Comedy-Festival in Böblingen Scharfsinnige Scherze, gelenkige Musikerinnen

Staunenswertes in Böblingen: Duo Yasmin & Uwe mit einer Kombination aus Klavierkunst und Akrobatik. Foto: Stefanie Schlecht

Die Kultourmacher vom Alten Amtsgericht legen bei der „Böblinger Mechthild“ ein facettenreiches Programm auf. Auch eine wichtige Botschaft wird verkündet.

Bereits zum 21. Mal findet in diesem Jahr das Comedy-Festival statt und es hat sich längst herumgesprochen, dass hier Humor auf hohem Niveau geboten wird. So auch am Samstagabend, als nur noch wenige freie Plätze in der Böblinger Kongresshalle auszumachen sind.

 

Das Programm versprach Kabarett, Akrobatik und Musik und einen bekannten Moderator, der mit seinem scharfsinnigen Humor durch diesen Abend führen sollte: Thomas Schreckenberger, Gewinner der „Böblinger Mechthild“ 2007. Der haut gleich zu Beginn ein paar Sprüche raus, die zum Beispiel Stuttgart 21 auf die Schippe nehmen und den Weg von der S-Bahn zu den Gleisen als einen der schönsten Fernwanderwege Deutschlands anpreisen.

Österreichisches Jammern, deutsche Gründlichkeit

Auch sonst lässt er fast keines der aktuellen politischen Themen aus, die offenbar nur mit Humor zu ertragen sind. Nach Schreckenbergers Warm Up und kurzen Zwischenspielen des Damen-Saxofonquartetts Sistergold, das später noch genügend Raum für ausführlichere Darbietungen bekommen sollte, betritt Stefan Waghubinger die Bühne.

„Trotz schwieriger Zeiten sollten wir das Lachen nicht vergessen!“

Thomas Schreckenberger, Kabarettist

Der Österreicher aus Stuttgart sagt von sich, er betreibe österreichisches Jammern und Nörgeln mit deutscher Gründlichkeit. Er hat vornehmlich Alltagssituationen im Visier und sorgt schon deshalb für Schenkelklopfer, weil die Besucher sich hier und da wiedererkennen. Humor ist, wenn man über sich selbst lachen kann.

Dann ist mit reinem Kabarett erst mal Schluss. Das Duo Yasmin & Uwe wartet mit einer Kombination von Klavierkunst und Akrobatik auf, nonverbal und dennoch humorvoll. Im Zentrum steht ein kabelloses Stagepiano, das mit verschlungenen Körpern oder auch auf dem Rücken liegend von hinten bespielt wird, dazu gibt’s Paar-Akrobatik und Slow Motion vom Feinsten.

Der Bundeskanzler bekommt sein Fett ab

Sistergold läutet schließlich mit „Always Look on the Bright Side of Live”(Eric Idle-Monty Python) die Pause ein um hernach zu zeigen, was alles in der „Damenkapelle“ steckt. Es beginnt relativ harmlos, wenn auch hör- und augenscheinlich spaßgesteuert, mit einem Ragtime, der zunächst ein weiteres Mal Schreckenberger eine Bühne geben sollte. Da bekommt dann der amtierende deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz auch noch sein Fett ab, dessen Mimik und Gestik mit einem Geier, auf einem Kaktus sitzend, verglichen wird. In einer Nummer kommt Friedrich Merz als Gollum aus „Herr der Ringe“ vor.

Das neue Wehrdienst-Gesetz wird im Lotto-Stil durch den Kakao gezogen, „6 Rekruten aus 49 ohne Gewehr“, und die Nachrichten werden zur Abwechslung mal emotional in Klaus-Kinski-Manier verlesen. Zum Militär sollten künftig nur Frauen eingezogen werden, sagt Schreckenberger, denn dann gebe es keine Kriege mehr, „Zu Veranstaltungen wo alle gleich angezogen sind, gehen die nicht“.

Staunenswert – das virtuose Saxofonquartett

Dann endlich folgt noch mehr Sistergold mit Saxofon-Kunst, wie man es vergleichsweise nur von der österreichischen Blechbläsertruppe Mnozil Brass kennt: Positionswechsel, einstudierte Schritte und humorvoll-theatralische Spieltechniken. So bedient zum Beispiel eine Saxofonistin von hinten die Klappen des Instruments, während die Vorderfrau bläst und gestikuliert. Erleben viele Besucher wohl zum ersten Mal den vielseitigen Sound eines Saxofonquartetts, geraten sie spätestens hier ins Staunen darüber, was mit virtuoser Instrumentenbeherrschung möglich ist.

Dem setzt der finale Akt mit Klavierkabarettist Andreas Langsch fast noch eins drauf, indem er zu ebenfalls pianistisch-akrobatischen Einlagen noch geistreiche Texte hinzufügt. Und singen kann der auch noch! Er gibt kleine Bodypercussion-Einlagen, während er unterhaltsam erzählt, führt sein neu entwickeltes Piano-Yoga vor, bei dem er unter anderem rücklings mit verschränkten Armen spielt und nebenbei tiefe Atemübungen zelebriert.

Die Weihnachtsgeschichte mit seinen Texten zu Udo-Jürgens-Hits markiert den Höhepunkt. Schreckenberger versammelt noch einmal alle Akteure des Abends auf der Bühne und wird eine wichtige Botschaft los: „Trotz schwieriger Zeiten sollten wir das Lachen nicht vergessen!“

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