Chronik eines Mordfalls Der Prozess

Von  

März 2018: Daniel E. sitzt nicht mehr nur in U-Haft, sondern tritt eine Haftstrafe an, zu der er im September 2017 vom Amtsgericht Waiblingen verurteilt worden war.

April 2018: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Mordes. Sie geht davon aus, dass der Angeklagte die junge Frau gleich am Abend des 8. November getötet hat – aus niederen Beweggründen. Damit sieht sie mindestens ein Mordmerkmal erfüllt.

22. Oktober: Der erste Prozesstag beginnt unter hohen Sicherheitsvorkehrungen. Der Angeklagte Daniel E. macht von seinem Schweigerecht Gebrauch. Als Zeugen sagen am ersten Tag zwei Polizisten sowie K.s Vater und ihre ältere Schwester aus. Beide belasten den Angeklagten massiv. Dieser zeigt sich von den teils emotionalen Aussagen unbeeindruckt, er konzentriert sich fast den ganzen Prozesstag auf seine Unterlagen und macht sich Notizen.

25. Oktober: Am zweiten Prozesstag sagt – neben einigen Nachbarn des Mordopfers – die beste Freundin des Angeklagten aus. Sie und ihre Mutter beschreiben E. als fröhlich und hilfsbereit. Die Großbottwarerin beteuert, nichts von dem Verbrechen gewusst zu haben. Kritische Fragen zum Sorgerechtsstreit oder dem Verschwinden von K. habe sie ihrem Kumpel nicht gestellt. Als die Staatsanwältin der Zeugin nicht glaubt und sie in die Zange nimmt, bricht die junge Frau, die sich selbst als psychisch labil beschreibt, zusammen. Daniel E. zeigt angesichts dessen keine Regung. In der Haft hatte ihm die Freundin mitgeteilt, den Kontakt nicht halten zu können, solange seine Schuld nicht geklärt sei. Ihre Rolle in dem Fall bleibt ungeklärt.

13. November: Daniel E. und sein Verteidiger stellen einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter Uwe Tetzlaff: Dieser habe den Vater des Angeklagten mit einem missverständlichen Schreiben geladen und Daniel E. keine Gelegenheit gegeben, sich zur Ladung seines Vaters zu äußern.

15. November: Vor Gericht stellt die Gerichtsmedizinerin ihre Erkenntnisse vor. DNA- und Blutspuren belasten den Angeklagten Daniel E.: Sein genetischer Fingerabdruck findet sich an der Plane am Verbrennungsort, Blut des Opfers an einem Teppich in seiner Wohnung.

20. November: Polizisten erläutern das Bewegungsprofil des Angeklagten, das sie erstellt haben. Die Aufzeichnungen von Handys, Navigationsgeräten und Motorsteuerdaten der Autos belasten Daniel E. schwer.

22. November: Die beste Freundin des Opfers sagt aus. Die junge Frau traut sich nur an der Seite ihrer Mutter und eines Wachtmeisters in den Zeugenstand.

26. November: Die Schilderung von Daniel E.s Ex-Freundin, die als Zeugin geladen ist, erinnert erschreckend an das Zusammenleben des Angeklagten mit dem Mordopfer. Sie erzählt, E. sei manipulativ und gewalttätig gewesen. Der psychiatrische Sachverständige geht davon aus, dass E. schuldfähig ist: Er habe zwar stark ausgeprägte narzisstische, dissoziale und psychopathische Persönlichkeitsmerkmale, dies habe aber keinen Einfluss auf seine Steuerungsfähigkeit.

4. Dezember: Der Angeklagte bricht sein Schweigen – und leugnet die Tat weiter. Er wirft der Polizei Ermittlungsfehler vor und behauptet, Katharina K. sei am Abend ihres Verschwindens aufgebrochen, um sich mit einem anderen Mann zu treffen. Die Ankläger bezeichnen die Version als „hanebüchen“ – sie fordern in ihren Plädoyers lebenslange Haft und beantragen, eine besondere Schwere der Schuld festzustellen.

13. Dezember: Das Landgericht Stuttgart befindet Daniel E. für schuldig. Er muss wegen Mordes mit besonderer Schwere der Schuld lebenslang in Haft – und kann nicht nach 15 Jahren entlassen werden. Wie lange seine zusätzlich zu verbüßende Haft dauert, muss nach besagten 15 Jahren entschieden werden. E.s Anwalt kündigt an, in Revision zu gehen.