Es soll Waldorfschulen geben, in denen sind die Anmeldezahlen fürs kommende Schuljahr eingebrochen. Im Verlaufe der Coronapandemie war die anthroposophische Schulart immer wieder in die Schlagzeilen im Zusammenhang mit Impfskeptikern geraten. Entweder weil Schulen und Elternschaft tatsächlich gespalten waren bei dem Thema, oder auch aufgrund von Vorurteilen. Erleben die Waldorfschulen, die bis dato über Zulauf nicht klagen konnten, nun einen Einbruch?
Für die Waldorfschule Gutenhalde in Filderstadt-Bonlanden gelte dies jedenfalls nicht, sagt der Geschäftsführer Alexander Fuchs. Die Schule, die es seit 40 Jahren gibt, ist einzügig, in einer Klasse sitzen rund 35 Schüler. Fürs kommende Schuljahr seien 83 Anmeldungen eingegangen, sagt Fuchs. „Die wahren Fans“, wie Fuchs sie nennt, melden direkt nach der Geburt an. Er zum Beispiel, selbst Gutenhalde-Alumni, habe für seine Kinder im Alter von einer Woche Bedarf signalisiert. Eine Corona-Delle gebe es nicht. „Wir hatten durch die schlechte Presse keine Einschränkungen.“
Die Impfquote liege bei 90 Prozent, Maskenpflicht sei Alltag
Wobei die Waldorfschule Gutenhalde auch wenig schlechte Presse hatte. Nur einmal kritisierte Ende 2020 eine Mutter öffentlich, dass ein Klassenspiel vor gemischtem Publikum stattgefunden habe. Fuchs sagte damals, man habe sich an alle Regeln gehalten. Heute sagt er: An der Gutenhalde sei man sich einig: „Da gibt’s doch nichts zu diskutieren. Wir haben eine ganz klare Haltung.“ Die Impfquote an der Schule liege bei rund 90 Prozent, Maskenpflicht sei Alltag.
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Weil die Pandemieregeln für Waldorfschulen und ihr Konzept aber eben doch eine besondere Herausforderung sind, habe es jeden Mittwoch Treffen der Schulen aus Baden-Württemberg gegeben, sagt Fuchs. Das seien in der Pandemie etwa 40 Konferenzen gewesen. Wie schafft man all das, „im Sinne des Rechts“?
An der Silberwaldschule ist das Interesse an der ersten Klasse gestiegen
An der Waldorfschule Silberwald in Sillenbuch sind die Klassen etwas kleiner mit durchschnittlich 30 Plätzen. Die genauen Anmeldezahlen fürs nächste Schuljahr gebe man nicht heraus, sagen Svenja Zeuch von der Geschäftsführung und Semjon Schmidt-Rüdt von der Schulführung. „Einen außergewöhnlichen Einbruch unserer Anmeldezahlen haben wir nicht zu verzeichnen.“ Die Schule sei insgesamt seit März 2020 sogar um 20 Kinder und Jugendliche gewachsen auf nun 367. In den meisten Klassen werde die Maximalzahl erreicht, das Interesse an der ersten Klasse sei gestiegen.
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Die Sillenbucher Waldorfschule hat etwas am Profil verändert, was bei Eltern und Schülern offenbar gut ankommt. Ab der ersten Klasse lernen dort alle Englisch und Russisch. In der neunten Klasse kann man sich nun neuerdings entscheiden, ob man von Russisch auf Französisch wechseln möchte. Das erleichtere es Quereinsteigern, sich für die Schule zu entscheiden.
Viele Veranstaltungen sind wegen Corona ausgefallen
In der Pandemie habe es durchaus Sorgen von Eltern gegeben, sagt Svenja Zeuch. In beide Richtungen. „Wir haben natürlich nur Einsicht in unseren Organismus“, sagt sie. „Aber für uns war immer klar: An die Maßnahmen wird sich gehalten.“ Ansonsten habe es keine „großen Verwerfungen“ gegeben, sagt Semjon Schmidt-Rüdt.
Was auf der Strecke geblieben sei: sich nach außen zu öffnen. Gläserner Unterricht, das Herbstfest, Info-Veranstaltungen – all das musste in den vergangenen zwei Jahren pausieren. Zwar seien Eltern-Infos ins Digitale verlegt worden, „aber da bekommt man ja kein Gefühl für die Räumlichkeiten der Schule“, sagt Svenja Zeuch.
So gut wie keine kritischen Bemerkungen
Etwa 100 Elternhäuser melden ihre Kinder pro Jahr an der Michael-Bauer-Schule (MBS) in Stuttgart-Vaihingen an. Das sei auch diesmal so gewesen, einen Einbruch habe es nicht gegeben, sagt Ellen Gaiser. Da viele ihren Nachwuchs an mehreren Schulen anmelden, reduziere sich diese Zahl bis zu den Aufnahmegesprächen im Januar meist noch einmal, sodass in der Regel um die 80 Kinder vorgestellt werden würden. Und auch diese Zahl habe sich im Vergleich zu den Vorjahren nicht geändert, sagt die Öffentlichkeitsbeauftragte der Schule. Die MBS ist zweizügig. In einem Jahrgang können in den beiden Klassen rund 50 Kinder aufgenommen werden. Folglich wird es auch in diesem Jahr wieder Absagen geben, weil die Nachfrage höher ist als das Angebot.
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Kritische Bemerkungen wegen Corona habe es gegenüber der Schulgemeinschaft so gut wie keine gegeben, sagt Ellen Gaiser. Bei den Orientierungstagen im Dezember sei das gar kein Thema gewesen. Bei den Aufnahmegesprächen hätten sich zwei Elternhäuser an den Hygienevorschriften im Zuge des Verfahrens gestoßen. „Den einen gingen sie zu weit, den anderen genügten sie nicht“, sagt Ellen Gaiser. Das seien aber Ausnahmefälle gewesen, die „deutlich zeigen, dass man es nie allen recht machen kann“, so die Öffentlichkeitsbeauftragte.