Click & Collect Neuer Trend im Online-Handel hilft Stuttgarter Geschäften

Von Daniel Gräfe 

Das sogenannte Click & Collect ist auf Wachstumskurs: Im Internet bestellte Waren werden immer häufiger vor Ort abgeholt. Das könnte die Innenstädte beleben.

Im Internet Bücher bestellen – und sie im stationären Geschäft abholen: Damit hat die Buchbranche gute Erfahrungen gemacht. Foto: picture alliance / dpa
Im Internet Bücher bestellen – und sie im stationären Geschäft abholen: Damit hat die Buchbranche gute Erfahrungen gemacht. Foto: picture alliance / dpa

Stuttgart - Waren online bestellen und im stationären Geschäft abholen: Dieser Click & Collect genannte Service führt den Händlern der Region Stuttgart wieder mehr Kunden zu. „Click & Collect ist auf Wachstumskurs und ganz wichtig, um mehr Frequenz in unsere Innenstädte zu bringen“, sagt Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin beim Handelsverband Baden-Württemberg, unserer Zeitung. „Die Entwicklung wird sich wegen des Trends zu mehr Nachhaltigkeit noch verstärken.“

In der Region Stuttgart bieten Click & Collect vor allem die großen Unternehmen an, die bereits einen eigenen Online-Shop betreiben, darunter Kaufhof, Karstadt, H & M, Media-Markt, Saturn, Tchibo und Ikea. Auch Rewe und testweise Lidl offerieren den Service. Die Käufer nutzen ihn vor allem bei Kleidung, Schuhen, Elektronik-, Freizeit- und Einrichtungsprodukten. Die Wachstumszahlen sind teils beachtlich. So wurden beim Stuttgarter Kaufhaus Breuninger in diesem Jahr bereits 63 000 bestellte Pakete vor Ort abgeholt. Das ist im Vergleich zum Start vor sechs Jahren fast die 20-fache Menge.

Händler können im Wettbewerb mit Amazon punkten

Auch die Buchbranche hat gute Erfahrungen gemacht. Die Kunden würden Online-Bestellungen immer häufiger im Laden abholen, anstatt sich die Bücher nach Hause liefern zu lassen, heißt es bei der Tübinger Buchkette Osiander, die in der Region viele Läden hat. „Das ist für uns die große Chance in der Nachhaltigkeitsdiskussion. Viele Leute kommen in den Buchhandel zurück“, sagt Mitgeschäftsführer Christian Riethmüller. Auf diese Weise könne der Handel die Kunden von seinem Service vor Ort überzeugen und im Wettbewerb mit Amazon punkten.

Laut einer Studie des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel haben bereits sechs von zehn Verbrauchern Waren schon einmal online bestellt und im Geschäft abgeholt. Demnach schätzen die Kunden die Flexibilität bei der Abholung, die kostenlose Retoure im Geschäft und die Möglichkeit, die Abholung mit anderen Einkäufen zu verbinden. Jeder zweite Nichtnutzer könne es sich vorstellen, künftig den Service auszuprobieren.

„Alles, was die Leute dazu motiviert, in die Zentren zu kommen, ist aus stadtplanerischer Sicht eine gute Sache“, sagt Sven Hahn, Geschäftsführer der City-Initiative Stuttgart, die die Innenstadt attraktiver machen will. „Die Verbindung von Internet- und stationärem Geschäft ist wegweisend.“ Allerdings könnten nicht alle den Aufwand stemmen. „Die kleinen Händler können das nicht immer leisten.“ Das Kölner Handelsinstitut EHI hat das Thema Click & Collect bei den 1000 größten Online-Shops in Deutschland untersucht. Demnach bieten derzeit 312 den Service mit Online-Bezahlung, aber nur bei 165 konnte man auch in den Filialen vor Ort die Rechnung begleichen. „Da ist noch Luft nach oben“, heißt es.

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