CO2-Bilanz Bosch will Vorreiter beim Klimaschutz sein

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Der Konzern tut mehr als er muss – und ist überzeugt davon, dass sich das trotzdem rechnet.

Bosch-Chef Volkmar Denner meinst es ernst mit dem CO2-Ziel. Foto: dpa
Bosch-Chef Volkmar Denner meinst es ernst mit dem CO2-Ziel. Foto: dpa

Stuttgart - Anstrengungen beim Klimaschutz würden sich wirtschaftlich auch dann rechnen, wenn ein Unternehmen mehr tut als unbedingt notwendig. Das sagte Stefan Asenkerschbaumer, Vizechef des Bosch-Konzerns, der vom nächsten Jahr an mit seinen Standorten keinen Beitrag mehr zur CO2-Konzentration in der Atmosphäre mehr leisten will. Einem höheren finanziellen Aufwand steht dann möglicherweise ein einfacherer Zugang zum Kapitalmarkt gegenüber. Denn immer mehr große Anleger wie zum Beispiel der Allianz-Konzern wollen ihr Geld „klimaneutral“ anlegen.

Mehr als nur eine PR-Aktion

Asenkerschbaumer und Bosch-Chef Volkmar Denner sind aber auch sicher, dass der Konzern als Vorreiter in Sachen Klimaschutz bei der jüngeren Generation, wo das Thema einen hohen Stellenwert hat, punkten kann. Der Technikkonzern Bosch versucht verstärkt die junge Generation anzusprechen, um seinen künftigen Fachkräftebedarf zu decken. Trotzdem soll das Streben nach CO2-Neutralität keine PR-Aktion sein. Denner ist es sehr ernst damit: „Wir übernehmen Verantwortung für den Klimaschutz und handeln deshalb jetzt“, sagte Denner. Aus seiner Sicht wird Klimaschutz zu oft als Fernziel verstanden, das die gegenwärtige Generation erst einmal nichts kosten darf. Anders Bosch: „Unterm Strich wenden wir bis 2030 eine Milliarde Euro für die CO2-Neutralität auf“, sagte der Geschäftsführungsvorsitzende.

Schon von 2020 an sollen die weltweit 400 Bosch-Standorte klimaneutral arbeiten. „Damit ist Bosch das erste große Industrieunternehmen, das dieses ehrgeizige Ziel in nur gut einem Jahr realisiert“, sagte Denner.

Die eigene Stromproduktion soll kräftig ausgeweitet werden

Der Energieverbrauch des Konzerns entsprach im vergangenen Jahr der addierten Stromnutzung der Privathaushalte von Berlin und München. Die entsprechenden CO2-Emissionen von 3,3 Millionen Tonnen sollen rechnerisch neutralisiert werden durch den Zukauf von Ökostrom, durch Investitionen in Umweltprojekte sowie in den kommenden Jahren durch eine verstärkte Eigenproduktion aus regenerativen Quellen. So soll sich etwa die installierte Leistung der Eigenversorgung aus regenerativen Quellen bis 2030 verzehnfachen. Geplant sind außerdem verstärkte Maßnahmen zur Energieeinsparung, zum Beispiel durch Wärmerückgewinnung oder die Optimierung des Maschineneinsatzes.

Die Mehrkosten bis 2030 durch Ökostrom-Zukauf, Kompensationen und die Versorgung mit erneuerbaren Energien bezifferte Denner auf eine Milliarde Euro. Eine weitere Milliarde Euro sollen in die Energieeffizienz investiert werden. Geplante Einsparungen: ebenfalls eine Milliarde Euro. Somit beträgt der Aufwand für das Projekt netto eine Milliarde Euro. Bosch ist nicht der einzige Konzern, der auf CO2-Neutralität setzt. Der Autobauer Daimler will zumindest seine deutschen Werke bis 2022 CO2-neutral machen. Der Konkurrent Volkswagen verspricht dasselbe für die Produktion seines Elektroautos ID in Zwickau. Der Elektrokonzern Siemens will seine Standorte bis 2030 klimaneutral machen.