Conti qualifiziert Un- und Angelernte Weg gut, Ausgang ungewiss

Der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern steigt – nicht nur bei Conti. Foto: Continental

Weiterbildung ist wichtig. Das gilt für alle Mitarbeiter, aber besonders für Geringqualifizierte. Es wird teuer, wenn ein Angelernter noch eine Berufsausbildung absolviert. Arbeitslosigkeit allerdings ist noch teurer, meint Inge Nowak.

Stuttgart - Verzweifelt gesucht“ – so lauteten Anfang der 2000er Jahre die Schlagzeilen in den Tageszeitungen, wenn es um den Ausbildungsmarkt ging. Doch im Gegensatz zu heute haben junge Menschen damals verzweifelt einen Ausbildungsplatz gesucht. Zum Beispiel im Jahr 2003: Da suchten mehr als 590 000 junge Menschen eine Lehrstelle, angeboten wurden deutschlandweit allerdings nur gut 570 000; das hat die Arbeitsagentur für Arbeit damals ermittelt. In den folgenden Jahre ist die Lücke sogar noch etwas größer geworden. Erst 2010 wendete sich das Blatt. Seitdem liegt die Zahl der angebotenen Plätze stets über der Nachfrage. 2018 konnten – statistisch gesehen – sogar gut 33 000 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden.

 

Anfang der 2000er Jahre haben viele Unversorgte zusätzliche Ausbildungen gemacht, sie haben sich in den Folgejahren erneut um eine Ausbildungsstelle beworben. Doch dürfte es auch viele geben, die dann eine Arbeitsstelle angenommen haben – auch weil sie keinen Ausbildungsplatz bekommen haben. Deshalb gehören heute auch damals Unversorgte zu den Un- oder Angelernten. Diese Menschen sind mittlerweile vielleicht 30, 35 Jahre alt. Sie haben also noch einen Großteil ihres Arbeitslebens vor sich.

Sie haben viel Erfahrung

Wertvoll sind diese Arbeitskräfte, weil sie in ihren Berufsjahren viel Erfahrung gesammelt haben. Sie wissen viel über die Maschine, die sie bedienen. Und sie wissen viel über die Arbeitsabläufe rund um ihren Arbeitsplatz. Doch in der hochautomatisierten Fabrikwelt ist mehr nötig – Mitarbeiter müssen Kontrolle über mehrere Maschinen übernehmen. Und wenn es Probleme gibt, müssen sie im Zweifel auch frühzeitig eingreifen können. Deshalb ist Qualifikation so wichtig.

Obwohl Weiterbildung Sache der Arbeitgeber sein sollte, ist es dennoch zu begrüßen, dass es die Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit nun gibt. Und es wird teuer. Doch es wäre zweifellos noch teurer, wenn die Betroffenen arbeitslos würden – eben weil es immer weniger einfache Tätigkeiten gibt.

Leicht wird der nun eingeschlagene Weg dennoch nicht. Denn viele haben verlernt zu lernen. Und es ist auch nicht einfach, gemeinsam mit deutlich jüngeren Menschen die Schulbank zu drücken. Der Erfolg des Qualifizierungschancengesetzes ist keinesfalls garantiert. Dennoch ist es wichtig, diese Chance zu nutzen.

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