Nach sieben Monaten Programm und bleibenden Erinnerungen schließt die Lerche 22 am Schlossplatz wieder. Eindrücke von der Abschiedsparty mit Wegbegleitern und Gästen im Gewölbeclub.
Alles hat ein Ende – auch für den Club Lerche 22 am Schlossplatz ist das nun gekommen. Von Anfang an als Pop-up-Club angelegt, war die Schließung keine Überraschung, dennoch erfüllt sie viele Stuttgarterinnen und Stuttgarter jetzt mit Bedauern. Der Club hatte in den letzten Monaten Subkultur, hiesigen Kollektiven, Veranstaltern und Artists sowie alternativen Formaten eine Plattform geboten und war zu einer festen Anlaufstelle im Stuttgarter Nachtleben geworden.
Am Freitagabend luden die Betreiber um die Stuttgarter Veranstalter Felix Klenk (Süssholz) und Matthias Mettmann (Im Wizemann) sowie das übrige Team der Lerche 22 zum offiziellen last dance im Marquardtbau. Zur großen Closing-Party kamen all jene, die den Club in den letzten Monaten zu dem gemacht haben, was er war – vor und hinter dem DJ-Pult.
Wartende am Einlass der Lerche 22 am Freitagabend. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Stuttgarter feiern ein letztes Mal im Club Lerche 22
Die Bilder am Abend erinnerten zwar nicht unbedingt an die Cluberöffnung im Oktober 2025, als die Gäste fast bis zum Ende der Bolzstraße standen, doch auch am Freitagabend war der Andrang am Schlossplatz groß. Während zu Beginn der Party noch Luft war und die Gäste offenbar noch die laue Frühsommernacht genossen, staute es sich ab Mitternacht vor und im Club an der Königstraße. Laut Veranstaltern waren vorab 350 Tickets verkauft worden. Auch an der Abendkasse nutzten einige noch die Chance. Sowohl aus Stuttgart als auch aus der Region waren Feierfreudige gekommen.
„Es wird ein Ort fehlen“: Partygäste bedauern Lerche 22-Aus
„Es wird ein Ort fehlen, an dem vor allem kleine DJ-Kollektive Platz haben“, sagte Gast Nico aus Stuttgart, der öfter in der Lerche 22 unterwegs und zur Abschiedsparty gekommen war. „Leider machen ja gerade mehrere Clubs zu.“ Sein Kumpel Alex ergänzte: „Die Crowd wird fehlen. Es sind einfach viele coole Leute aus verschiedenen Stuttgarter Sections hier“. Der Mix aus unterschiedlichsten Musikrichtungen und Artists sei eine willkommene Abwechslung, die er künftig vermissen werde. „Schade, dass das bald nicht mehr da ist. Wir werden heute aber den Abend genießen und das Beste draus machen.“
Auch die Stuttgarterin Kathi war am Abend gekommen, um noch einmal Abschied zu nehmen. „Die Lerche war ein Ort, an dem Leute zusammenkommen, ein Kulturclub, der fehlen wird und von denen es immer weniger gibt in Stuttgart.“
Stuttgarter Kollektive legen in der Lerche 22 auf
So wie den Gästen Kathi, Alex und Nico ging es am Freitagabend vielen. Doch beim letzten Tanz im Gewölbe verwandelten die Gäste den Abschiedskummer noch einmal in Partystimmung.
Ab Mitternacht füllten sich die Dancefloors in der Lerche 22. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Auf zwei Floors sorgten unter anderem Zelle 60 sowie die Stuttgarter DJs Thuglady (Sunny High Club), Komplexitaeten, Elektra del Mar, Hassan Finke, Polo Polo (True Romance) Nofivesgiven und Presto für Stimmung. DJ Brexit und DJ Goretekks von Dach Records brachten Hardgroove und treibende Techno-Beats in den Gewölbeclub. Passend dazu mischte auch das Duo DJ Carlito und DJ Urlaub vom Stuttgarter Kollektiv Ritmo Cattivo das Partyvolk mit Underground-Sounds und einem Mix aus House, Break- und Elektro-Beats auf.
Deutlich wurde dabei einmal mehr: Für viele Stuttgarterinnen und Stuttgarter war die Lerche 22 ein wichtiger Fixpunkt, in Zeiten, in denen Clubs mehr und mehr zu kämpfen haben. Bereits vor dem Closing hatte Mitbetreiber Felix Klenk zu bedenken gegeben, dass sich das Ausgehverhalten und die Clubkultur zunehmend wandele – weg von treuen Stammgästen, die an einem Club hingen hin zu Event-orientiertem Ausgehen, bei dem Feiernde sich je nach Programm und DJs die Partylocation aussuchen. Auch das kürzlich bekannt gewordene Aus des Schräglage-Clubs in der Innenstadt hängt unter anderem mit dieser Entwicklung zusammen.
Lerche-22-Mitarbeiter: „Wir sind kein Team, wir sind eine Familie“
Felix Klenk appellierte damals ans Partyvolk: „Es braucht nicht nur Worte, sondern auch Leute, die wirklich noch Lust haben zu feiern und mehr als zweimal im Jahr im Club vorbeikommen, damit das Ganze Zukunft hat.“ An diesem Freitagabend kamen die Feiernden dann auch speziell für ihre Lerche 22 an den Schlossplatz – sowohl Partypeople der Gen Z als auch Fans aus anderen Generationen feierten gemeinsam.
„Wir sind kein Team, wir sind eine Familie. Wir werden den Club natürlich vermissen“, sagte Erenay aus dem Lerche 22-Team am Rande der Party. Und fasste damit die Stimmung des Abends passend zusammen. Bevor der Club endgültig seine Türen schließt, kommen am Samstag – nun aber tatsächlich ein allerletztes Mal – die engsten Lerche-Freunde im Gewölbe zusammen.
Klar ist: Mit dem Aus der Lerche 22 wird am Schlossplatz vorerst wieder eine Lücke klaffen. Wie es in der Location weitergeht, ist noch unklar. Goodbye Lerche 22!