Krimikolumne

Cixin Liu: „Die drei Sonnen“ In der elften Dimension

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Das Buch, das Barack Obama im Weihnachtsurlaub las: Cixin Liu eröffnet mit „Die drei Sonnen“ eine Romantrilogie von gewissermaßen galaktischer Dimension.

Vom Ingenieur zum Autor: Cixin Liu beschäftigt sich mit den Weiten des Weltalls. Foto: Li Yibo
Vom Ingenieur zum Autor: Cixin Liu beschäftigt sich mit den Weiten des Weltalls. Foto: Li Yibo

Stuttgart - Dieses Buch beginnt in finsteren Zeiten, Zeiten in denen es lebensgefährlich war, eine eigene Meinung zu haben – und sei sie wissenschaftlich noch so fundiert. Die Rede ist aber nicht etwa vom Mittelalter, sondern vom 20. Jahrhundert: Vor gerade einmal fünfzig Jahren begann in China die Kulturrevolution, eine Ära der Finsternis und der Gewalt, in der alles vermeintlich Bourgeoise und Konterrevolutionäre mit aller Härte verfolgt wurde. Mit Macht zieht der chinesische Autor Cixin Liu seine Leser zu Beginn von „Die drei Sonnen“ hinein in ein Tribunal, bei dem ein Physikprofessor von vier jungen Frauen einfach zu Tode geprügelt wird, weil er an Einstein & Co. festhält.

Doch das ist natürlich nur der Prolog zu einer Komposition, der man zumindest in inhaltlicher Hinsicht das Attribut „galaktisch“ verpassen kann. Denn die Tochter des Ermordeten, eine Astrophysikerin, kommt in der Folge in einem streng geheimen Projekt unter, wo sie bis zu ihrer politischen Rehabilitation mehr geduldet als geschätzt wird. Es gelingt ihr das Unfassbare: sie nimmt Kontakt zu einer außerirdischen Intelligenz auf und lädt sie auf die Erde ein – wohl wissend, dass dies das Ende der menschlichen Spezies bedeuten kann. Für ihren Plan geht sie über zwei Leichen und der dicht gewobene Science-fiction-Krimi nimmt seinen Lauf.

Cixin Liu entwirft ein ganz großes Szenario, in dem er virtuos moderne Wissenschaft und chinesische Geschichte, menschliche Abgründe und pure Utopie verbindet. Auf der einen Seite verwendet er Thriller-Elemente – etwa, wenn es darum geht, auf äußerst unkonventionelle Weise einen Ozeanriesen zu versenken –, auf der anderen wirft er einen differenzierten Blick auf das China der vergangenen fünf Jahrzehnte. Und dann treibt er noch die Science Fiction mit Macht und Fantasie buchstäblich in die elfte Dimension.

Barack Obama soll diesen Roman mit in seinen Weihnachtsurlaub genommen haben. Und da es sich bei den „Drei Sonnen“ um den ersten Teil einer Trilogie handelt, wird er wahrscheinlich auch Band zwei und drei lesen – Zeit dazu hat er jetzt ja. Vielleicht hilft ihm dieser kleine Eskapismus ja ein bisschen über das Elend auf der echten Erde hinweg. Killer & Co. jedenfalls will schon jetzt wissen, was die extraterrestrischen Trisolaner auf unserem Planeten anstellen . . .

Cixin Liu: Die drei Sonnen. Aus dem Chinesischen von Martina Hasse. Heyne Verlag München 2016. Paperback, 592 Seiten, 14,99 Euro