Comeback im Schwäbischen Wald „Pünktlich zum 1. Mai“ – Welzheim rechnet fest mit der Rückkehr der Waldbahn
Starkregen, Erdrutsche, Genehmigungen: Die Sanierung der Bahnstrecke war ein Kraftakt. Nun läuft alles auf die Wiedereröffnung im Mai hinaus.
Starkregen, Erdrutsche, Genehmigungen: Die Sanierung der Bahnstrecke war ein Kraftakt. Nun läuft alles auf die Wiedereröffnung im Mai hinaus.
Auf der Tourismusmesse CMT in Stuttgart, wo andere mit Prospekten wedeln, hat Thomas Bernlöhr eine Nachricht im Gepäck, die mehr nach Zukunft klingt als nach Rückblick: „Wir sind zuversichtlich, dass die Schwäbische Waldbahn pünktlich zum 1. Mai wieder fährt!“ Der Bürgermeister von Welzheim (Rems-Murr-Kreis) wirkt dabei fast wie ein Lokführer seiner Gemeinde – entschlossen, optimistisch, mit Herz für Stahl und Schiene.
Seit dem verheerenden Starkregen im Juni 2024 war Schluss mit dem nostalgischen Rattern durch den Schwäbischen Wald. Die historische Museumsbahn zwischen Rudersberg und Welzheim – ein rollendes Kulturdenkmal mit Dampf, Diesel und Geschichte – stand still. Böschungsrutsche, beschädigte Gleisbetten, unpassierbare Wege: Der Wald war verwundet, die Bahn gestoppt.
Jetzt aber laufen die Sanierungsarbeiten – buchstäblich – auf Schiene. Seit Dezember vergangenen Jahres wird auf der Bergstrecke wieder gebaggert, gestützt, geschaufelt. Drei Millionen Euro kostet das Comeback der Bahn – finanziert vom Land Baden-Württemberg (1,8 Millionen Euro), dem Rems-Murr-Kreis (700.000 Euro) und der Stadt Welzheim, die eine halbe Million beisteuert.
Dass es so lange gedauert hat, bis die ersten Baumaschinen anrücken konnten, lag nicht nur am Geld. Genehmigungen mussten her, Gutachten zu Natur-, Gewässer- und Denkmalschutz eingeholt werden – ein Kraftakt, der vor allem Geduld kostete.
Während Fachfirmen sich um die großen Böschungsrutsche kümmern, sind es vor allem die Ehrenamtlichen des Fördervereins Welzheimer Bahn, die mit Hacke und Herzblut dafür sorgen, dass Durchlässe frei bleiben und kleinere Schäden behoben werden. Schon seit dem Hochwasser 2024 sind sie im Dauereinsatz.
Es ist diese Mischung aus Idealismus, technischer Faszination und Heimatliebe, die das Projekt trägt. „Die Schwäbische Waldbahn ist mehr als ein Fortbewegungsmittel“, sagt Reinhold Kasian, der Geschäftsführer der Museumsbahn. „Sie ist Teil unserer Identität.“
Dass Regen der Bahn zusetzt, hat Geschichte: Schon beim Bau 1910 kam es zu Dammrutschen. Doch wie damals gilt auch heute: Aufgeben ist keine Option. Die Strecke, einst die steilste Adhäsionsbahn Württembergs, ist ein technisches Kuriosum: ohne Zahnrad oder Seil, aber mit gewaltiger Steigung und Pionierbrücken aus Eisenbeton.
Und so schnauft sie bald wieder durchs Tal: Die Schwäbische Waldbahn als rollendes Denkmal, als Ausflugsziel, als klapperndes Rückgrat für den Tourismus im Schwäbischen Wald. Dampf- und Dieselzüge, Eventfahrten, das unverwechselbare Zischen und Rattern, alles steht im neuen Fahrplan, der jetzt pünktlich zur Tourismusmesse präsentiert wurde.
Den passenden Auftakt zur Rückkehr gibt es am 1. Mai beim großen Kinder-Naturerlebnisfest im Welzheimer Ostkastell. Das Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen des Vereins Schwäbischer Wald Tourismus wird dabei zur Bühne für die Waldbahn-Wiederauferstehung. Kinder können spielen, staunen, forschen – und mit etwas Glück gleich mit dem Museumszug anreisen.
Zur Vorfreude werden auf der CMT ein paar „Kohlen“ verteilt – Marshmallows mit schwarzem Kakaopulver – als süße Hommage an die Dampflokära. Und auch wenn wetterbedingt einzelne Fahrtage ausfallen könnten: Tickets lassen sich bereits reservieren .
Die meisten Wanderwege im Schwäbischen Wald sind inzwischen wieder frei, ebenfalls eine gute Nachricht für alle, die Bahnfahren mit Bewegung verbinden wollen. Nur die Wieslaufschlucht, einst eine der Hauptattraktionen, bleibt in Teilen gesperrt. Der erste Abschnitt bleibt zugänglich, alternative Routen sind ausgeschildert.
Wenn im kommenden Mai die erste Lok wieder aus dem Bahnhof schnauft, dann ist das nicht nur ein technisches Ereignis. Es ist ein Symbol: dafür, dass sich eine Region nicht unterkriegen lässt. Dafür, dass Geschichte weiterleben kann, wenn Menschen sich ihr verschreiben.
Die Schwäbische Waldbahn hat die Hochwasser-Katastrophe überlebt – weil sie mehr ist als ein Zug. Sie ist ein Stück Heimat. Und Heimat fährt man nicht einfach aufs Abstellgleis.