Corfu Palace in Leonberg Korfu beginnt am Leonberger Stadtpark

Das Team vom Corfu Palace auf der Terrasse: Vasilios Memmos , Fatima Didic, Xanthoula Tsiola , Constantina Zaka , Liliana Pinzariu und Theodoros Gogas (von links). Foto: Simon Granville

Zwei Griechen aus dem selben Ort laufen sich zufällig in Deutschland über den Weg: Was daraus in vielen Jahren wurde, schmeckt vielen Gästen in Leonberg ausgesprochen gut.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Stellen Sie sich vor, Sie leben im Ausland und treffen dort einen Landsmann. Im Lauf des Gesprächs stellt sich heraus, dass er aus dem selben Ort stammt wie Sie. So ist es vor rund 40 Jahren Vasilios Memmos und Theodoros Gogas ergangen. Beide stammen aus einem Ort in der Nähe der griechischen Hafenstadt Igoumenitsa, die viele Urlauber wegen der Fähre nach Korfu kennen.

 

Memmos und Gogas waren beide schon lange in Deutschland, bevor sie sich über den Weg liefen. Der kleine Vasilios kam als Achtjähriger direkt nach Leonberg. Sein Vater hatte eine Stelle bei den Eltinger Metallwaren gefunden. Die Familie blieb, der Sohn wuchs hier auf und fand seine berufliche Zukunft in der Gastronomie.

Die Plastik „Der sterbende Achill“ steht im Achilleion in Korfu-Stadt. Ein Gemälde davon hängt im Restaurant Corfu Place. Foto: dpa

Auch den Vater von Theodoros zog es der Arbeit wegen nach Norden. Er arbeitete bei Varta in Hannover, da war der Junge gerade mal ein Jahr alt. Später führte der Weg der Familie in den Süden. 1981 begegneten sich Gogas und Memmos erstmals. Vasilios war seinerzeit im Ochsen aktiv, und zwar in dem von Eltingen. Dazu muss man wissen, dass fast jeder Stadtteil von Leonberg ein Lokal dieses Namens hat.

Der Ochsen in der Carl-Schmincke-Straße war schon damals eine gute Adresse für griechische Küche. Anfang der Neunziger übernahm Vasilios Memmos den Eltinger Ochsen, später holte er sich seinen Landsmann Gogas mit hinein: Der Grundstein für eine bis heute währende Partnerschaft war gelegt. Dass die Chemie zwischen beiden stimmt und die Familien mitmachen sind die Eckpfeiler dieses griechischen Geschäftsmodells mit deutschen Akzenten.

Neues Konzept in Weissach

Im Jahr 2007 hatten Laki und Theo, wie die beiden von ihren Gästen genannt werden, die Chance auf etwas ganz Neues. Die Gemeinde Weissach suchte neue Pächter für die Strudelbachhalle. Die beiden Griechen erhielten den Zuschlag: die Geburtsstunde des Restaurants Corfu Palace hatte geschlagen. Der neue Name, eine Reminiszenz an die beliebte Insel ihrer Heimat, stand gleichsam für ein neues Konzept. Beide Familien wollten zeigen, dass die griechische Küche mehr zu bieten hat als nach Göttern benannte voluminöse Fleischplatten. Das Konzept kam vor allem bei den früheren Gästen an, die nun verstärkt zum Essen von Leonberg nach Weissach fuhren.

Unterdessen hatte der damalige Oberbürgermeister von Leonberg ein ganz anderes gastronomisches Problem: Mit dem Restaurant in der Stadthalle wollte es einfach nicht klappen. Unzufriedene Gäste und häufige Pächterwechsel waren für die gute Stube der Stadt nicht gerade imagefördernd. Bernhard Schuler befolgte einen Tipp, doch einmal in Weissach essen zu gehen. Bei seinem Testbesuch war der OB sehr angetan: So sollte es auch in Leonberg sein.

Beide Seiten wurden sich schnell einig. Im Februar 2015 eröffnete das Corfu Palace in der Leonberger Stadthalle. Seit zehn Jahren währt die Zusammenarbeit jetzt, diese Konstanz hatte es zuvor nicht gegeben. Das betrifft übrigens auch das Personal: Fatima Didic serviert den Gästen vom ersten Tag an nicht nur griechische Spezialitäten. Sehr beliebt sind auch Rostbraten. Pfeffersteak oder das Schwäbische Pfännle.

Lecker: Griechischer Schafskäse Feta mit Tomaten. Foto: Susanne Hamann

Ihre Schwerpunkte setzen die Ehefrauen Liliana und Constantine in der Küche aber im Mediterranen. Neben den Dauerbrennern wie überbackenem Gyros oder Bifteki gibt es Leckereien, die nicht überall zu haben sind. Kleftiko etwa, Lammfleisch, das gemeinsam mit Schafskäse und Kartoffeln im Backofen schmort. Ein Klassiker ist Feta aus dem Backofen oder die überbackenen Scampi. Auf der zum Stadtpark ausgerichteten Außenterrasse gibt es im Sommer die kleinen Souvlaki-Spieße, die viele Urlauber kennen.

Schwerpunkt mediterrane Küche

Zweites wichtiges Standbein des Familienbetriebs ist die Bewirtung bei Veranstaltungen in der Halle, seien es jetzt größere Familienfeste, Tagungen, Kongresse oder Kulturabende. „Hier ist nach Corona ein Knick festzustellen“, sagt Memmos. „Aber wir sind optimistisch.“ Wenn er übers Geschäft spricht, klingt er fast wie ein Deutscher. „Ja, das stimmt“, sagt der Chef mit Augenzwinkern. „Ich bin ja fast mein ganzes Leben in Deutschland.“

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