Nach dreijähriger Zwangspause gab es am Samstag wieder die „Böblinger Mechthild“. Diese 16. Ausgabe des Comedy-Festivals von den Kultourmachern vom Alten Amtsgericht wurde zum letzten Mal als Wettbewerb ausgetragen, bei dem die Zuschauer als Jury entscheiden, wer die Siegesprämie gewinnt und namentlich auf der „Böblinger Mechthild”-Stahlplastik verewigt wird, die der Ehninger Künstler Siegfried Ulmer geschaffen hat.
Früher kamen mehr Besucher
Ein Grund für die Überarbeitung des Konzepts sind auch finanzielle Gründe: Zwar war die Böblinger Kongresshalle am Samstag mit rund 700 Besuchern gut gefüllt, aber in früheren Zeiten strömten bis zu 1200 Zuschauer zum Festival. Der „Break-even“ sei damit bei einer so kosten- und organisationsintensiven Veranstaltung nicht zu erreichen, sagt der Veranstaltungsleiter Gerhard Gamp.
Mit Mirja Regensburg hat die „Mechthild“ in ihrer letzten Austragung die erste Siegerin bekommen. Während bis dato nur männliche Comedians die Trophäe in den Händen halten durften, schaffte es die TV-bekannte Erfinderin der Muffin-Jeans – „Sie wissen schon, wenn der Teig über den Rand hinausquillt“ – sich gegen die Männerkonkurrenz des Abends durchzusetzen.
Im Stand-up-Comedy-Style präsentierte die in Köln lebende Komikerin Teile ihre beiden Programme „Im nächsten Leben werd ich Mann!“ und „Mädelsabend“. Der „Kampf der Geschlechter“ ist ihr Thema, und in ihren rund 20 Minuten auf der Bühne teilte Mirja Regensburg mit viel Energie, genüsslich und sehr pointiert an beide Seiten aus.
Nur Anfang und Ende festgelegt
„Ich habe das wie eine Mix-Show gespielt und hab mir keinen Kopf um den Wettbewerb gemacht“, sagte sie nach der Veranstaltung. Sie habe nur den Einstieg in die Nummer und das Ende festgelegt und dann andere Elemente ihrer Shows spontan kombiniert und improvisiert. Als „Ausstieg“ hatte sie ihren ganz eigenen Vorschlag zum „European Song Contest“, mit dem die ausgebildete Sängerin, die vor ihrer Comedy-Karriere 14 Jahre lang in Musicals aufgetreten ist, ihre gesanglichen Qualitäten ins rechte Licht rückte. Unterstützen ließ sie sich dabei durch zwei Zuschauer, die als „Windmacher“ für die Special Effects zu sorgen hatten.
Überhaupt interagierte Mirja Regensburg hervorragend mit dem Publikum, erntete viele Lacher und Szenenapplaus, was schon während ihres Auftritts vermuten ließ, dass sie das Rennen machen würde. „Die ‚Mechthild‘ ist bekannt und nach dem ‚Stuttgarter Besen‘ im Frühjahr erst der zweite Preis, den ich bekomme“, freute sie sich nach der Preisverleihung durch Gerhard Gamp. In ihrer Zugabe dankte sie den Veranstaltern und dem Publikum, und wusste auch die Trophäe gleich satirisch zu würdigen: „Vielleicht taugt sie ja sogar als Cellulite-Roller!“
Es dürfte Mirja Regensburg den Sieg im Wettbewerb ein wenig erleichtert haben, dass der als leichter Favorit gehandelte Gewinner der „Mechthild“-Vorrunde, Nikita Miller, seine Teilnahme kurzfristig absagen musste. Stattdessen kam der Vorrunden-Zweitplatzierte Jakob Friedrich zum Zuge. Der Newcomer hatte allerdings die schwere Aufgabe, mit nur wenig Vorbereitungszeit als Erster auftreten zu müssen.
Dafür präsentierte Friedrich seine Mundart-Comedy im Blaumann, rund um den Arbeitsalltagswahnsinn als Facharbeiter in der schwäbischen Metall- und Elektroindustrie, wirklich solide – so richtig überspringen wollte der Funke aber nicht.
Musik und Slapstick aus den Niederlanden
Das niederländische Duo Stenzel und Kivits brachte eine großartige Mischung aus Musik und Slapstick auf die Bühne. Herrlich komische Physical Comedy, bei der dennoch auf höchstem Niveau musiziert und gesungen – und im Finale wortwörtlich der „Fliegenden Holländer“ gegeben wurde. Das Publikum goutierte dies mit viel Gelächter und Applaus – zum Sieg reichte es aber nicht. Politkabarettist Joachim Zawischa dagegen war – trotz seiner Scharfzüngigkeit – vielen etwas zu dröge und ließ es zudem an inhaltlicher Ausgewogenheit fehlen, was in den Reihen der Zuschauer unter anderem mit: „Der tritt ja nur nach links“ kommentiert wurde.
Souverän führte der „Mechthild“-Gewinner des Jahres 2011, Michael Sens, durch den Abend und nutzte die Gelegenheit, Teile seines neuen Weihnachtsprogramms darzubieten. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von der Showband „GlasBlasSing“. Das Trio spielt auf Instrumenten, die sie aus leeren Flaschen herstellen – und ihr Feiertags-Trinklied „In der Weihnachtsbrauerei“ hat Hit-Potenzial. Der Abschied von der „Böblinger Mechthild“ war also standesgemäß: Die Trauer der Gäste verschwand hinter dem Lachen, das der Abend brachte.