Corona in Irland Wo nur Geimpfte ins Lokal dürfen
Die aus Kirchheim stammende Lisa Zimmermann erlebt die Pandemie in ihrer Wahlheimat Irland. Sie sieht viele Parallelen, aber auch viele Unterschiede.
Die aus Kirchheim stammende Lisa Zimmermann erlebt die Pandemie in ihrer Wahlheimat Irland. Sie sieht viele Parallelen, aber auch viele Unterschiede.
Dublin/Kirchheim - Lisa Zimmermann hat in Dublin schon relativ früh zum ersten Mal von Corona gehört, bereits Anfang 2020: „Meine Vorgesetzte war zu der Zeit geschäftlich in Wuhan – und ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie sicher es wohl wäre, wenn sie von dieser Reise zurückkehrt und direkt an den Arbeitsplatz kommt“, erinnert sich die 31-Jährige aus Kirchheim/Teck (Kreis Esslingen), die bereits seit 2014 in Irland lebt: „Ansonsten habe ich zu dem Zeitpunkt definitiv noch nicht das Gefühl gehabt, dass uns das betreffen würde.“
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Überhaupt hätten die Iren, so ihr Eindruck, die Entwicklung in den anderen EU-Ländern erst einmal beobachtet und abgewartet, was passieren würde. Als das Virus dann aber auf der Insel angekommen war, sei plötzlich alles sehr schnell gegangen. „Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als die Unis schließen mussten“, erzählt die Dozentin, die sich an einer privaten Hochschule in Dublin mit der Frage beschäftigt, wie Kommunikationsdesign nachhaltiger gestaltet werden kann. „Die Schließung wurde an einem Donnerstag im März um kurz vor zwölf bekannt gegeben. Den Nachmittagsunterricht durfte ich noch abhalten. Aber vom nächsten Tag an ging alles nur noch online.“ Sie habe damals geglaubt, dass der Spuk in wenigen Wochen vorüber sein würde: „Ich habe nicht einmal meine Sachen aus dem Spind geholt.“
Mit ein paar Wochen war es aber in Irland nicht getan: „Der Lockdown war dann sehr strikt, auch wenn es bei uns länger gedauert hat, bis die Maskenpflicht eingeführt wurde“, sagt Lisa Zimmermann. „Zwei meiner Freundinnen unterrichten und studieren an staatlichen Unis. Die haben seit März 2020 keinen Campus mehr gesehen.“ Ihr sei es da etwas besser ergangen: „Ich habe bisher nur sechs Monate von zu Hause aus unterrichten müssen, weil mein Unterricht eher praktisch orientiert ist und es an einer privaten Einrichtung weniger Bürokratie gibt.“
Aber selbst diese Einschränkungen hätten, so ihre Beobachtung, das Leben und Lernen ihrer Studenten stark beeinträchtigt: „Ich denke, den schlimmsten Einfluss haben die Restriktionen auf diejenigen, die gerade wertvolle und einmalige Erfahrungen sammeln sollten, die Studenten, die sich kennenlernen und zusammen herausfinden sollten, wer sie sind.“
Die Maskenpflicht sei allerdings in Irland nie so streng umgesetzt worden wie in Deutschland, berichtet sie. Bis heute habe man in Irland nie draußen Maske tragen müssen, und auch FFP2-Masken sehe man fast nie. Sie seien in Irland auch nicht Pflicht. Lisa Zimmermann: „Ich habe aber den Eindruck, dass sich die meisten an die Regeln gehalten haben – ob bewusst oder ungewollt.“
Es habe aber auch viele Stimmen gegeben, die die Entscheidung der Regierung, die Restaurants und Pubs bis vor Kurzem geschlossen zu halten, scharf kritisiert haben. Das hänge aber auch mit der Tatsache zusammen, dass es in Irland kaum Schnelltests gebe. „Bei Aldi habe ich mal einen für 25 Euro gesehen“, erzählt sie. Schnelltestzentren suche man zudem vergeblich. „Das hieß nun auch: Wer im Restaurant drinnen essen möchte, muss vollständig geimpft sein.“ Überhaupt habe sich die Gastro- und Einzelhandelslandschaft sehr verändert. Zu viele Läden und Gaststätten hätten den Lockdown nicht überlebt.
Aktuell sei die Stimmung im Land optimistisch: Die Impfbereitschaft sei hoch, was vielleicht mit den Einschränkungen für Ungeimpfte zusammenhänge, vielleicht aber auch mit der Kultur der Menschen oder damit, dass die Impfkampagne „wirklich toll und einfach organisiert“ sei. Bereits rund 70 Prozent der Iren sind zumindest einmal geimpft. Ganz langsam, langsamer als in vielen europäischen Ländern, kehre Irland zur Normalität zurück. So dürfen etwa Schulen erst wieder im September öffnen.
Die persönliche Coronabilanz von Lisa Zimmermann fällt gar nicht so negativ aus. Ihr Leben habe sich schon kurz vor Corona grundlegend geändert: „Ich bin von der Dubliner Innenstadt in einen ruhigen Vorort in Meeresnähe gezogen und habe meinen Hund Milo adoptiert, der den Großteil meines Lebensinhalts darstellt. In der Innenstadt wäre ich wahnsinnig geworden. Die Straßen sind so eng, da kann man keinen Abstand halten. Allein der Gedanke daran bereitet mir Stress.“ Auch die Tatsache, dass viele soziale Verpflichtungen weggefallen seien, empfinde sie persönlich als befreiend. Beruflich habe ihr Corona sogar eher Vorteile verschafft: „Das Virus hat mich gezwungen, mich pädagogisch weiterzuentwickeln und mir beizubringen, wie online und hybrid effektiv unterrichtet werden kann.“
An eine Rückkehr nach Deutschland hat sie während der Coronazeit zwar mehrfach gedacht. Aber letztlich hat sie sich dagegen entschieden: „Ein Umzug mit Hund ist eben zehnmal komplizierter – vor allem über ein Meer“, sagt sie und lacht. „Daher habe ich das nicht in Betracht gezogen.“