Continental-Werk in Oppenweiler Conti-Mitarbeiter vor ungewisser Zukunft

Der Betriebsratsvorsitzende Jörg Schwarz und Sandra Nagel bangen um ihre Jobs und um die der Kollegen. Foto: Gottfried Stoppel

Jörg Schwarz und Sandra Nagel arbeiten seit rund 30 Jahren bei der Contitech Kübler GmbH in Oppenweiler, die zu Continental gehört. Das Unternehmen sieht keine Perspektive für das Werk. Den Mitarbeitern bleibt das Prinzip Hoffnung.

Rems-Murr/ Ludwigsburg: Martin Tschepe (art)

Oppenweiler - Jörg Schwarz kann es immer noch nicht wirklich glauben. Er will sogar verhindern, dass der Autozulieferer Continental das Werk in Oppenweiler – wie angekündigt – komplett schließt. Schwarz, 58 Jahre, Betriebsratsvorsitzender, hat vor 34 Jahren bei der Firma seine Lehre zum Maschinenbaumechaniker begonnen. Seither arbeitet er ununterbrochen dort. Eigentlich habe er sich demnächst – für sich ganz persönlich – mit dem Thema Altersteilzeit beschäftigen wollen. Seit die Geschäftsführung aber vor gut einer Woche angekündigt hat, dass das gesamte Werk vor dem Aus steht, hat Schwarz andere Sorgen.

 

„Wir kämpfen um den Standort“, sagt er an diesem sonnig-heißen Freitagvormittag im Betriebsratsbüro. Und wenn dieser Kampf nicht erfolgreich beendet wird? Darüber wolle er noch gar nicht nachdenken. Dann, sagt Schwarz, gelte es „gute Regelungen“ für die Mitarbeiter auszuhandeln, etwa großzügige Abfindungszahlungen und die Gründung einer Transfergesellschaft, die die akut von Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeiter schult und ihnen neue Beschäftigungsverhältnisse vermittelt.

Sprecherin: keine Zukunftsperspektive

Der Betriebsrat kämpft nun also für Menschen wie Sandra Nagel. Die 46-jährige Frau aus Auenwald arbeitet seit 28 Jahren bei Contitech. Sie hat keine abgeschlossene Ausbildung, aber einen ganz gut bezahlten Job als Auftragssachbearbeiterin. Sie würde sich vermutlich ziemlich schwer tun bei der Suche nach einer vergleichbaren Stelle und sagt: „Ich hoffe, es geht weiter in Oppenweiler.“ Sie wolle noch gar nicht wahrhaben, dass alle Jobs bald wohl wegfallen könnten.

Eine Continental-Firmensprecherin hat jetzt auf Anfrage erklärt, dass für das Werk die Zukunftsperspektive fehle, auch weil kürzlich ein großer Kundenauftrag weggebrochen sei. Laut Aussage des Betriebsratsvorsitzenden handelt es sich dabei um einen Auftrag von Volkswagen für den Golf VIII. Schwarz sagt indes, Contitech habe andere Aufträge für den Elektro-Golf sowie von MAN. Er befürchte, dass die Geschäftsleitung diese Komponenten aber in einem Werk in Rumänien produzieren wolle. Die Sprecherin erklärt zu diesem Thema: „Bislang sind dazu noch keine Entscheidungen getroffen worden.“ Continental werde „zu gegebener Zeit“ Gespräche mit dem Betriebsrat führen.

„Viele Automobilzulieferer werden Contitech folgen“

Sandra Nagel sagt, „ich muss noch 20 Jahre arbeiten und Geld verdienen“. Sie sei ledig, also auf sich allein gestellt, und schlafe zurzeit schlecht, „nicht nur wegen der hohen Temperaturen“. Und auch Jörg Schwarz hat längst noch nicht ausgesorgt. Der Backnanger hat drei Kinder, „zwei studieren und einer geht noch ins Gymnasium“. Gut möglich, sagt er, dass demnächst alle drei gleichzeitig studieren werden. Einen neuen Job zu finden, dürfte auch für den Mann, der in Rudersberg-Steinenberg wohnt, nicht leicht werden. Ein Blick in den Wirtschaftsteil der Zeitung, sagt er mit nachdenklicher Miene, signalisiere dem Leser doch klar, „dass viele Automobilzulieferer Contitech wohl folgen werden“. Er sei „skeptisch“. Im Übrigen sei doch klar: ein freigestellter Betriebsratsvorsitzender sei bei vielen Arbeitgebern nicht wirklich willkommen.

Zumindest rund 60 Beschäftigte haben womöglich eine Perspektive bei Continental. Die Firmensprecherin sagt, diese Männer und Frauen verrichteten standortübergreifende Aufgaben: „Wir können uns vorstellen, dass diese Funktionen künftig von einem andern Standort arbeiten.“ Schwarz sagt, er fürchte, dass speziell die Beschäftigten der untersten Entgeldgruppe „die Deppen“ sein werden.

Es bleibt das Prinzip Hoffnung

Und wie könnte es für den Vorsitzenden der Arbeitervertretung selbst weiter gehen? Schwarz sagt, er habe eine Weiterbildung zum Ansprechpartner für Suchtfragen im Betrieb gemacht und könne sich vorstellen in einem sozialen Beruf zu arbeiten – was ohne entsprechende Ausbildung aber schwierig werden dürfte.

Sandra Nagel erzählt, sie würde – wenn sie jünger wäre – sehr gerne eine Ausbildung zur Gärtnerin machen. Doch diese körperlich anstrengende Arbeit an der frischen Luft sei für sie aus gesundheitlichen Gründen vermutlich viel zu anstrengend. Also bleibt das Prinzip Hoffnung.

Continental beschäftigt weltweit etwa 245 000 Mitarbeiter

Firma
Die Contitech Kübler GmbH in Oppenweiler ist ein renommierter Automobilzulieferer, der unter anderem Volkswagen beliefert. Die Firma Kübler wurde 1975 gegründet und im Jahr 2000 von Continental übernommen. Sie entwickelt und produziert Kältemittelleitungen, also Teile für Klimaanlagen für Personenwagen und Nutzfahrzeuge.

Personal
Zurzeit stehen rund 340 Mitarbeiter auf den Lohn- und Gehaltslisten. Um die Jahrtausendwende waren fast doppelt so viele Menschen im Betrieb beschäftigt. Laut Auskunft des Betriebsrats wurden befristete Stellen nicht verlängert, Mitarbeiter, die in den Ruhestand gegangen sind oder den Job gewechselt haben, seien oft nicht ersetzt worden.

Mutterkonzern
Contitech gehört zum Mutterkonzern Continental, der allein in Deutschland an rund 100 Standorten etwa 63 000 Mitarbeiter beschäftigt, weltweit sind rund 245 000 Männer und Frauen angestellt. Von Oppenweiler aus sind die Werke in Weißbach und in Eislingen die am nahe gelegensten, die Entfernung beträgt etwa 50 Kilometer.

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