfreundin zwischen 21.30 und 22 Uhr, als die Kinder schliefen, durch stumpfe Gewalt gegen den Hals umgebracht hat. Zu einem ungeklärten Zeitpunkt hören Nachbarn beim Fernsehen einen heftigen Schlag – „als sei ein Möbelstück heruntergefallen“.

Kurz nach 22 Uhr lotst E. seine beste Freundin nach Backnang – angeblich, weil er Schlüssel seiner Wohnung in Weiler zum Stein braucht, die sich im VW Crafter befinden, mit dem die junge Frau unterwegs ist. Ein Anwalt der Nebenklage ist dagegen überzeugt, dass die 27-Jährige E. hilft, die in eine Plastikplane gewickelte Leiche in den Keller zu schaffen und in einer Mülltonne zu verstauen.

Dann überredet E. die 27-Jährige, die keinen Führerschein hat, für ihn eine nächtliche Paketlieferung nach Kassel zu bringen. Sie benutzt seinen geleasten VW Crafter und fährt noch in der Nacht wieder zurück.

Handy- und Motordaten zeigen, dass Daniel E. gegen 22.30 Uhr zu einem Aussiedlerhof in Richtung Großaspach fährt, dort wendet und dann nach Großbottwar fährt. Gegen 23 Uhr ist er wieder in der Wohnung des Opfers, gegen 1.30 Uhr fährt er zu seiner Wohnung in Leutenbach-Weiler zum Stein, um danach wieder nach Strümpfelbach zu fahren. Dort bleibt E. dann den Rest der Nacht.

Dramatische Szenen am Tag nach dem Verschwinden von Katharina K.

9. November: Daniel E. bringt morgens den sechsjährigen Sohn von Katharina K. zur Schule und holt ein Babybett bei der Freundin in Großbottwar. Sein 11 Monate altes Kind bringt er zu Bekannten in Großbottwar-Sauserhof. Gegen 11 Uhr kauft er in der Labag-Tankstelle in Marbach (Kreis Ludwigsburg) zwei Kanister Dieseltreibstoff. Dann fährt er mit dem VW Crafter nach Backnang-Strümpfelbach zum Haus des Mordopfers. Er hilft dort einem Nachbarn, einen alten Rasenmäher zu reinigen. Dann lädt er das Gerät und anderen Sperrmüll in den Transporter und fährt gegen 12.30 Uhr weg. Die Polizei geht davon aus, dass sich die Mülltonne mit der Leiche K.s nun in dem Auto befindet und dass E. den leblosen Körper später mithilfe des Treibstoffs anzünden wird. Von der Mülltonne fehlt bis heute jede Spur.

Verwandte und Freunde K.s machen sich derweil Sorgen, weil K. auf Anrufe und What’s App-Nachrichten nicht reagiert. Als sie von Daniel E.s Eltern erfahren, dass beide Kinder bei E. sind, schrillen bei ihnen die Alarmglocken.

Einer von Katharina K.s Brüdern schlägt auf den Angeklagten ein

Im Lauf des Tages wird E.s weißer Transporter in Oberstenfeld (Kreis Ludwigsburg) zwischengeparkt. Seine beste Freundin, bei der er zu diesem Zeitpunkt wohnt, muss E. mit seinem Mercedes-SUV abholen. Er will sie nicht mit dem Crafter fahren lassen – ob sie aber von dem Verbrechen weiß, ist fraglich.

K.s Geschwister überreden E., die Kinder nach Backnang-Strümpfelbach zu bringen. Dort kommt es am späten Nachmittag zu einer Konfrontation: Als die Familie bemerkt, dass in der Wohnung der Reisepass des elf Monate alten gemeinsamen Sohnes von K. und E. fehlt, nehmen sie das kleine Kind an sich. Einer der Brüder von K. schlägt auf E. ein, um den Aufenthaltsort der Vermissten in Erfahrung zu bringen – dieser beteuert, mit dem Verschwinden nichts zu tun zu haben.

Von den Verwandten K.s genötigt, ruft Daniel E. gegen 17.30 Uhr bei der Polizei an. Sein Tonfall ist ruhig, er klingt eher interessiert als besorgt. Später auf dem Revier gibt er an, K. habe ihren Reisepass mitgenommen – die Beamten gehen deswegen zunächst davon aus, dass die junge Frau aus freien Stücken weggegangen ist.

Auch Katharina K.s älterer Bruder ruft von unterwegs die Polizei an. Sein Anruf, der im Prozess abgespielt wird, macht deutlich: Die Familie hat sofort Daniel E. im Verdacht, die bevorstehende Verhandlung im Sorgerechtsstreit verhindern zu wollen.

Katharina K.s ältere Schwester gibt auf dem Revier in Backnang eine Vermisstenmeldung auf. Denn die Familie hat entdeckt, dass Geldbeutel, Jacke und Schuhe von K. noch in der Wohnung liegen. Ihr Auto steht vor dem Haus – alles Hinweise darauf, dass K. nicht freiwillig verschwunden ist.

Handy- und Motordaten zeigen laut der Polizei, dass E. am Abend, kurz vor 21 Uhr, mit dem VW Crafter zu einer Scheune in Großbottwar-Winzerhausen fährt. Dort bleibt er nur wenige Minuten und fährt danach weiter nach Eglosheim – an den Ort, an dem die Leiche von Katharina K. in Brand gesetzt wurde. Gegen 22.20 Uhr soll E. dort gewesen sein. Er bleibt rund eine Stunde.

Die Motordaten seines Mercedes-SUV widerlegen eine Aussage des Verdächtigen

10. November: Gegen 4 Uhr morgens fährt E. Handy- und Autodaten zufolge nach Eglosheim. Überwachungskameras aus der Gegend zeigen einen Mercedes GL mit Anhänger. Letzteren konnte die Polizei nie finden. Gut eine Stunde später erreicht E. Asperg – dort wurde später die Leiche gefunden. Später fährt er erneut zurück an den Brandort in Asperg – die Staatsanwaltschaft wird später davon ausgehen, dass E. eine Plane, in die die Leiche gewickelt war, hier versteckt.

Die Polizei wendet sich mit einer Vermisstenmeldung an die Öffentlichkeit und die Medien. Die Ermittler gehen jetzt vom Schlimmsten aus und gründen eine Ermittlungsgruppe, der zeitweise 50 Beamte angehören. Die Spurensicherung durchsucht die Wohnung in Backnang-Strümpfelbach. Ein Leichenspürhund schlägt im Wohnzimmer an – und die Beamten finden Blutspuren am Boden.

Die beiden kleinen Söhne von Katharina K. sind inzwischen bei Verwandten untergebracht.

Der Gerichtstermin in dem Sorgerechtsstreit vor dem Oberlandesgericht findet ohne Katharina K. statt – allerdings im Beisein von zwei Polizisten. Daniel E. lässt sich von seiner Anwältin vertreten. Er gilt schon jetzt als Tatverdächtiger, wirkt aber bei allen Maßnahmen der Polizei bereitwillig mit. Er beteuert, mit K.s Verschwinden nichts zu tun zu haben und die Wohnung nicht verlassen zu haben, nachdem die junge Frau gegangen sei. Die Polizei überwacht sein Telefon und observiert ihn – doch er bemerkt die Verfolger.

Der Pächter eines Gartengrundstücks in Asperg (Kreis Ludwigsburg) bemerkt, dass sein Komposthaufen verwüstet ist. Er geht davon aus, dass Tiere dafür verantwortlich sind, und schenkt dem keine weitere Beachtung.

11. November: Die Polizei stürmt in Großbottwar das Haus der Mutter von E.s bester Freundin. Dort hatte E. aus Angst vor den Geschwistern des Opfers übernachtet. Daniel E. wird festgenommen. Zu seiner Verhaftung haben unter anderem die Motorsteuerdaten seines Mercedes-SUV geführt. Diese beweisen, dass E. entgegen seiner Behauptung in der Nacht mit dem Wagen unterwegs war.

Als ein Polizist ihm dies später vorhält, entgegnet E., vergessen zu haben, dass er in der Nacht ein paar Dinge in der Wohnung seiner Freundin geholt hätte. In einem dritten und letzten Verhör schweigt E.

Die Auswertung der Navigationsgeräte von E.s Mercedes und des geleasten Transporters läuft derweil. Sie dauert aber zu lange, um bei der fieberhaften Suche nach Katharina K. helfen zu können.

Ebenfalls am 11. November durchsucht die Polizei die Mülldeponie in Backnang-Steinbach nach der Vermissten oder nach Spuren von ihr. Denn E. soll am Tag nach K.s Verschwinden Sperrmüll weggebracht haben. Gefunden wird jedoch nichts. Auch in den Tagen danach geht die Suche weiter. Der Einsatz von Spürhunden und eines Hubschraubers bringen keinen Erfolg.

In Backnang ermordet, in Eglosheim angezündet, in Asperg versteckt

In den Tagen darauf gehen einige Hinweise aus der Bevölkerung ein. Unter anderem glaubt jemand, K. am Flughafen in Rom gesehen zu haben. Die Polizei bewertet jedoch keinen der Tipps als relevant. Für erfolgversprechend hält sie dagegen Daten aus der App „MoovOn“, die Daniel E. auf seinem Handy installiert hat.

15. November: Der Pächter des Gartengrundstücks in Asperg entdeckt in seinem Komposthaufen eine Leiche. Sie weist Brandspuren auf – trotzdem bringt eine Tätowierung schnell die Gewissheit, dass es sich um die vermisste zweifache Mutter handelt. Die Polizei teilt die traurige Nachricht zunächst den Angehörigen mit, auf einer Pressekonferenz in Waiblingen wird auch die Öffentlichkeit informiert.

16. November: Das Mordopfer wird obduziert. Die Arbeit der Gerichtsmediziner wird durch die Auswirkungen des Feuers am Körper der Toten erheblich erschwert. Die Hitze hat innere und äußere Organe des Opfers verletzt – gelebt hat Katharina K. zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr. Als Todesursache macht die leitende Spezialistin eine „komprimierende stumpfe Gewalt gegen den Hals“ aus – also ein Erwürgen oder Ersticken. Die Obduktion bringt auch eine Stichwunde im Brustkorb zutage, diese war jedoch wohl nicht tödlich.

17. November: Fahrzeug- und Handydaten führen die Ermittler zu einem Gartengrundstück bei Eglosheim (Kreis Ludwigsburg). Ein Spürhund schlägt an – die Polizisten entdecken eine blaue Plastikplane mit Blutspuren und auf einigen Betonplatten Brandflecken, ein Haarbüschel und einen Fetzen Stoff. In diesem Garten, so sind die Ankläger überzeugt, hat jemand versucht, die Leiche von Katharina K. zu verbrennen.

An der Plane finden sich später DNA-Spuren von Katharina K., Daniel E. und einer dritten, unbekannten Person. Letztere Spur kann keinem Polizisten, keinem Zeugen und auch keinem registrierten Straftäter zugeordnet werden.