Stadtkind Stuttgart

Clubs in Stuttgart Geld vom Keller Klub soll Rocker 33 retten

Von Katharina Sorg und  

Von einer Elefantenhochzeit, ja gar von einer Megafusion ist derzeit in der Stuttgarter Clubszene die Rede: Denn die Partymacher des Keller Klubs steigen beim Rocker 33 ein. Der war jüngst in finanzielle Schieflage geraten.

Wollen den Club wieder auf Kurs bringen: der alte und die beiden neuen Betreiber des ­Rocker 33 (von links): Pejo Babic, Carlos Coelho und Jean Theodorou. Foto: Heinz Heiss 6 Bilder
Wollen den Club wieder auf Kurs bringen: der alte und die beiden neuen Betreiber des ­Rocker 33 (von links): Pejo Babic, Carlos Coelho und Jean Theodorou. Foto: Heinz Heiss

Stuttgart - In der Clubszene wird derzeit mit ­Vokabeln gearbeitet, die man eher aus dem Wirtschaftsteil dieser Zeitung kennt. Von einer Elefantenhochzeit, einer Megafusion ist die Rede. Mit dem Rocker 33 und dem Keller Klub schließen sich zwei Stuttgarter Clubs überraschend zusammen. Grund: ohne ­frisches Geld vom Keller Klub wäre das ­Rocker 33 insolvent.

Zuerst war es nur ein Gerücht. Das Rocker 33, von der elektronischen Fachzeitschrift DeBug, der Stiftung Warentest der Clubkultur, unter die besten Locations der Republik gewählt, sei pleite. Von ausstehenden Handwerker-Rechnungen war die Rede, das Personal habe vom Azubi über den Barmann bis zum Pressesprecher wochenlang auf Gehalt warten müssen. Club-Interessierte hielten das Gerede für so wahrscheinlich wie ein Rave im Ordnungsamt, schließlich war es das Rocker 33, das in den vergangenen Jahren mit spektakulären Bookings – den besten Plattenauflegern und Programmen – reüssiert hatte.

Aus Gerüchten werden Fakten

Vergangene Woche wurden aus den Gerüchten schließlich Tatsachen: Alexander Matthies von der Firma Raum auf Zeit, der Vermieter der Immobilie, in der sich das Rocker derzeit befindet, erklärte: „Wenn wir dem Zahlungsplan zur Begleichung der Mietrückstände nicht zugestimmt hätten, hätten wir den Club schließen lassen müssen.“

Kurze Zeit später erfolgte der nächste Paukenschlag. Carlos Coelho und Jean Theodorou, die beiden Betreiber des Keller Klubs am Rotebühlplatz, erklärten ihren Einstieg im Rocker 33. Von der alten Führungsriege des Rocker bleibt nur Pejo Babic übrig. Beide Clubs sollen ihr eigenständiges Profil beibehalten.

„Die Marke Rocker 33 wollen wir wieder schärfen“, erklärt Carlos Coelho. Mit seinen Clubprojekten ist er seit fast 20 Jahren mit daran schuld, dass sich auch in Stuttgart so etwas wie eine Clubkultur entwickeln konnte. Coelho hat einst die legendäre Radio Bar im Radio-Barth-Gebäude betrieben, seit sechs Jahren ist er gemeinsam mit Jean Theodorou für den Keller Klub verantwortlich.

Dass das Rocker nun von einem Club gerettet werden muss, der überregional nicht ganz so viel Beachtung findet, ist überraschend. „Das ist ein bisschen, als würde Porsche VW im hiesigen Nachtleben schlucken“, sagt Coelho, und freut sich ausgiebig über seinen Kalauer. Sein künftiger Geschäftspartner Pejo Babic von der Rocker-Stammbesetzung verzieht bei diesem Scherz eher gequält das Gesicht.