Co2-freier Uni-Campus Anwohner kritisieren: Uni-Projekt verlagert Verkehr

Wenn der Vaihinger Campus autofrei wird, ist das gut für die Uni. Die Anwohner befürchten aber großen Parkdruck auf ihren Straßen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Wenn der Vaihinger Campus autofrei wird, ist das gut für die Uni. Die Anwohner befürchten aber großen Parkdruck auf ihren Straßen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Anwohner am Vaihinger Uni-Campus sind beunruhigt. Sie finden das Projekt, das Uni-Gelände frei von Autos und CO2 zu machen, gut, aber nicht weit genug gefasst.

Vaihingen - Die Pläne der Universität Stuttgart, mit dem Projekt Mobilab ihren Vaihinger Campus frei von Autos und CO2 zu bekommen, stoßen bei den Anwohnern der angrenzenden Wohnviertel auf Skepsis. Das Projekt soll mit Parkraummanagement auf dem Campus beginnen. Nach und nach sollen elektrische Shuttlebusse, die sich beim Fahren durch Induktion aufladen, Autos ersetzen. Ergänzt wird dies durch ausleihbare E-Scooter, die sich selbstständig aufrichten und von alleine zum Ausleihort zurückfahren. Auf den Parkplätzen, die frei werden, will die Uni Institutsgebäude bauen und die Dächer mit Fotovoltaikanlagen bestücken, die Ökostrom für die Elektromobilität auf dem Campus liefern sollen. Eine große Stromquelle könnte nach den Vorstellungen der Uni ein Solardach auf einem Parkhaus über dem Johannesgraben sein.

Dass der Campus zum Reallabor wird, findet durchaus Anklang

Vaihinger Bezirksbeiräte aller Fraktionen hatten sich jüngst befremdet darüber gezeigt, nicht früher in die Pläne der Uni einbezogen worden zu sein. Zwei von ihnen, Volker Schweizer (Grüne) und Volker Weil (FDP), wohnen beide in der Schranne und wären von den Auswirkungen des Projekts direkt betroffen.

„Schon jetzt gibt es großen Parkdruck, obwohl dieser noch nicht hoch genug für ein Parkraummanagement ist“, sagt Volker Schweizer. Vom Grundsatz her kann er Mobilab einiges abgewinnen: „Ich finde es toll, dass der Campus ein Reallabor wird. Die E-Busse sind eine tolle Idee.“

Trotz allem Positivem sehe er als Vaihinger ein Problem: „Das Projekt geht zu Lasten der Anwohner, weil man Parkdruck auf das Umfeld verlagert.“ Ihm fehle, sagt Schweizer, ein Konzept, wie man autofrei zum Campus komme. Dabei könnten Pedelecs eine Rolle spielen: „Sie machen Stuttgart eben. Mit dem normalen Rad vom Kessel nach Vaihingen zu fahren ist dagegen Sport.“ Die Parkhauspläne sieht er kritisch: „Auf der Präsentation sah das Parkhaus schlank aus. Es ist aber zu befürchten, dass Grünflächen, auf denen Leute mit ihren Hunden spazieren gehen, verschwinden.“ Volker Schweizers Fazit ist klar: „Ich sehe das Projekt nicht als gescheitert an. Das Reallabor ist sehr gut und überfällig, aber zu kurz gedacht.“

Bessere Abstimmung zwischen Uni und Stadtbezirk gefordert

„Zwischen der Uni und dem Stadtbezirk wird zu wenig gesprochen. Ich erwarte eine bessere Abstimmung“, stellt Volker Weil fest. Im Grunde sei es gut, wenn Forschung umgesetzt werde. Ein CO2-freier Campus allein sei aber nicht sinn- und verantwortungsvoll: „Er wird dies erst durch die Einbeziehung der Nachbarschaft.“ Auch Weil fürchtet, dass es Parkdruck in den Straßen geben wird. Mit einem Deckel mit Parkplätzen über dem Johannesgraben und einem Fotovoltaikdach könne er sich anfreunden: „Vielleicht wirkt das auch als Schallschutz gegen den Autoverkehr.“ Mit einem wuchtigen Parkhaus hätten die Anwohner Probleme. Und erst einmal müsse geklärt werden, wie man ins Parkhaus komme.

Rainer Hatt vom Pflanzenhof Vaihingen am Johannesgraben hat erst jüngst von den Plänen der Uni erfahren. Er legt wert darauf, nicht als Geschäftsmann, sondern als Anwohner zu sprechen. Parken in Parkhäusern koste Geld. Bereits jetzt würden verfügbare Parkhäuser nicht genutzt, weil an den Straßen kostenloser Parkraum zur Verfügung stehe: „Auf der Robert-Leicht-Straße kann man nicht nebeneinander fahren, weil dort geparkt wird. Bevor dieses Problem nicht gelöst ist, muss man den Sinn des Parkhauses hinterfragen.“




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