Ein Konzert zwischen High Fidelity und musikalischer Früherziehung. Der Singer-Songwriter Josh Ottum spielt im Stuttgarter Club Schocken.

Stuttgart - Es gibt Veranstaltungen, die nennt man Wohnzimmer-Konzerte, weil sie so intim wirken. Obwohl sie das natürlich nicht sind. Schließlich wollen die meisten Leute keine fünfköpfige Band mit Schlagzeug, Gitarre, Bass und dazu hunderte Zuschauer, die Bier trinken und schwitzen, im Wohnzimmer stehen haben. Dann gibt es aber auch Konzerte, die heißen Wohnzimmer-Konzerte, weil alles, was dazu gehört, tatsächlich in ein Wohnzimmer passen würde. Und so ein Konzert gab es am Montagabend im Stuttgarter Club Schocken mit dem us-amerikanischen Singer-Songwriter Josh Ottum.

 

Wie die meisten Musiker seines Fachs, ist der Mann alleine auf der Bühne. Wie die wenigsten hat er aber keine Akustikgitarre dabei, sondern eine elektrisch verstärkte und noch dazu ein einen kleinen elektronischen Zauberkasten, der Keyboard, Sampler und Drum-Machine gleichzeitig ist und also eine Band ersetzen könnte. Theoretisch. Tatsächlich klingt das während des Konzerts - anders als auf seinem zweiten Album "Watch TV" - nicht ansatzweise nach Band. Sondern, nun ja, nach simpler Rhythmusunterstützung.

Komplexe Strukturen und Träumereien

Wer sich nach zwei, drei Songs an das ewige "Boo-boo-boom-shack" gewöhnt hat, hat dann auch die Chance, die komplexen Strukturen, aber auch die schön einfachen Melodien zu entdecken. Indie-Pop kann man dazu sagen, manchmal ist es aber auch Rock'n'Roll, mal sind es Blues-Standards. Es ist nämlich so: Wann immer man glaubt, diesen Josh Ottum einordnen zu können, macht er irgendetwas, um zu verwirren. Verzerrt die Gitarre, sampelt das Pfeifen des Publikums oder wird dann eben doch mal eben akustisch. Immer mit großem Sicherheitsabstand zu Jack Johnson übrigens.

Das zahlenmäßig gut überschaubare Publikum, ist mal hin und weg, mal eher irritiert. Der Musiker scherzt dann gern. Über die vierjährige Produktionsphase seines zweiten Albums etwa. Oder über den Leucht-Diskoboden im Kellerraum des Schocken namens Box.

Die Musik ist nicht unbedingt was fürs Radio, mal abgesehen von Songs wie "Fool in the Night". Bei denen kann man dann grooven und träumen und ist ein bisschen froh darüber, dass die künstliche Schlagzeug-Maschine mal schweigt.

Am Ende hat niemand geschwitzt, ein paar haben Bier getrunken. Beim nächsten mal das alles gerne im Wohnzimmer.