Copa America in Brasilien Verzichtet Neymar freiwillig auf das Turnier?

Von red/SID 

Der Druck auf Brasiliens Fußballstar Neymar ist gigantisch. Nach den Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs und Bloßstellung intimer Fotos wird eine Teilnahme des Stürmers an der Copa America immer unwahrscheinlicher.

Die Copa America findet in Neymars Heimatland Brasilien statt. Foto: Getty Images
Die Copa America findet in Neymars Heimatland Brasilien statt. Foto: Getty Images

Sao Paulo -

Brasiliens Fußball-Ikone Neymar manövriert sich immer mehr ins Abseits. Angesichts der jüngsten Schlagzeilen stellt selbst der eigene Verband die fest geplante Teilnahme des Superstars von Paris St. Germain an der Copa America infrage. 

Als Erster aus der Führungsspitze des brasilianischen Fußballs hat CBF-Vizepräsident Francisco Novelletto dem 222-Millionen-Mann nahegelegt, aus freien Stücken auf die in wenigen Tagen beginnende Südamerika-Meisterschaft (14. Juni bis 7. Juli) zu verzichten. Neymar steht wegen des Vergewaltigungsvorwurfs sowie öffentlicher Zurschaustellung intimer Fotos des vermeintlichen Missbrauchs-Opfers im Kreuzfeuer der Kritik. 

Ein weiteres Video könnte veröffentlicht werden

„Er hat psychologisch gar nicht die Voraussetzungen, eine Copa America anzugehen, sich einem Heer von Journalisten auszusetzen“, sagte der ranghohe Verbandsfunktionär dem TV-Sender SBT. Und kündigte geheimnisvoll an: „Ein Freund aus Rio de Janeiro hat mir gesteckt, dass es noch ein Video gibt, das in Umlauf gebracht werden soll.“

So bröckelt mit jedem neuen Detail die Rückendeckung. CBF-Boss Rogerio Caboclo hatte am Dienstag am Rande des FIFA-Kongresses aus dem fernen Paris noch felsenfest erklärt: „Es gibt keine Chance, dass er nicht an der Copa America teilnimmt.“ Wenige Stunden später räumte Novelletto dagegen ein: „Tite wird ihn niemals aus dem Kader streichen. Aber wenn der Wunsch von ihm (Neymar, d.Red.) ausgeht, wird die CBF nachgeben.“

Trainer Tite setzt auf Neymar

Für den Nationaltrainer ist sein Zehner wie bei der WM vor einem Jahr unantastbar. Beim Copa-Test am Mittwoch gegen Katar in Brasilia plante Tite mit Neymar in der Startelf, nahm ihm immerhin wegen einer Tätlichkeit gegen einen Fan im französischen Pokalfinale vor wenigen Tagen die Kapitänsbinde ab, wehrte sich aber demonstrativ vor einer vorschnellen Verurteilung, gegen eine weitere Entmachtung oder gar Rauswurf.

Am Sonntag folgt noch die Generalprobe gegen Honduras. In Porto Alegre, wo Novelletto als Präsident des dortigen Landesverbandes Hausherr ist. „Bei der WM waren die Fans wegen seiner Fallsucht äußerst verärgert. Was ist, wenn er jetzt die ersten zwei, drei Pässe vergeigt, wenn er im ersten Spiel schlecht ist? Dann werden die Fans ihn erst recht verdammen“, meinte er.

Polizei ermittelt gegen Neymar und seinen Vater

Sein prahlerisches Gehabe wie bei seinen Glamour-Geburtstagspartys stößt ohnehin auf Unmut. Sein Hochmut zu glauben, dass er nur beim FC Barcelona aus dem Schatten Lionel Messis treten braucht, um bei Paris St. Germain zum Sonnenkönig zu werden. Die Kommerzialisierung von allem, was er tut und anpackt: Selbst wenn er unschuldig ist, der neue Skandal scheint nur absurd für diejenigen, die ihm nahestehen.

Wie seine Mutter Nadine, die ihm via Instagram – für die Familie Neymar anscheinend eine normale Form der Kommunikation – bat, der Frau zu vergeben, die ihn der Vergewaltigung beschuldigt.

Oder Vater Neymar Santos Silva, der sich einen Dreck darum scherte, dass der Junior schon im Copa-Basislager der Selecao weilte, und ohne Rücksicht auf die CBF seinen Filius zur Veröffentlichung des privaten Chats mit dem vermeintlichen Opfer anstiftete.

Zu dumm, dass die Polizei nun gezwungen ist, an zwei Fronten zu ermitteln. Erst recht verwerflich, weil Neymar in seinem Instagram-Video auch den kleinen Sohn der Brasilianerin erwähnte, die er in Sozialen Netzwerken kennengelernt und dann zu einer Liebesnacht nach Paris eingeladen hatte.

Wie soll Neymar bei diesem Druck Leistung bringen?

„Das Leben meines Sohnes ist gestört, man macht sich schon über ihn lächerlich“, klagte Ex-Ehemann Estivens Alves, der im TV-Interview mit Rede Record dennoch „fest“ daran glaubt, dass es sich bei der Anklage „nicht um eine finanzielle Frage“ dreht, die Mutter des gemeinsamen Kindes „nicht versucht zu erpressen, um aus der Geschichte Nutzen zu ziehen“.

Die Liebesnacht am 15. Mai, die Anzeige am vergangenen Freitag, der Gegenangriff per Video am Samstag, die Polizei im CBF-Basislager am Sonntag, Tites Treueschwur am Montag, die Zweifel des CBF-“Vize“ am Dienstag: Die  Informationslage mit Beweisen und Gegendarstellungen ist nach wie vor total verworren. Neymar muss mit dieser Last klarkommen. Die Frage ist, kann er angesichts dieser Hypothek überhaupt Leistung bringen?