Was passiert, wenn jemand in der Klasse positiv ist?
Aktuell testen sich Schülerinnen und Schüler in der Regel dreimal mit einem Antigenschnelltest. Gibt es in einer Klasse einen nachgewiesenen Coronafall, werden in dieser Klasse alle nicht vollständig geimpften und nicht genesenen Schülerinnen und Schüler fünf Tage hintereinander getestet. Das infizierte Kind muss unverzüglich für zehn Tage in häusliche Absonderung. Ein Freitesten ist ab dem siebten Tag mittels eines Schnelltests möglich. Die jeweilige Schulklasse oder Kohorte darf sich nicht mehr mit anderen mischen, was zum Beispiel für die Pausen oder auch beim Mittagessen zu Sonderregelungen führen kann. Sportunterricht findet nur draußen im Klassenverband statt. Im Musikunterricht muss auf Gesang und das Nutzen von Blasinstrumenten verzichtet werden.
Wann muss die ganze Klasse oder Kita-Gruppe in Quarantäne?
Gar nicht mehr. Das Land Baden-Württemberg ändert seine Quarantäne-Regeln in Schulen und Kitas: Künftig müssen nicht mehr ganze Klassen oder Gruppen in häusliche Isolation geschickt werden, selbst wenn es einen größeren Corona-Ausbruch gibt. „Damit schützen wir den Präsenzunterricht und gewährleisten einen einigermaßen geregelten Schul- und Kitabetrieb“, sagte Sozialminister Manne Lucha (Grüne) am Mittwoch in Stuttgart. Die Omikron-Virusvariante breite sich auch unter Kindern und Jugendlichen rasant aus. „Nach der alten Regel hätten immer mehr komplette Schulklassen und Kitagruppen in Quarantäne gehen müssen - das wollen wir verhindern“, erklärte der Grünen-Politiker.
Nur noch positiv getestete Schülerinnen und Schüler müssen sich absondern. Bisher war es so, dass die ganze Klasse oder Kitagruppe in Quarantäne geschickt werden musste, wenn mehr als fünf Jugendliche oder Kinder oder 20 Prozent einer Klasse oder Gruppe infiziert waren. Allerdings haben die Schulen einen Spielraum: „Sofern der Präsenzunterricht auch unter Ausschöpfung aller zur Verfügung stehenden Ressourcen aus schulorganisatorischen Gründen nicht mehr vollständig sichergestellt werden kann, können Schulen vorübergehend für einzelne Klassen oder auch die gesamte Schule zu Fernunterricht oder Hybridunterricht, also eine Kombination aus Präsenz- und Fernunterricht, wechseln“, heißt es in der Pressemitteilung des Ministeriums.
Dürfen Eltern ihr Kind zu Hause lassen, wenn ihnen das Risiko zu hoch ist?
Grundsätzlich nein, in Baden-Württemberg ist die Präsenzpflicht in den Schulen aktuell nicht ausgesetzt. „Bei uns können sich allerdings Schülerinnen und Schüler gegen Vorlage eines ärztlichen Attests von der Präsenzpflicht befreien lassen, wenn sie selbst oder jemand im gleichen Haushalt relevante Vorerkrankungen und deswegen auch ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf bei einer Infektion mit Corona haben“, gibt das Kultusministerium Auskunft.
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Welche Einschränkungen gibt es im Freizeitbereich?
Solang das eigene Kind nicht positiv getestet ist, gibt es prinzipiell keine Einschränkungen im Freizeitbereich – also auch dann nicht, wenn es in der Klasse positiv getestete Kinder gibt. Denn genau solche Einschränkungen sollen mittels der täglichen Testung, die dann gilt, vermieden werden. Das Gesundheitsministerium schreibt dazu: „Rechtliche Vorgabe, dass sich Jugendliche auch im Privatleben einschränken müssen, gibt es nicht. Aber sie hatten Kontakt zu einer positiv getesteten Person. Wir raten deshalb dazu, dass sie sich freiwillig etwas einschränken und die Kontakte reduzieren.“
Wie handhaben das verschiedene Freizeiteinrichtungen?
Jugendhäuser, Vereine, Musikschulen und andere Einrichtungen, die von Kindern und Jugendlichen in ihrer Freizeit genutzt werden, dürfen für sich selbst strengere Regeln definieren. Das hat zum Beispiel die Jugendfarm Elsental in Stuttgart-Kaltental getan. Das Team schreibt auf seiner Internetseite: „Immer wieder tauchen in einer Klasse einzelne Fälle von Corona auf, und die Klasse muss in die Klassenkohorte gehen.“ Durch diese Maßnahme solle das Infektionsgeschehen eingegrenzt und eine Durchmischung mit anderen Kindern vermieden werden. „Das bedeutet, dass die Kinder, die innerhalb der Schule in der Klassenkohorte sind, nachmittags nicht auf die Jugendfarm gehen können“, schreibt das Farm-Team. Die hauptamtliche Mitarbeiterin Sabine Boehm ergänzt: „Im Moment halten wir das so für sinnvoll. Im Winter sind wir auch viel in den Innenräumen. Und bei uns kommen wirklich viele Kinder aus ganz unterschiedlichen Klassen zusammen.“ Von Eltern habe es dazu durchaus kritische Nachfragen gegeben. „Wir wissen auch gar nicht genau, in welcher Klasse es Fälle gab“, räumt Sabine Boehm ein. Aber man bitte die Eltern einfach, diese Hausregel zu berücksichtigen.
Auch die Filderstädter Musikschule geht lieber auf Nummer sicher. Unterricht in größeren Gruppen wie zum Beispiel im Orchester finde derzeit nicht statt, sagt die Leiterin Katrin Bleier und ergänzt: „Wir wollen unseren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten.“ Ansonsten setze man auf das vertrauensvolle Verhältnis zu den Kindern und deren Eltern. Soll heißen: „Wir freuen uns, wenn wir informiert werden, wenn ein Kind in der Schule Kontakt zu einer positiv getesteten Person hatte.“ Dann könne man nach individuellen Lösungen suchen und beispielsweise kurzzeitig in den Online-Unterricht wechseln.