Zwei Jahre war die CIA einem der weltweit gefährlichsten Hacker auf der Spur. Jetzt hat sie den Russen gefasst – ausgerechnet in einem Urlaubsparadies. Der Umgang mit dem Hacker birgt neuen Zündstoff zwischen den USA und Russland.
Moskau - Mit dem Namen Waleri Selesnjow konnte bisher nur die Führung von Russlands pseudooppositioneller Liberaldemokratischer Partei etwas anfangen. Selesnjow sitzt mit deren Mandat in der Duma – Russlands Parlament – und tut dort still und unauffällig seine Arbeit. Doch nun ist sein Name in aller Munde. Dies verdankt Selesnjow indes nicht eigenen politischen Aktivitäten, sondern den Gesetzesverletzungen seines Sohnes Roman.
Den 30-Jährigen zählen die USA zu den weltweit erfolgreichsten und gefährlichsten Hackern. Mit einer von ihm höchstselbst entwickelten Software, die nicht nur die Firewalls von Betriebssystemen, sondern auch gängige Antivirenprogramme übertölpelte, soll er zwischen 2009 und 2011 die Kreditkartendaten von mehr als 200 000 US-Bürgern ausgelesen und an andere Ganoven verkauft haben. Diese gingen auf Rechnung der Opfer einkaufen, der Gesamtschaden soll sich auf mehr als zwei Millionen US-Dollar belaufen. Zwar fahnden die USA nach dem Hacker, der seine kriminellen Energien mit einem guten Dutzend virtueller Identitäten austobte, schon seit 2012, aber erwischt haben sie ihn erst jetzt – auf den Malediven. CIA-Mitarbeiter verfrachteten Roman Selesnjow auf die US-Insel Guam im Pazifik. Statt wie geplant in einer Nobelherberge im Indischen Ozean sitzt er nun im Hochsicherheitstrakt der dortigen Haftanstalt. Ende Juli soll der Prozess gegen ihn beginnen. Bei einem Schuldspruch drohen Selesnjow etliche Jahre Haft und mehrere Millionen Dollar Geldstrafe. Die Beweislast ist angeblich erdrückend.
Russland will sich um eine Auslieferung bemühen, doch die Chancen stehen schlecht: es gibt kein Abkommen dazu. Auch ist das Verhältnis zu den USA wegen der Ukraine-Krise so schlecht wie nie seit Ende des Kalten Krieges. Der Umgang mit dem Hacker birgt neuen Zündstoff. Ein Außenamtssprecher sprach von einem „unfreundlichen Schritt“ und warf Washington Menschenraub sowie schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Selesnjow habe bisher weder seine Angehörigen noch einen Rechtsbeistand kontaktieren dürfen. Auch russische Konsularbeamte hätten ihn nicht aufsuchen dürfen, Moskau sei über die Verhaftung nicht einmal offiziell informiert worden.