Corona-Auffrischungsimpfung Wann wird auf den Fildern geboostert?

Wann gibt es die Booster-Impfung? Das ist mitunter von Impfstelle zu Impfstelle verschieden. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Eine Impfwillige aus Filderstadt wurde nicht geboostert, weil sie zu früh dran war. Dabei unterscheiden sich die Empfehlungen für den Zeitpunkt der Drittimpfung.

Manteldesk: Sandra Hintermayr (shi)

Filder - Um die aktuelle Coronawelle zu brechen, wird von allen Seiten dazu aufgerufen, sich eine Auffrischungsimpfung, die sogenannte Booster-Impfung, verabreichen zu lassen. Aber wann bekommt man die eigentlich? Und unterscheidet sich das von Impfstelle zu Impfstelle?

 

Das empfiehlt die Stiko aktuell

Das Sozialministerium Baden-Württemberg sagt dazu: „Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat am 18. November ihre Empfehlungen nochmals aktualisiert und empfohlen, dass die Auffrischimpfungen in der Regel im Abstand von sechs Monaten zur letzten Impfstoffdosis erfolgen sollen“, sagt Pressereferent Florian Mader. Aber auch schon vorher könne die Auffrischimpfungen erfolgen, wenn es genügend Kapazitäten gebe. In der Regel sei dieses frühere Impfen ab dem Erreichen des fünften Monats nach Zweitimpfung möglich. Die Impfteams, die Stadt- und Landkreise seien ausdrücklich auf diese Stiko-Empfehlung hingewiesen und gebeten worden, „kulant mit solchen Menschen umzugehen, die sich bereits früher boostern lassen wollen“, so Mader. Am Ende liege die Entscheidung aber bei der impfenden Ärztin oder dem Arzt vor Ort.

Frust bei Impfwilligen

Das führt mitunter zu Frust bei Impfwilligen, wie im Falle einer Filderstädter Bürgerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Am 10. Dezember habe sie sich ihre Auffrischungsimpfung in der Filharmonie geben lassen wollen, wo ein Team der Malteser an diesem Tag eine Impfstelle eingerichtet hatte. Vor dem Eingang der Filharmonie habe sie ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma gefragt, ob denn ihre zweite Impfung schon mindestens fünf Monate her sei. „Zehn Tage fehlten mir bis zu den fünf Monaten“, sagt die Frau.

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Der Security-Mitarbeiter habe sie dann darauf hingewiesen, dass Leute, die sich vor Erreichen des Fünf-Monats-Abstands boostern lassen wollen, abgewiesen würden. Der Mann habe sie auf ihre Bitte hin dennoch in die Filharmonie gelassen. Drinnen sei sie von Mitarbeitern der Malteser empfangen worden. Doch auch hier sei sie abgewiesen worden. Letztlich ging die Frau ohne Drittimpfung wieder nach Hause.

Der Security-Mann habe ihr berichtet, er hätte schon Impfwillige abweisen müssen, denen nur ein Tag bis zum erforderlichen Abstand fehlte. Das sei unverständlich, sagt die Filderstädterin. Ärzte hätten einen Ermessensspielraum beim Verabreichen der dritten Impfdosis. „Warum ist man hierbei so kleinlich?“, fragt sie. Sie wolle keine schlechte Stimmung machen, doch es sei ärgerlich, wenn die Menschen vor der Halle abgewiesen würden.

Das sagen die Malteser

Marc Lippe, Bezirksgeschäftsführer des Malteser-Hilfsdiensts Neckar-Alb, erklärt, man halte sich an die Empfehlung von Land und Stiko. „Das sind die sechs Monate beziehungsweise die Verkürzung auf fünf Monate“, so Lippe. Die Ärzte könnten, aber müssten keine Ausnahmen machen. „Man muss irgendwo eine Grenze ziehen. Das Land hat mit den fünf Monaten schon eine Toleranz eingeräumt.“ Die aktuelle Empfehlung der EMA (European Medicine Agency), bereits ab dem Ablauf von drei Monaten nach der letzten Impfung zu boostern, habe man zur Kenntnis genommen, „aber wir halten uns derzeit an die Stiko-Empfehlung“, sagt Marc Lippe. Auf diese werde zum Beispiel auf der Malteser-Homepage hingewiesen.

Mancherorts wird früher geboostert

Im Kreisimpfstützpunkt (KIS) in Sindelfingen kann man sich nun bereits drei Monate nach der Zweitimpfung die dritte Dosis verabreichen lassen. Dort, so teilt es der Landkreis Böblingen mit, liege die Nachfrage nach Impfungen hinter dem zurück, was die Ärzteschaft leisten könne. „Um nun neuen Schwung in die Impfkampagne zu bekommen, werden die aktuell im KIS tätigen Fachleute ab sofort die Empfehlungen zur Booster-Impfung an die der EMA anlehnen“, heißt es in der Mitteilung.

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Das Klinikum Stuttgart reagiert ebenfalls auf die EMA-Empfehlung. Im Impfzentrum des Klinikums in der ehemaligen Sportarena an der Königstraße können sich über 30-Jährige bereits rund vier Monate nach der Zweitimpfung mit Moderna boostern lassen.

Impfmarathon an der Messe Stuttgart

Im Landkreis Esslingen wird es wohl vorerst nicht zur Verkürzung des Impfabstands kommen. „Wir halten uns an die Empfehlung der Stiko mit den sechs, frühestens aber fünf Monaten“, sagt Andrea Wangner, Sprecherin des Landratsamts.

Für das Wochenende ist nun eine große 48-Stunden-Impfaktion geplant. Der Landkreis Esslingen, der Malteser Hilfsdienst und die Messe Stuttgart veranstalten vom 17. bis zum 19. Dezember einen Drive-in-Impfmarathon. Unterstützt werde die Aktion von DRK, Johanniter-Unfallhilfe, den Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Esslingen, dem Technischen Hilfswerk und Mitarbeitern der Landesmesse.

Von Freitagabend, 18 Uhr, bis Sonntagabend, 18 Uhr, soll rund um die Uhr 48 Stunden lang geimpft werden. 24 Impfstraßen sollen in einer der Messehallen entstehen. Alle Impfwilligen können in ihren Fahrzeugen sitzen bleiben. In einer weiteren Messehalle bleiben die Geimpften dann – ebenfalls in ihren Fahrzeugen – eine kurze Zeit zur Nachbeobachtung vor Ort. „Mit dem Impfmarathon auf der Landesmesse geben wir für viele Menschen eine ganz unkomplizierte Möglichkeit, sich genau dann gegen das Coronavirus impfen zu lassen, wenn es für sie geschickt ist – mit Impfterminen rund um die Uhr“, sagt Marc Lippe.

Impfangebote aktuell

48-Stunden-Impfmarathon
Für die Teilnahme am Impfmarathon ist eine vorherige Terminbuchung notwendig. 15 000 Impftermine sind ab sofort auf den Internetseiten www.landkreis-esslingen.de und www.malteser-neckar-alb.de/impfen freigeschaltet. In einer Bestätigungs-E-Mail erhalten die Impfwilligen anschließend alle weiteren Informationen rund um die Corona-Schutzimpfung auf der Landesmesse. Weitere 5000 Impfungen stehen für Kurzentschlossene auch ohne Termin zur Verfügung.

KIS im Landkreis Böblingen
Im KIS, Messehalle Sindelfingen, kann man derzeit von Montag bis Freitag immer zwischen 11 und 13 Uhr und von 14 bis 16 Uhr ohne Termin zum Impfen kommen. Wer einen Termin vereinbaren will, kann dies über die Homepage des Landkreises tun (www.lrabb.de, Stichwort: Informationen zur Corona-Impfung). Nach Eingabe aller Daten gibt es einen QR-Code, der am Einlass vorgezeigt werden muss. An Heiligabend, 24. Dezember, und bis einschließlich 26. Dezember, sowie an Silvester, 31. Dezember, und Neujahr, 1. Januar, ist der KIS geschlossen.

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