Comeback im Camp Nou Der FC Barcelona oder Zurück in die Zukunft

Das Spotify Camp Nou lebt – aber weiter als Baustelle. Foto: AFP

Was lange währt, wird endlich gut. Nach 909 Tagen feiert die Mannschaft die Rückkehr ins Camp Nou. Wir waren dabei im neuen Schmuckkästchen, an dem aber weiter gebaut wird.

Sport: Joachim Klumpp (ump)

Ja ist denn schon Silvester? Natürlich nicht, aber in Barcelona gehen die Uhren eben anders – vor allem, wenn es ums Stadion geht. Der Umbau des legendären Camp Nou, das inzwischen den gut dotierten Sponsorentitel Spotify als Zusatz trägt, erinnert schon etwas an die Stuttgarter S-21-Baustelle, doch entgegen dem Bahnhofsprojekt hatte das Warten am Samstag ein Ende. Nach genau 909 Tagen war es schließlich soweit, dass die Mannschaft wieder in ihrem Wohnzimmer auflaufen konnte (Jungstar Lamine Yamal übrigens erst zum zweiten Mal in seiner Karriere), was der Verein vorab empathisch mit den Worten „Tornem a Casa“ angekündigt hatte. Soll so viel heißen wie: Lasst uns nach Hause gehen!

 

Zurück ins Spotify Camp Nou, diese legendäre Arena. Und besondere Umstände erfordern eben besondere Maßnahmen. Also gab’s ein Feuerwerk vor dem Anstoß um 16.15 Uhr bei strahlendem Sonnenschein und die Vereinshymne kam von katalanischen Kindern live: „Más que un club“. Mehr als ein Club. Eine Institution in und für Katalonien, inzwischen garniert mit deutschen Elementen des Trainers Hansi Flick oder seines Assistenten Marcus Sorg, auch aus Stuttgarter Zeiten beim VfB und den Kickers noch bekannt.

Beide feierten das ungefährdete 4:0 gegen ein am Ende dezimiertes Athletic Bilbao – und die viel wichtigere Erkenntnis: „Für mich ist ein Traum wahr geworden“, so Flick, der erzählte, „dass er vor Jahren ins alte Stadion kam und dachte, eines Tages werde ich hier Trainer sein.“ Wo viele denkwürdige Spiele über die Bühne gingen. Erinnert sei nur an das legendäre 6:1 gegen Paris St. Germain in der Champions League, mit dem ein 0:4 aus dem Hinspiel gedreht wurde. Noch steckt das neue Schmuckkästchen in der Umbauphase, es dürfte schon 2027/28 werden bis die kompletten 105 000 Plätze eingenommen werden können. Doch nach Wochen, ja Monaten des Wartens, der immer wiederkehrenden Verzögerungen durch nicht garantierte Sicherheitsvorschriften, herrscht nun erst einmal kollektives Aufatmen.

Zur Erinnerung: Ursprünglich wollte der Verein noch 2024 im Rahmen des 125-Jahr-Jubiläums zurückkehren, dann spätestens zum Start dieser Saison im August. Die unendliche Geschichte hat ein Ende. Gegen Bilbao vor 45 401 genehmigten Besuchern, am Ende kamen exakt 45 157. Das entspricht ungefähr dem Schnitt im ungeliebten Olympiastadion auf dem Montjuic, wo der Verein im Exil antrat und pro Auftritt etwa eine halbe Million Euro an Stadionmiete berappen musste. Viel Geld für den finanziell permanent klammen Traditionsclub.

Teure Karten zur Premiere

Doch die Zukunft könnte in der Tat rosiger aussehen, auch wenn die Preise dann wahrscheinlich nicht mehr so exorbitant hoch liegen wie bei der Comeback-Premiere, als für Nicht-Dauerkarteninhaber der günstigste Platz am Ende noch auf 199 Euro fiel, nachdem er zuvor mit 369 Euro zu Buche geschlagen hatte. Der um Worte selten verlegene Präsident Joan Laporta sagte dazu: „Es ist wichtig herauszuheben, dass die Dauerkarten die Billigsten in ganz Europa sind.“ Deren Besitzer zahlten in der Tat lediglich zwischen 20 und 52 Euro. Aber: „An diesem Samstag ist das ein historisches Ereignis, deshalb sind die Preise etwas höher als sonst. Wir halten das für angemessen.“

Ansichtssache, aber man darf in diesem Zusammenhang vielleicht nicht vergessen, dass Barca wegen der Stadionproblematik sogar zweimal ins kleine vereinseigene Cruyff-Stadion ausweichen musste (in der Regel fürs viertklassige B-Team oder die Frauen auserkoren), wo dann nur knapp 6000 Fans gezählt wurden. Vorbei und vergessen. Wie sagte Laporta in diesen Tagen beim emotionalen Blick auf die neue Arena: „Camp Nou wird seine Magie der größten Momente behalten – aber mit einer neuen Seele. Es ist wie zurück in die Zukunft zu gehen.“

Der Anfang ist gemacht, sogar mit einem zweiten Feuerwerk nach Spielende in den inzwischen schon dunklen Himmel der Stadt, was die Pyrotechnik erst so richtig zur Geltung brachte. Doch nicht nur deshalb sagte Hansi Flick: „Es war ein perfekter Tag.“

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