„Diebe werden durch die Codierung abgeschreckt“, sagt Thomas Rumpf, der Vorsitzende der Ortsgruppe Ostfildern des ADFC. Mit dem Code kann ein aufgefundenes Fahrrad seinem Besitzer eindeutig zugeordnet werden. Zudem lässt sich ein codiertes Fahrrad nur schwer verkaufen: Das Klebe-Etikett zu entfernen, sei aufwendig, „und man sieht auf jeden Fall, dass dort etwas entfernt wurde“. Sein eigenes Rad hat er längst codiert.
Jede zusätzliche Schutzmaßnahme gegen Diebstahl sei sinnvoll, findet auch Stefan Eberle aus Ostfildern. Er und seine Frau Daniela sind extra hergeradelt, um ihre Fahrräder codieren zu lassen. „Meinem Sohn wurde das Fahrrad zuhause aus dem Fahrradschuppen geklaut“, erzählt er. Der Polizei gemeldet habe man den Diebstahl allerdings nicht. Die Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstahl ist üblicherweise minimal – doch durch eine Codierung steigen die Chancen.
An diesem Tag streikt das Gerät
Nötig ist dafür ein Gerät, das den Code generiert und die Klebe-Etiketten ausdruckt. Alternativ kann der Code auch mit einem Prägegerät eingraviert werden – dessen Anschaffung ist jedoch mit 5000 bis 6000 Euro wesentlich teurer. Deshalb habe sich der ADFC- Kreisverband zunächst für die Klebe-Codierung entschieden, sagt Roland Porl von der benachbarten ADFC-Ortsgruppe auf den Fildern. Er hat schon bei einigen Veranstaltungen die Codierungen durchgeführt – doch an diesem Tag streikt das Gerät nach einigen Versuchen. Ihre Codierung bekommen die Interessenten dennoch: Alle Daten werden notiert, „die Etiketten schicke ich Ihnen per Post“, versichert Porl den Fahrradfans.
Selbstverständlich muss aber auch ein codiertes Fahrrad oder E-Bike stets gut gesichert werden. Das gelte auch, wenn man glaube, das Rad im Blick zu haben, betont Pressesprecherin Friederike Klebes vom ADFC Ostfildern; etwa vor dem Bäcker oder einem Ausflugslokal. „Organisierte Diebe tragen ein nur mit Rahmenschloss gesichertes Rad ruckzuck weg“. Deshalb empfiehlt der ADFC, insbesondere die hochpreisigeren Modelle mit zwei unterschiedlichen Schlössern zu sichern. Generell sollte das Rad stets an einen Laternenmast oder einen stabilen Fahrradständer angeschlossen werden. Beim Kauf eines Schlosses ist auf gute Qualität zu achten: Empfehlenswert seien etwa Bügel- oder Kettenschlösser aus durchgehärtetem Stahl. E-Bike-Besitzer sollten auch daran denken, das Display mitzunehmen, wenn dieses nicht gesichert werden kann.
Zu wenig Radboxen an den Haltestellen
Ein erhebliches Manko in Ostfildern ist nach Ansicht von Thomas Rumpf das Fehlen sicherer Abstellplätze für Fahrräder. Bisher gebe es nur wenige Radboxen an einzelnen Haltestellen der Stadtbahn. Im Gemeinderat werde seit Jahren darüber diskutiert – doch es gehe nicht voran, klagt der ADFC-Vorsitzende. Das Risiko, ein teures Bike nach der Arbeit oder einem Einkaufsbummel nicht mehr am Abstellplatz vorzufinden, halte indes viele Menschen vom Umstieg auf das umweltfreundliche Zweirad ab. Problematisch sei die Situation etwa am Schulcampus in Nellingen: „Lehrer, die eigentlich gerne mit dem E-Bike fahren würden, können es dort nicht diebstahlsicher und vor Regen geschützt abstellen“, so Thomas Rumpf. Es sei höchste Zeit, dass das Fahrrad im Gemeinderat endlich als ernsthaftes Verkehrsmittel wahrgenommen werde, meint auch Friederike Klebes. „Bisher betrachtet man das Radfahren dort eher als Freizeitvergnügen.“ Andere Städte seien da schon weiter: Eine positive Überraschung sei es für sie kürzlich gewesen, am Bahnhof in Ludwigsburg ein komfortables Fahrradparkhaus vorzufinden.
Fahrraddiebstahl und Schutz
Fallzahlen
Nach Auskunft des Polizeipräsidiums Reutlingen ist Ostfildern kein Hotspot für Fahrraddiebstahl. Die erfassten Fälle erreichten 2015 mit 88 als gestohlen gemeldeten Fahrrädern einen Höchststand, 2010 war mit 35 Fällen ein Tiefstand zu verzeichnen. 2022 gab es mit 53 Fällen zwar 15 Prozent mehr Fahrraddiebstähle als im Vorjahr, dennoch liegt die Zahl deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre (62 Fälle). Ebenfalls „unauffällig“ sei die Lage im Kreis Esslingen, berichtet Pressesprecher Johannes Pfeffer: Dort gab es 2005 die meisten Raddiebstähle (1151). Der niedrigste Wert wurde 2021 mit 432 Fällen registriert. 2022 stieg die Zahl leicht an auf 584 Fälle.
Schutz
Wie man ein Rad vor Diebstahl schützen kann, erfährt man auf der Website des ADFC: www.adfc.de. Wer sein Fahrrad codieren lassen möchte, kann per Mail bei Roland Porl vom ADFC auf den Fildern anfragen: Roland.Porl@adfc-bw.de.