Die Losung des Abends war unmissverständlich: „Let’s get the Brexit done, send Chelsea home tonight“, so stand es auf dem Banner vor dem Heidenheimer Fanblock. Auf der Ostalb wollte man das britische Nein zur Europäischen Union also vollenden – und den ruhmreichen FC Chelsea möglichst mit einer Niederlage zurück an die Londoner Stamford Bridge schicken.
Geklappt hat dies allerdings nicht. Zwar hat sich das Team von Trainer-Urgestein Frank Schmidt am vierten Spieltag der Conference League sehr achtbar aus der Affäre gezogen. Letztlich aber ging der glückliche Sieg mit 2:0 (0:0) an die abgezockten Blues von der britischen Insel, die nicht mehr taten, als sie mussten. „Wir haben Chelsea einen offenen Schlagabtausch geboten. Letztlich kannst du gegen sie nicht alle Chancen verteidigen. Wir hatten bei unseren Möglichkeiten auch Pech“, sagte Schmidt nach der Niederlage durch die Tore des Ex-Leipzigers Christopher Nkunku (51.) und Mykhailo Mudryk (85.).
Die fußballerischen Gegensätze beider Clubs hätten größer kaum sein können: Hier der zweifache Champions-League-Sieger (2012, 2021) aus dem feinen Londoner Stadtteil Chelsea, da der Emporkömmling von der Ostalb, der erst seit 2023 in der ersten Bundesliga spielt. Der Kaderwert des FC beträgt 963 Millionen Euro, der des 1. FCH, der seit 17 Jahren von Frank Schmidt gecoacht wird, liegt exakt 900 Millionen darunter.
Den Heidenheimern machen in ihrem zweiten Bundesliga-Jahr vor ihrer Partie gegen Eintracht Frankfurt am Sonntag („Die ist für mich wichtiger als das Spiel gegen Chelsea“, sagte Schmidt) allerdings eine Krise durch, sind bis auf Rang 15 abgerutscht. Im Highlight-Spiel gegen Chelsea setzten die Rot-Blauen dennoch den ersten Akzent: Das war, als Leonardo Scienza von rechts flankte - und Mikkel Kaufmann dicht vor dem Tor der Blues am Ball vorbei rutschte. Erneut Kaufmann (15.) und die Bayern-Leihgabe Paul Wanner mit einem Sololauf setzten weitere Glanzlichter für den Underdog, sodass die Stimmung unter den 15 000 Fans im kleinsten Erstligastadion der Republik immer munterer wurden.
Chelsea tut sich schwer
Im Gegensatz zur Vorsaison, als Platz sechs nur das Ticket für die Conference League einbrachte, stehen die Blues als Dritter in der heimischen Premier League gut da. Doch das Team von Enzo Maresca („Wir haben unsere Tore geschossen und deshalb haben wir den Sieg verdient“), der im Sommer vom glücklosen Mauricio Pochettino übernommen hatte, kam in Heidenheim über die gesamte Partie hinweg nicht richtig in Tritt. Zu sicher, so schien es, waren sich die Stars um Kapitän und Rechtsverteidiger Axel Disasi ihrer spielerischen Überlegenheit.
Der Treffer zum 1:0 war dabei eine Co-Produktion zweier bekannter Gesichter aus der Bundesliga. So setzte sich zunächst der Ex-Dortmunder Jaden Sancho auf dem rechten Flügel durch. Seine Hereingabe nahm Nkunku mit links gekonnt an, ehe er den Ball mit rechts unhaltbar für den stark aufspielenden FCH-Keeper Kevin Müller ins Tor schoss (51.). Heidenheim hatte im Anschluss eine Reihe bester Gelegenheiten – darunter eine Riesenchance von Wanner (69.) und zwei Abseitstore von Maximilian Breunig (80./88.). Doch der verdiente Ausglech wollte nicht fallen. Dafür zimmerte Mudryk auf der Gegenseite den Ball zum 2:0 in den rechts oben in den Winkel (85.).
In der Conference League hatten beide Teams zuvor ihre drei Matches gewonnen. Mit Sieg Nummer vier bei insgesamt sechs Partien der Ligaphase steuert nun Chelsea in Richtung der direkten Qualifikation für das Achtelfinale. „Wir haben unser Herz auf dem Platz gelassen“, bilanzierte Heidenheims Trainer Frank Schmidt das bisher bedeutendste internationale Spiel der Clubgeschichte: „Trotz der Niederlage können wir auf dieser Leistung aufbauen.“