Krimikolumne

Colette McBeth: „Zorneskalt“ Die größte Feindin einer Frau

Von Sabine Nedele 

Die Reporterin Rachel muss über das Verschwinden einer jungen Frau berichten. Mit Entsetzen stellt sie bei der Pressekonferenz der Polizei fest, dass es um ihre beste Freundin Clara geht – was ihr Interesse weit übers professionelle Maß hinausführt.

Sieht sie auf diesem Bild nicht ein wenig gruslig menschenleer aus, Brightons Küste? Hier verschwindet die junge Künstlerin Clara denn auch spurlos. Foto: EPA
Sieht sie auf diesem Bild nicht ein wenig gruslig menschenleer aus, Brightons Küste? Hier verschwindet die junge Künstlerin Clara denn auch spurlos. Foto: EPA

Stuttgart - Die Chancen eines Thriller-Debüts steigen mit einem vielversprechenden Klappentext sprunghaft. Daran scheint auch die Tatsache nichts zu ändern, dass manche Verfasser recht dümmliche Formulierungen wählen, um potenzielle Leser zu animieren. Die Sätze „Dieser Roman wird durch die Decke gehen!“ oder „Er wird Ihnen wie Kälte in die Knochen kriechen“ finden sich jedenfalls auf dem Cover des Debütromans „Zorneskalt“ von Colette McBeth, die zehn Jahre lang als Reporterin für die BBC gearbeitet hat, bevor sie sich entschloss, Schriftstellerin zu werden.

Zwar ist die Behauptung maßlos übertrieben, die Geschichte der spurlos verschwundenen jungen Künstlerin Clara krieche den Lesern wie Kälte in die Knochen: Gänsehautpotenzial hat der Erstling aber durchaus. Die Kriminalreporterin Rachel Walsh wird zu einer Pressekonferenz der Polizei nach Brighton geschickt. Eine junge Frau ist verschwunden.

Keine plumpe Effekthascherei

Walsh erkennt auf dem Foto der Vermissten ihre beste Freundin Clara O’Connor. Drei Tage zuvor war sie mit ihr – zusammen mit alten Schulfreundinnen – in einer Bar verabredet, doch Clara ist nicht dort aufgetaucht. Zumindest nicht, solange Rachel noch im Lokal war. Also beginnt die Journalistin zu recherchieren. Als sie von der Polizei befragt wird, muss sie sich Bilder einer Überwachungskamera ansehen. Die Reporterin ist überrascht: die Aufnahmen zeigen die verschwundene Clara zusammen mit ihrem eigenen Lebensgefährten Johnny. Hat Johnny sie betrogen?

Zu den Stärken des Romans von Colette McBeth gehört sicherlich, dass er Lesererwartungen konterkariert – und das ohne plumpe Effekthascherei. In Rückblenden enthüllt die Erzählerin Rachel in einem langen Brief an ihre einst beste Freundin peu à peu die Vergangenheit der schicksalhaft aneinander gebundenen Frauen. Es ist die Geschichte einer tiefen Mädchenfreundschaft, die sich im Lauf der Zeit ins Gegenteil verkehrt. Was bleibt, ist der unversöhnliche Hass zwischen einst besten Freundinnen – und der endet tödlich.

Colette McBeth: „Zorneskalt“. Blanvalet, München 2013. 384 Seiten, 12,99 Euro. auch als E-Book, 9,99 Euro; als ungekürztes Audiobook, 14,99 Euro, und als ungekürzten Hörbuch-Download, 9,26 Euro.