Krimikolumne

Comic: „Gotham Central 4: Bullocks letzter Fall“ Die überforderte Polizei

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Die im „Batman“-Universum spielende Comic-Reihe „Gotham Central“ hat einst stark angefangen. Nun erscheint der vierte Sammelband. Bleibt sie für Krimifreunde interessant, oder zeigt sie Ermüdungserscheinungen?

Batman agiert mit seinem Kevlar-Cape als Kugelfang für die Polizei von Gotham City. Das ist symbolisch für die helfende Nebenrolle, die er in „Gotham Central“ spielt. Foto: Panini
Batman agiert mit seinem Kevlar-Cape als Kugelfang für die Polizei von Gotham City. Das ist symbolisch für die helfende Nebenrolle, die er in „Gotham Central“ spielt. Foto: Panini

Stuttgart - Irgendwann musste jemand ja mal auf diese Idee kommen: die Polizei in Gotham City ernst zu nehmen, sie nicht mehr nur als Heer der chronisch Überforderten zu zeigen, das in den Nachthimmel starrt, wo sich Batman zum Kampf gegen Superschurken wie den Joker oder Two-Face schwingt. Im Jahr 2002 haben sich die Autoren Greg Rucka und Ed Brubaker auf den Boden Gothams begeben und von Cops erzählt, die ganz und gar nicht glücklich darüber sind, dass und wie Batman ihre Arbeit macht. Wir haben die Serie „Gotham Central“ zum Start der deutschen Ausgabe bei Panini hier schon einmal vorgestellt.

Die thematisch vielfältige, charakterlich konturscharfe Serie hat angefangen wie die besten Cop-Serien des US-Fernsehens. Womit sich natürlich wie bei TV-Serien die Frage stellt: Wann wird aus Inspiration Routine, wann werden die Markenzeichen Klischees, wann wird Innovation Wiederholung, weil man das mit einst Frischem gewonnene Publikum nicht verschrecken mag?

Die gute Nachricht: Auch der vierte Sammelband der „Gotham Central“-Reihe, „Bullocks letzter Fall“, zeigt noch keine Ermüdungserscheinungen. Mit den übermüdeten, gestressten, sehr menschlichen Polizisten wird das relativiert, was „Batman“-Geschichten mit nur gespieltem Grusel als eigentlich attraktive Seite des Vigilanten nach vorne rücken: dessen maschinenhafte Zielstrebigkeit, sobald er das Cape überzieht.

Dabei geht es nicht nur um einen quasi comic-interne Auseinandersetzung, interessant für Leute, die eben Batmans diverse Abenteuer verfolgen. Der Vigilanten-Geist des Dunklen Ritters ist nur eine Spielart jenes Notwehr-, Selbsthilfe-, Mal-richtig-aufräumen-Wunsches, der sich in vielen Krimis findet. „Gotham Central“ zeigt eine Polizei, die den Krimileserwünschen nicht hinterher kommt, bleibt also spannend auch für Comic-Muffel.

Greg Rucka & Ed Brubaker (Text), Greg Scott & Michael Lark (Zeichungen): „Gotham Central 4: Bullocks letzter Fall“. Panini Comics, Stuttgart. 172 Seiten, 16,99 Euro.