Computerspiele Es gibt Wichtigeres, als zu ballern

Was macht ein gutes Computerspiel aus? Reichen eine schicke Grafik und tolle Sounds? Oder sind Jugendliche nicht doch anspruchsvoller? Ein Schüler der StZ-Aktion „Zeitung in der Schule“ klärt auf.

Stuttgart - Die aktuellen Studien des Medienpädagogischen Forschungsverbundes bestätigen den Wandel des Spielverhaltens von Jungen und Mädchen. Zwar machen mit einem Anteil von 76 Prozent die männlichen Spieler weiterhin den größeren Teil aus, aber es gab einen leichten Anstieg der weiblichen Spieler. Die durchschnittliche tägliche Spieldauer bei Jungen liegt bei 78 Minuten unter der Woche und am Wochenende bei 112 Minuten. Bei den Mädchen sieht es ein ganzes Stück anders aus: Sie spielen durchschnittlich 33 Minuten und am Wochenende 41 Minuten.

Doch seit Jahren ändert sich das Spielverhalten der Jugendlichen und Kinder. Früher war es selbstverständlich, dass Computer- und Konsolenspiele nur etwas für Jungs sind – egal, ob als Kind oder als Jugendlicher. Doch im Laufe der Zeit veränderte sich die Einstellung von Jungen und Mädchen. Während Mädchen früher Spielen am Computer und an Konsolen eher den Rücken zuwandten, sind nun auch solche Spiele, die früher meist nur Jungs gespielt haben, ebenfalls ein fester Bestandteil ihrer Spielzeugsammlung.

So verwundert es nicht, dass die Spielhersteller heutzutage eigene Abteilungen haben, die sich speziell mit den Wünschen dieser Zielgruppe beschäftigen. Von der Pflege von Tieren wie Pferden, Hasen, Katzen oder Hunden bis zu Kochspielen und der Kreation eigener Klamotten ist alles dabei, was Mädchen begeistert. Die Gründe, weshalb sie immer mehr Interesse an Computer- und Konsolenspielen gewonnen haben, dürften auch in der gezielten Werbung zu suchen sein, welche die Unternehmen für diese Gruppe gemacht hat. Und natürlich dürften auch viele Mädchen ihren Geschwistern beim Spielen zugeschaut und dann auch selbst immer wieder mitgespielt haben.

Jugendliche wollen herausgefordert werden

Es gibt allerdings nicht nur Unterschiede bei den Spielinteressen von Mädchen und Jungen, sondern auch zwischen Kindern und Jugendlichen. Auf den ersten Blick scheint das Spielverhalten bei diesen beiden Altersgruppen zunächst gar nicht so unterschiedlich zu sein: Beide stehen größtenteils auf Action-, Rollen- und Adventurespiele. Aber beim genaueren Hinschauen zeigen sich doch gewisse Unterschiede. Während die Kinder vor allem Wert auf eine gute Grafik legen und es ihnen bei den Actionspielen meist darauf ankommt, so viel wie möglich „herumzuballern“, achten die Jugendlichen mehr darauf, dass die Storyhandlung gut umgesetzt wurde. Wichtig ist ihnen ein anspruchsvolles Herausforderungsniveau, und dafür verzichten sie lieber darauf, sinnlos „herumzuballern“. Natürlich legen sie auch auf eine gute Grafik Wert – sie wollen mit dem neuesten und bestmöglichen Grafikdesign spielen. Allerdings haben viele jugendliche Spieler auch nichts dagegen, wenn die Grafik „alte Schule“ ist und sie ihnen gefällt.

Es gibt noch einen weiteren Unterschied im Spielverhalten von Kindern und Jugendlichen. So haben zum Beispiel jüngere Spieler meist noch mehr Lust am Spielen als Jugendliche. Auf der anderen Seite ist aber bei ihnen die Frustgrenze viel schneller erreicht als bei den Jugendlichen, und so verlieren sie viel leichter die  Motivation weiterzuspielen. Auch die ­Balance zwischen Unterforderung und Überforderung spielt eine Rolle. Ein Kind ist viel schneller mit einer komplexen Spielsituation überfordert als ein Jugendlicher, deshalb erlebt der Jugendliche mehr Erfolgsmomente im Spiel. Am Ende wird der Jugendliche das Spiel besser beurteilen können als ein Kind, das deutlich mehr Misserfolge haben dürfte.

Es gibt viele Möglichkeiten, weshalb ein Computerspiel für einen Spieler an Reiz gewinnen oder verlieren kann. Ein persönliches Beispiel: in der Reihe „Assassin’s Creed“ fasziniert mich, dass die Handlung bereits über drei Spiele hinweg spannend erzählt wird und die Grafik einen Augenschmaus darstellt.

Der Autor: Dimitrios Meneselidis ist 18 Jahre alt und geht zum Wirtschaftsgymnasium West in Stuttgart. Er nahm an der StZ-Aktion „Zeitung in der Schule“ teil.

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