War Goethe schwul? Bei der Lesung des scharfzüngigen Comiczeichners Ralf König im Club Schocken kommen pikante Details ans Licht.

Kultur: Adrienne Braun (adr)

Stuttgart - Doch, meint die Schwuchtel, Goethe war schwul. Das belege ein Gedicht: „Goethe spielt Flöte auf Schiller sein Piller“. Das wäre ein schöner Traum, wenn die Welt nicht nur voller Homosexueller wäre, sondern sie auch selbstverständlich akzeptiert würden.

Seit dreißig Jahren kämpft Ralf König gegen Homophobie – gewaltfrei und ungeheuer komisch. Im Stuttgarter Club Schocken hat sich der Mann mit der spitzen Zeichenfeder nun zu erkennen gegeben und live seinen Jubiläumsband „Der dicke König“ präsentiert.

Verschiedene Stimmen

König liest selbst mit verschiedenen Stimmen: Da ist die neugierige Mutter, die wissen will, wie man das mit dem Analverkehr macht. Da ist David, der an dem gut aussehenden Goliath vorbei schießt – und Gott trifft. „Oops“ – „aber da ergeben sich so gottlos ganz andere Perspektiven“. Ralf König spielt mit antiken und tradierten Stoffen, holt Geschichten aus der Bibel, der griechischen Antike und der Weltliteratur in die Gegenwart – und zieht dabei auch immer wieder kräftig über Doppelmoral und Schwulenfeindlichkeit der katholischen Kirche her - „Bleib mit deinem Christenwahn beweihräuchert im Vatikan“.

König ist scharfzüngig, frech, aber auch sehr komisch und treffsicher. Er kennt keine Tabus und sein entlarvender Witz macht selbst vor Gleichgesinnten nicht halt. So mokiert er sich, dass der CSD zur Faschingsparade verkommen sei und parodiert köstlich „strunzdoofes Geschoss“ und dämlich-geile – schwule - Muskelpakete mit nichts im Hirn: „Isch fick wem isch will.“