Corona bei Olympia 2022 Die Lotterie im Zeichen der Ringe

Kombinierer Eric Frenzel muss nach einem positiven Coronatest erst einmal pausieren. Foto: dpa/Barbara Gindl

Die ersten positiven Coronatests prominenter Athletinnen und Athleten zeigen: Mancher Wettbewerb bei Olympia in Peking, kommentiert unser Reporter Jochen Klingovsky, könnte zur sportlichen Farce werden.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Peking - Es ist gerade mal zwei Wochen her, als an dieser Stelle ein Kommentar zur Handball-Europameisterschaft in Ungarn und der Slowakei stand. Titel: „Die EM verkommt zum Glücksspiel.“ Nun begann am Freitag in Peking die nächste Corona-Lotterie. Schon vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele stand fest, dass einige Wettbewerbe in den nächsten zwei Wochen zur sportlichen Farce werden. Weil manche der Besten nicht auf Eis und Schnee unterwegs sein können, sondern im Quarantäne-Hotel festsitzen.

 

Auch bei der Handball-EM waren etliche Teams durch die enorm ansteckende Omikron-Variante geschwächt, allen voran die deutsche Auswahl. Doch in einem Mannschaftssport lässt sich eine solche Malaise etwas leichter kompensieren, durch Spieler aus der zweiten Reihe, die nachnominiert werden. Zudem findet jedes Jahr ein neues Großereignis statt.

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Viele Athletinnen und Athleten, die nun in China um die Medaillen kämpfen (wollen), sind Individualisten, die olympische Bühne bietet ihnen eine einmalige Chance. Sie wussten um die Gefahr, positiv getestet zu werden. Bitter bleibt der Gang in die Isolation dennoch. Erst recht für diejenigen, die beste Aussichten auf eine Medaille hatten.

Prominente Ausfälle

Die Österreicherin Sara Marita Kramer zum Beispiel, die dominierende Skispringerin dieses Winters, musste zu Hause bleiben. Jarl Magnus Riiber, der stärkste Kombinierer der Welt, wurde in China positiv getestet. Wie nun auch Eric Frenzel, der dreimalige Olympiasieger in der Nordischen Kombination. Verwunderlich wäre, wenn es nicht noch mehr Stars treffen würde – womit sich automatisch die Frage nach der sportlichen Wertigkeit der Winterspiele stellt. Die Antwort: Sie steht zumindest auf dem Spiel.

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Der erste Wettbewerb der Kombinierer am Mittwoch wird qualitativ schlechter besetzt sein als jedes Weltcup-Rennen. Neben Riiber und Frenzel fehlen auch Terence Weber und der Este Kristjan Ilves – vier der ersten sieben Athleten der Weltcupwertung. Ähnliches droht in anderen Disziplinen. Willkommen in der Corona-Wirklichkeit!

Keine Überraschung

Natürlich geht die in den sozialen Medien vielfach geäußerte Forderung, am besten gleich alle Olympia-Wettkämpfe sein zu lassen, an der Realität vorbei. Andererseits ist nun auch dem letzten Optimisten klar, dass das Virus diese Winterspiele fest im Griff haben wird. Überraschend kommt diese Entwicklung allerdings nicht. Die Handball-EM liegt schließlich erst ein paar Tage zurück.

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