Corona und die Folgen haben Rektoren unzufriedener gemacht, das hat eine Forsa-Umfrage ergeben. Was bereitet Schulleitern in der Pandemie Probleme? Antworten von den Fildern.

Filder - Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung hat Corona Schulleitern die Freude an der Arbeit vermiest. Die Zahl derer, die ihren Job sehr oder eher gern ausüben, ist seit 2019 von 94 auf 67 Prozent gesunken. Im Herbst 2020 waren es sogar nur 62 Prozent gewesen. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Rektoren, die es selten oder nie schaffen, ihren Beruf zur eigenen Zufriedenheit auszuüben, binnen drei Jahren von 16 auf 46 Prozent verdreifacht.

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Leiden Rektoren besonders unter Corona? Stefanie Lenuzza, die Leiterin der Körschtalschule in Plieningen, glaubt das nicht. „Das ist für alle Menschen eine belastende Zeit“, sagt sie – für Schüler, für Eltern, für Lehrer. Dass die Zufriedenheit im Job gesunken sei, überrascht sie indes nicht. Fragte man im Krankenhaus oder der Gastronomie, bekäme man wohl ähnliche Antworten, gibt sie zu bedenken. Freilich habe es aber in der Pandemie Aufgaben gegeben, die Schulleitern im Speziellen zugekommen seien. „Teilweise mussten wir sehr kurzfristig reagieren, man hat da wenig pädagogisch gestalterischen Spielraum.“ In der ersten Coronaphase seien Neuerungen im Schulalltag quasi ohne Vorlauf umzusetzen gewesen. „Ich weiß nicht, wie oft ich Stundenpläne gemacht habe.“ Manches belaste, „man hat als Schulleitung eine Verantwortung für alle“.

Keine Grundsatzkonflikte am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium

Peter Bizer kennt das Gefühl. Der Leiter des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums (DBG) in Filderstadt bekennt: Bisweilen habe er sich vor allem in der Corona-Anfangsphase überfordert gefühlt. Homeschooling von jetzt auf nachher umzusetzen, sei „der mittlere Wahnsinn“ gewesen. Hinzu seien Ängste aller Beteiligten gekommen. Nicht alles könne man etwa dem Kultusministerium ankreiden, denn auch dort habe man Zeit gebraucht. „Klar habe ich mich allein gelassen gefühlt, aber ich verstehe, warum“, sagt Peter Bizer. Bis heute laufe nicht alles rund. Gebe es an der Schule positive Tests, liege es an der Schulleitung, indirekt über Quarantäne zu entscheiden. „Ich übernehme die Rolle der Gesundheitsämter.“ Immer wieder Entscheidungen zu treffen, deren Konsequenzen schwer absehbar seien, das erschöpfe auch.

Zu Grundsatzkonflikten sei es am DBG dennoch nicht gekommen. Was geholfen habe? Offene Kommunikation und eine eingeschworene Schulgemeinschaft. Peter Bizer sagt aber auch: Als Rektor eines Gymnasiums tut er sich in der Pandemie oft leichter. Zum einen seien die Schüler älter und geübter im Digitalen. Viele seien zudem mittlerweile geimpft. Auch verteilten sich durch die interne Struktur mit Teamleitern Aufgaben besser. Sprich: Kleine Schulen treffe das Ganze stärker. „Ich kenne viele Schulleiter, die sagen, ich würde es gern hinschmeißen“, stellt Peter Bizer klar.

Rektoren an der Freien Evangelischen Schule stützen sich gegenseitig

Mehr Manpower, leichteres Arbeiten? In der Freien Evangelischen Schule (FES) in Möhringen ist diese Rechnung aufgegangen. In dem großen Schulverbund sind Grund-, Werkreal-, Realschule und berufliches Gymnasium zusammengeschlossen, und in der Pandemie konnten und können sich die Rektoren stützen. „Wir haben die Corona-Verordnungen zusammen gelesen und dann die Aufgaben verteilt“, erklärt Carmen Behling, die Gesamtschulleiterin. Vor allem in der Kurzfristigkeit, die oftmals herrschte, habe das sehr geholfen. Auch als Schule in freier Trägerschaft diverse Verbände im Rücken zu haben, sei „ein kleiner Vorteil“, sagt der FES-Geschäftsführer Jens Geiger. Carmen Behling betont trotz aller Anstrengung: Vergällt hat Corona ihr den Job noch lange nicht.

Viele mutmachende E-Mails von Eltern

Es ist ruhiger geworden an den Schulen. Eine gewisse Coronaroutine hat sich eingestellt. An der Körschtalschule kann dennoch nicht alles stattfinden. Das Adventskonzert etwa ist abgesagt. „Das ist sehr schade“, betont Stefanie Lenuzza. Dennoch kann sie der Krise auch Positives abgewinnen. Die Kommunikation mit den Eltern etwa habe eine andere Qualität gewonnen, es gehe mehr ums Lernen. Corona habe das Kollegium zudem zusammengeschweißt. „Ich glaube, wenn eine Schulgemeinschaft schon vorher gut funktioniert hat, sind das gute Voraussetzungen, um eine Krise zu meistern“, sagt sie. Auch Peter Bizer kann Gutes berichten. Er habe viele mutmachende Mails von Eltern erhalten. Wenn jetzt wieder eine Homeschooling-Phase käme, wäre er zuversichtlich, sie gut zu meistern. „Das Know-how ist da.“ Dennoch: Auf digitalen Unterricht kann er gut verzichten. „Es ist ein Genuss, wieder Schüler an der Schule zu haben.“