Comic-Manager aus Gerlingen Onkel Donald und das Strohgäu

Adolf Kabatek – kreativ an seinem Schreibtisch Foto: privat
Adolf Kabatek – kreativ an seinem Schreibtisch Foto: privat

An diesem Dienstag, 7. November 2017, erscheint die 500. Ausgabe der „Lustigen Taschenbücher“ mit Donald Duck und Micky Maus. Die Geschichten von Walt Disney haben Bezüge in hiesige Gefilde – auch wegen des früheren Verlagschefs Adolf Kabatek.

Ludwigsburg: Klaus Wagner (kwa)
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Gerlingen - Entgegen mancher Vermutung steht der Geldspeicher von Onkel Dagobert nicht im Rathauskeller des reichen Gerlingen. Und Daniel Düsentrieb ist weder Ingenieur bei Bosch noch bei Trumpf. Ede Wolf stellt auch nicht in Hemmingen den Schweinchen nach. Dennoch haben die Walt-Disney-Figuren aus „Micky Maus“ starke Bezüge ins Strohgäu: Adolf Kabatek war von 1972 bis 1988 der Geschäftsführer des Ehapa-Verlags, in dem „Micky Maus“ erschien. Er wohnte in Gerlingen, seine vier Kinder gingen dort ins Gymnasium. Und ein von früher Jugend an eingefleischter Fan leitet das Gerlinger Stadtarchiv: Klaus Herrmann. Er hat alle 499 bisher erschienenen „Lustigen Taschenbücher“ zuhause. Und eine Veröffentlichung von 1953, die Micky Maus und Co. verdammt, schlummert im Archiv.

Ratsch, quietsch, schmatz, potz: Neben den reinen Dialogen in Sprechblasen sind auch in den „Micky-Maus“-Heften die Worte nebendran typisch für die Comics. Die Veröffentlichungen des Disney-Imperiums erscheinen seit 1951 in Deutschland. Die Egmont-Mediengruppe in Kopenhagen hatte sich die Rechte für Europa gesichert und zum Agieren am deutschen Markt den Ehapa-Verlag in Leinfelden-Echterdingen gegründet. Adolf Kabatek, Jahrgang 1931, gelernter Verlagskaufmann, trat in den frühen Fünfzigern in den Verlag ein – und stieß, neben seiner Zuständigkeit für Verwaltung und Finanzen – rasch zum Kreativteam dazu.

Nicht nur Verlagsmanager

„Er hat als Redakteur mitgearbeitet, Texte übersetzt und daran gefeilt, auch die Abenteuer aus Onkel Dagoberts Schatztruhe konzipiert.“ Das ist eine der Erinnerungen, die Kabateks Sohn Johannes an seinen Vater hat. Der Professor für Romanistik lehrt in Zürich – und erzählt begeistert von seinem Vater, der mit 65 Ende Juni 1997 starb. „Er konnte sehr gut Englisch, lernte Französisch und Dänisch, hat Texte in zig Sprachen geschrieben.“ Adolf Kabatek gilt, neben der Chefredakteurin Erika Fuchs, als eine der wichtigsten Personen für den Aufstieg des Ehapa-Verlags. So gelang es ihm, Dank der Freundschaft zu den Asterix-Autoren Albert Uderzo und René Goscinny, 1968 auch die Abenteuer der Gallier nach Deutschland zu bringen.

Da war „Micky Maus“ lange am Markt. 1967 startete der Verlag ein neues Format mit den Geschichten um Onkel Donald und Co.: Die „Lustigen Taschenbücher“. Die „Micky-Maus“-Hefte erschienen wöchentlich im Vierfarbdruck, die Taschenbücher bis 1990 mehrmals jährlich, seitdem zwölf oder 13-mal pro Jahr, die Doppelseiten im Wechsel schwarz-weiß und farbig. Die erste Ausgabe („Der Kolumbusfalter“) kostete 2,50 Mark, heute sind für ein „Lustiges Taschenbuch“ 6,50 Euro fällig.

„Die Geschichte meines Vaters ist eine typische Nachkriegskaufmanns- und Broterwerbsgeschichte“, sagt Johannes Kabatek – auch zum Wohle der Familie. „Ich habe mit Comics lesen gelernt“, sagt der Wissenschaftler lachend, der in Zürich Vorlesungen in Spanisch und Portugiesisch hält. „Unsere Freunde und Bekannten haben immer Comics bekommen.“ Als er, der Sohn, einmal im Krankenhaus lag, „da kam der Vater zu Besuch mit einer Tasche voller Hefte“. In „seinem“ Ehapa-Verlag erschienen neben „Micky Maus“ auch andere Comic-Titel wie zum Beispiel „Lucky Luke“. „Es war toll, einen Vater zu haben, der solche Sache umsonst verteilen konnte.“

Vater war viel auf Reisen

Als er größer wurde, so der 52-Jährige, habe er viele Besuche mitbekommen: Sowohl der Eltern bei Disney in Amerika („mindestens einmal im Jahr“), wie die von Verlagsleuten zuhause. „Es war normal, dass der Vater auf Reisen war.“ Er selbst habe einmal mitfliegen dürfen, zur Premiere eines Disney-Films nach London. Sein Vater sei auch einzeln mit den vier Kindern verreist. Und die Asterix-Autoren habe er sehr gut gekannt. Das Interesse für Sprachen habe er, Johannes, „klar vom Vater übernommen“ – ebenso wie seine Schwester Elisabeth, die erfolgreiche Schriftstellerin ist. Die andere Schwester wurde Ärztin, sein älterer Bruder Ingenieur.

In Gerlingen war Adolf Kabatek bekannt, er engagierte sich in der evangelischen Kirche. In der Kommunalpolitik, so der ehemalige Bürgermeister Albrecht Sellner, sei der Verlagsmanager aber nicht aufgetaucht. „Ich habe ihn als soliden, ruhigen und angenehmen Bürger in Erinnerung“, erzählt Sellner, „nicht irgendwie negativ oder schillernd. Er hatte seine Reputation vor allem außerhalb der Stadt.“ Johannes Kabatek war eine Zeit lang der Vorsitzende des Stadtjugendrings.

Micky Maus am Krankenbett

Mit Johannes Kabatek hat Klaus Herrmann die Geschichte mit dem „Micky-Maus“-Heft am Krankenbett gemeinsam. Er habe sich viele Hefte vom Taschengeld gekauft, erzählt der Gerlinger Archivchef und Ludwigsburger CDU-Kommunalpolitiker. Die „Lustigen Taschenbücher“ habe er alle gelesen. Die ersten Ausgaben seien ziemlich zerlesen, weil oft ausgeliehen. Die Geschichten hätten ihn als Kind fasziniert, so Herrmann. Als das erste Taschenbuch 1967 erschien, war er acht Jahre alt. Auch als Erwachsener ging er mehrmals pro Jahr zum Zeitungskiosk. 50 Jahre nach der Erstausgabe wird er sein 500. Exemplar kaufen.

Klaus Herrmann hat „Micky Maus“ nicht heimlich lesen müssen, die Eltern hätten die Lektüre goutiert. Anfang der Fünfziger gab es da noch andere Empfehlungen: Im örtlichen Anzeiger vom 9. Januar 1953 warnt der Gerlinger Elternbeirat im Zusammenhang mit dem „Schund-und-Schmutz-Gesetz“ vor „der Flut jener minderwertigen, nicht selten sogar schädlichen literarischen Erzeugnisse“, die „in den buntesten Farben“ angeboten würden. Deren „geringwertiger Inhalt“ wird angeprangert – und „Micky Maus“ erwähnt. Adolf Kabatek war übrigens Mitglied in der Prüfstelle für jugendgefährdende Schriften.




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