Chronische Hautkrankheit Rosazea Reizende Röte

Von Gerlinde Felix 

Die chronische Hauterkrankung Rosazea ist zwar noch nicht heilbar, doch dank neu zugelassener Medikamente in vielen Fällen gut behandelbar. Vor allem, wenn die Therapie frühzeitig beginnt und konsequent erfolgt.

Übermäßige Hautpflege kann Rosazea begünstigen. „Sie kann zur Überfettung der Haut führen, denn im Gegensatz zu allen anderen Hautpartien ist das zentrale Gesicht selbst gut versorgt“, warnt der Stuttgarter Dermatologe Peter von den Driesch. Foto: ddp
Übermäßige Hautpflege kann Rosazea begünstigen. „Sie kann zur Überfettung der Haut führen, denn im Gegensatz zu allen anderen Hautpartien ist das zentrale Gesicht selbst gut versorgt“, warnt der Stuttgarter Dermatologe Peter von den Driesch. Foto: ddp

Stuttgart - Schönheitsideal einer makellosen Haut macht all jenen Menschen das Leben schwer, die an Rosazea leiden: Die hochempfindliche Rosazea-Haut rötet sich stark, bedingt durch Kälte und UV-Strahlung oder den schnellen Wechsel zwischen Hitze und Kälte, etwa beim Saunabaden. Die Rötungen gehen zunächst wieder weg, irgendwann aber bleiben sie, die Äderchen sind gut sichtbar. Auch Pusteln, die an kleine Eiterpickelchen erinnern, und kleine Knötchen (Papeln) treten im Gesicht und in angrenzenden Hautbereichen vieler der rund vier Millionen Rosazea-Patienten auf.

Schweregrade von Rasazea

Es gibt alle Schweregrade: von der gelegentlichen Pustel bis zur deutlich sichtbar zerstörten Hautstruktur. „Bei etwa 800 000 Menschen ist Rosazea so behandlungsbedürftig, dass wir sie in der Klinik sehen“, sagt der Dermatologe Peter von den Driesch, Direktor der Stuttgarter Hautklinik. Dazu gehören insbesondere jene Patienten, bei denen sich die Talgdrüsen vergrößern und das Bindegewebe wuchert. Diese Patienten haben das Risiko, irgendwann eine stigmatisierende „knollenartige Säufernase“ zu bekommen; Rhinophym sagen die Mediziner dazu. „Aber nicht jeder Rosazea-Patient bekommt ein Rhinophym“, beruhigt der Dermatologe.

Familiäre Häufung

Rosazea ist eigentlich eine Erkrankung des mittleren Lebensalters. Allerdings können bereits Kinder daran erkranken. Wieso bekommt der eine Rosazea, der andere nicht? „Die Ursachen sind noch nicht ganz geklärt. Es gilt als sicher, dass diese chronische Hauterkrankung in Zusammenhang mit dem angeborenen unspezifischen Immunsystem steht, quasi unsere erste Verteidigungslinie gegenüber Angreifern“, sagt der Stuttgarter Experte von den Driesch. Möglicherweise bekämen genau jene Menschen Rosazea, die über ein sehr gut arbeitendes angeborenes Immunsystem verfügen.

„Bei Rosazea-Patienten liegt ein zur angeborenen Immunabwehr gehörendes kleines Protein, Peptid genannt, in falscher Form und zu großen Mengen vor. Das Peptid kann Keime abwehren sowie die Bildung von Gefäßen und die Immunabwehr beeinflussen“, erklärt der Dermatologe Martin Schaller, Vize-Direktor der Universitäts-Hautklinik in Tübingen.

Gestörte Gefäßdurchblutung

Weiterhin liegt eine Fehlregulation der Gefäßdurchblutung im Gesichtsbereich vor. Als Reaktion auf gewisse Trigger weiten sich die Blutgefäße. Daraufhin wandern Entzündungszellen aus dem Blut ins Gewebe – das Bindegewebe wuchert. „Außerdem tummeln sich auf der Gesichtshaut von Rosazea-Patienten mehr Haarbalgmilben als normal. Diese Demodex-Milben provozieren eine überschießende Immunantwort, die Entzündungsreaktionen in der Haut anheizt“, so Schaller.

Meist tritt Rosazea familiär gehäuft auf, was auf genetische Faktoren hindeutet. Möglicherweise ist die Empfindlichkeit gegen Sonnenlicht ebenfalls genetisch bedingt. Auch übermäßige Hautpflege kann Rosazea begünstigen. „Sie kann zur Überfettung der Haut führen, denn im Gegensatz zu allen anderen Hautpartien ist das zentrale Gesicht selbst gut versorgt“, warnt von den Driesch.

Wenn der Haut zweimal am Tag mit Feuchtigkeitscremes Fette zugeführt werden und Haarmilben und Keime sich vermehren, kann das die angeborene Immunabwehr triggern, was von vielen Betroffenen unterschätzt werde. „Der Genuss von etwas Wein oder von scharf gewürzten Speisen wird dagegen vermieden, obgleich beides eine Rosazea zumeist nur geringfügig fördert“, sagt der Dermatologe. Es kann helfen, eine Zeit lang täglich zu notieren, was man gegessen oder getrunken hat – und wie die Haut darauf reagierte.

Was kann man gegen Rosazea machen?

Die insbesondere für stärker Betroffene psychisch belastende Erkrankung ist mittlerweile vergleichsweise gut behandelbar – auch dank neuer Medikamente. „Wer die beschriebenen Hautprobleme hat, sollte unbedingt möglichst schon frühzeitig zum Hautarzt gehen“, sagt von den Driesch.

Eine leicht bis mittelschwer erkrankte Haut pflegt man möglichst sanft und reizarm mit Pflegeprodukten aus der Apotheke. Diese sollten nur wenig Fett enthalten und gut verträglich sein. Es ist ratsam, seifenfreie Reinigungsmittel zu verwenden. Seifen können den pH-Wert der Haut verschieben und zu Irritationen führen.

Sonnenschutz hilft

Gesichtswasser und andere Präparate, die Menthol oder Campher enthalten, sind ebenso ungeeignet. Zum Kaschieren von Rötungen oder von Pappeln und Pusteln eignen sich getönte Tagescremes, die es in der Apotheke zu kaufen gibt. „Wer festgestellt hat, dass Sonne Pusteln und Papeln bei ihm sprießen lässt, sollte unbedingt einen Sonnenschutz verwenden“, rät Schaller. Der Sonnenschutz von mindestens Faktor 30 sollte vor UVA- und UVB-Strahlen schützen. Präparate mit physikalischen Blockern wie Titandioxcid und Zinkdioxid sind bei Rosazea besonders gut verträglich.

Die eigentliche Behandlung der Hautveränderungen, die auf die individuellen Symptome zugeschnitten wird, erfolgt lokal mit entzündungshemmenden Medikamenten. Gegen Rötungen hilft das gefäßverengende und antientzündliche Medikament Brimonidin. Metronidazol und Ivermectin sowie die bei Rosazea nicht zugelassene Azelainsäure helfen gegen Pusteln und Papeln. Ivermectin ist laut Schaller noch etwas wirksamer als Mezronidazol.

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