Comic: Fortsetzung von „Esthers Tagebücher“ Beziehungsstress und Hausaufgaben

Der aus Syrien stammende Franzose Riad Sattouf erzählt in der Comicreihe „Esthers Tagebücher“ von Kindheit heute. Auch der zweite Band, „Mein Leben als Elfjährige“, ist große Klasse.

Die kleine Esther beobachtet auf dem Schulhof die Jungs und hofft auf deren Blicke. Foto: Reprodukt
Die kleine Esther beobachtet auf dem Schulhof die Jungs und hofft auf deren Blicke. Foto: Reprodukt

Paris - Das Leben als Elfjährige ist anstrengend. Das wird einem jede Elfjährige bestätigen. Aber wenige werden dabei das Rührende, das Herzwärmende, das Beängstigende, das Schockierende und das Überraschende so toll mischen wie Esther, die Comic-Heldin des in Frankreich lebenden Riad Sattouf.

Schon der erste Band von „Esthers Tagebüchern“ mit dem Untertitel „Mein Leben als Zehnjährige“ war eine Wucht. Nun folgt „Esthers Tagebücher: Mein Leben als Elfjährige“, und wieder hat Sattouf („Der Araber von morgen“) eimal pro Woche mit einer echten, sehr liebenswerten Göre gesprochen, die ihm von Elternhaus und Schule, von Träumen und Ängsten, von Reibereien mit Lehrern und Pflichten erzählt. Von den Reife- und Milieu-Unterschieden auch in einem Jahrgang. Von schrecklichem Mobbing und quälendem Verliebtsein. Von der Tyrannei der Marken und der Panik, nicht zu den angesagten Cliquen zu gehören. Von den Albträumen, die mit dem Einsickern der großen Weltnachrichten in die Kindheit aufblühen. Von innnerfamiliären Konflikten und der Sorge ums Glück der eigenen Eltern.

Kinder halten auch was aus

Daraus macht Sattouf jeweils einseitige Geschichten, die wunderbar witzige Bilder haben und eine ganz tolle, lebensnahe Sprache: gemischt aus Sentimentalität und Rüdheit, Naivität und Altklugheit, Nonchalance und Aufgeregtheit, Sensibilität und Übermut. Ulrich Pröfrock hat die wieder sehr lebendig und passend ins Deutsche übersetzt: dieser Mann ist eine unschätzbare Ressource der deutschen Comic-Welt.

Letztlich geht’s in „Esthers Tagebücher“ aber trotz aller auch ernsten Züge gar nicht um die die Größe der Kindheitskrisen. Sondern darum, wie Esther immer wieder mit allem fertig wird. Um Bewältigungskraft. Darum, dass nicht alles gleich Trauma wird und Dauerwunde. Sondern Erfahrung und Lebensübung. Das wird ganz ungekünstelt erzählt: ist nichts, was Sattouf dazuerfindet, und nichts, was Esther daherflunkert.

Viele Themen werden so kurz und präzise abgehandelt, dass einem manche soziologische Studie danach überflüssig erscheint. Wie das etwa aussieht, dass die sexuelle Reife immer früher einsetzt, die emotionale aber nicht, und wie Kinder den Ansturm der Sexbilder im Netz verarbeiten – hier kann man es nachlesen.

Riad Sattouf: „Esthers Tagebücher: Mein Leben als Elfjährige“.
Reprodukt-Verlag, Berlin. 56 Seiten, 20 Euro.