Corona-Dankeschön-Aktion für Kinder In der Pandemie an die Kinder denken

Von Petra Mostbacher-Dix 

Der Landesverband des Kinderschutzbunds und der Paritätische Baden-Württemberg haben eine landesweite Corona-Dankeschön-Aktion für Kinder gestartet – in der Weilimdorfer Kindergruppe Regenbogen.

„Ich habe nur einmal bei meiner Oma geschlafen“ Foto: Petra Mostbacher-Dix
„Ich habe nur einmal bei meiner Oma geschlafen“ Foto: Petra Mostbacher-Dix

Weilimdorf - Corona? Josi, Franzi, Hannah, Elia, Franca und Luzie wissen Bescheid. „Eine schlimme Krankheit“, erklären die Kitakinder der Kindergruppe Regenbogen in Weilimdorf. „Gefährlich für Opas und Omas, man muss Abstand halten.“ Sie hätte die Großeltern nicht gesehen, erzählt ein Mädchen. Ein anderes sagt: „Ich habe nur einmal bei meiner Oma geschlafen.“ Mama und Papa waren zwar zuhause, aber hätten oft „Pst!“ oder „Nicht jetzt“ gesagt. Ein Kind nickt. „Weil sie arbeiten mussten.“ Freunde habe man auch nicht sehen dürfen – und die Spielplätze waren gesperrt. Sie sind einig: „Gut, wieder in die Kita zu gehen.“

Lebendig lassen die Fünfjährigen den Corona-Lockdown Revue passieren – mit Conny Klingel, Leiterin der Regenbogen-Kindergruppe, Elias Mutter Romina, Julia Wahnschaffe, Geschäftsführerin des Kinderschutzbunds Baden-Württemberg, sowie Feray Şahin, die beim Paritätischen Baden-Württemberg den Bereich Kinder, Familie und Migration leitet. Grund: Zum Weltkindertag am 20. September initiierten der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Baden-Württemberg und der Paritätische Baden-Württemberg eine Corona-Dankeschön-Aktion, im Regenbogen ist der Auftakt.

Postkarte und Freundschaftsarmbändchen

Um auf die besondere Lage der Kinder in der Pandemie aufmerksam zu machen, schenken die beiden Verbände in den kommenden Wochen rund 28 000 Kita- und Schulkindern im Land eine Postkarte und ein Freundschaftsarmbändchen mit dem Slogan „Kinder – mit Abstand die Besten!“. „Das seid ihr für uns! Das Geschenk zeigt, dass wir an euch denken, ihr habt einiges mitgemacht“, betont Wahnschaffe, bevor sie die Karte vorliest. „Danke, dass du das alles durchgehalten hast und uns damit hilfst, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken.“ Begeistert streifen die Kinder die Armbänder – aus recyclebarem, schadstofffreiem, hautfreundlichem Silikon – über ihre Hände.

Auch Gruppenleiterin Conny Klingel und Elias Mutter Romina schildern die vergangenen Monate. Familie und Beruf zuhause vereinbaren? „Herausfordernd“, beschreibt Romina. „Man hatte das Gefühl, nichts gerecht werden zu können, weder den Kindern, noch dem Beruf.“ Ihr Mann und sie versuchten sich mit Zeitplänen aus Früh- und Spätarbeit zu behelfen: „Aber um fünf Uhr früh erreiche ich niemanden.“

Klingel spricht über die Unsicherheit im Fünferteam, zunächst im Homeoffice und per Skype konferierend, die manche der vielen Coronaverordnungen des Landes auslöste. „Mir fehlte eine pädagogische Richtlinie.“ Da die Gruppe nur zwei Notbetreuungskinder hatte, wagte man einen 50-prozentigen Regelbetrieb. „Eine Gruppe kam zwei Tage, die zweite drei Tage. Wir haben nur 20 Kinder. Für große Einrichtungen ist das schwieriger, wenn sich die Gruppen nicht mischen sollen.“ Wichtig sei gewesen, Kontakt zu halten mit den Kindern. „Hatte eines Geburtstag, haben wir vor dem Fenster gesungen.“

Mehrbelastung nicht zumutbar

Auch Feray Şahin beschreibt, wie anderswo Erzieherinnen Fenstergespräche geführt hätten. Aber manche habe man nicht erreicht. Familien und Kindern sei die Mehrfachbelastung und soziale Isolation wie im Lockdown nicht mehr zuzumuten. Der Kontakt zwischen Kitas und Kinder dürfe nicht mehr abbrechen. Şahin nennt Probleme wie häusliche Gewalt oder Kinder mit Förderbedarf, die stark gelitten hätten. „Die Politik muss an den Bedarfen von Familien und Kindern ausgerichtet sein. Dafür sollten sich die Politiker mit uns Trägern zusammensetzen, wir kennen die Probleme und eventuelle Lösungen.“

Wahnschaffe ergänzt, dass man hinter den Coronaverordnungen stehe, indes habe man die Kinder außer Acht gelassen. „Klar, am Anfang wusste keiner, was passiert. Aber wir haben aus den bisherigen Corona-Erfahrungen gelernt. Die Politik muss die Perspektive der Kinder, die massive, teils unbegreifliche Einschränkungen erlebten, mitdenken bei allen Entscheidungen im Leben mit der Pandemie.“

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