Corona in Wangen Schutzunterkunft geschlossen

Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann bedankt sich bei den DRK-Helfern für die Arbeit in der Corona-Schutzunterkunft. Foto:  

28 Monate lang diente das einstige Hotel Ambiente in Wangen als Corona-Schutzunterkunft. Seit April 2020 gab es mehr als 9000 Übernachtungen. Nun wurde sie geschlossen.

Ein geräumiges Zimmer, komfortable Doppelbetten, gepflegte Schränke, ein Bildschirm, der WC- und Sanitärbereich bietet Platz, manchmal gibt es sogar einen Balkon samt Aussicht auf den Wangener Berg – als Tourist könnte man im einstigen Hotel Ambiente angenehm übernachten. Wenn man allerdings bis zu 14 Tage in diesen vier Wänden isoliert bleiben muss, dann kann einem die Decke schon einmal auf den Kopf fallen. „Verzweiflung, Erleichterung, Dankbarkeit, Langeweile und Wut – wir haben in den vergangenen 28 Monaten sämtliche Gemütszustände bei unseren Gästen erlebt“, berichtet Ralph Schuster, der Leiter des Rettungsdienstes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Stuttgart. Die Landeshauptstadt hatte zu Beginn der Corona-Pandemie das leer stehende Hotel an der Ulmer Straße als Schutzunterkunft angemietet und das DRK als Kooperationspartner gewonnen.

 

Schreckmoment für das Gesundheitsamt

„An einem Dienstag im März 2020 erhielten wir einen Anruf, dass wir eventuell alle Fahrgäste eines ICE, der im Hauptbahnhof ankam, in Quarantäne unterbringen müssten. Dies wurde glücklicherweise nicht notwendig, aber uns wurde bewusst, dass wir Schutzunterkünfte benötigen werden“, erinnert sich Stefan Ehehalt, der Leiter des städtischen Gesundheitsamts, an den „Schreckensmoment“, der zur Suche nach geeigneten Standorten führte. Mehrere glückliche Zufälle hätten dann zur Nutzung des Wangener Hotels und zur Kooperation mit den DRK-Aktiven geführt: Die Räume waren mit hygienisch optimal zu reinigenden Böden gefliest, die Ausstattung und der Zuschnitt der Hotelzimmer waren ideal, das DRK hatte Vorerfahrungen in Esslingen gesammelt und der Gemeinderat stimmte der Pacht sofort zu. Wir konnten bereits am 4. April 2020 loslegen“, sagt Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann.

71 Hotelzimmer standen zur Verfügung. Untergebracht wurden zu isolierende Geflüchtete, obdachlose Menschen, Reiserückkehrer, Prostituierte, zum Teil auch Drogenabhängige, Menschen, die sich der Quarantäne widersetzten, und zuletzt auch Ukrainerinnen und Ukrainer. „Also das gesamte bunte Spektrum unserer Stadtgesellschaft. Es hat sich gezeigt, dass diejenigen, die es eh bereits schwerer im Alltag haben, von Corona, den Auswirkungen der Infektion und der Pandemie am schwersten getroffen wurden“, resümierte Ehehalt.

Spenden der Wangener

Umso erfreulicher sei die positive Rückmeldung der Unterkunftsgäste. Eine Umfrage unter den Bewohnerinnen und Bewohnern der Schutzunterkunft ergab eine hohe Zufriedenheit. Natürlich sei sicherlich nicht jeder beglückt gewesen, zwangsweise in Quarantäne untergebracht zu werden, aber „die Menschen fühlten sich von Ihnen mit offenen Armen und Herzen empfangen und haben Ihre menschliche Zugewandtheit gelobt“, dankte Ehehalt den anwesenden DRK-Helferinnen und -Helfern. Der Dank gehe aber auch an die Wangener Bevölkerung. „Wir fühlten uns hier gut aufgenommen. Viele Nachbarn brachten Spielsachen, Bücher oder Kleidung und wollten uns helfen“, sagt Schuster.

Bis zu 62 Gäste am Tag

Für die DRK-Mitarbeiter – in der Anfangsphase waren es laut Schuster überwiegend Ehrenamtliche, später dann hauptamtlich Beschäftigte – und die sie unterstützenden Sicherheitskräfte war es in den vergangenen 28 Monaten ein ständiges Auf und Ab, ein ständiges Kommen und Gehen. Die maximale Anzahl an Bewohnerinnen und Bewohnern registrierten sie am 21. März 2022 mit 62 Gästen. In ruhigeren Phasen verteilten sich zehn bis 15 Menschen auf die 71 Zimmer. Auch dann war das Team rund um die Uhr vor Ort und an sieben Tagen die Woche gefordert. „Und dies alles, ohne dass ein Mitarbeiter sich hier infiziert hat“, betonte Schuster. Selbst im vergangenen Juni stieg die Zahl der Übernachtungsgäste nochmals auf fast 30 an. Insgesamt registrierte die Stadtverwaltung mehr als 9000 Übernachtungen seit April 2020.

Zuversicht, Corona in Griff zu bekommen

Zum 31. Juli hat die Stadt die Schutzunterkunft geschlossen. „Wir haben nach zwei Jahren gelernt, dem Virus zu begegnen, sind überwiegend geimpft und vorbereitet. Ich bin zuversichtlich, dass wir selbst, wenn wir im Herbst wieder ansteigende Infektionszahlen erhalten, ohne die Schutzvorrichtung auskommen können“, sagt Ehehalt. Zudem haben Stadt und DRK aus den in Wangen gemachten Erfahrungen gelernt. „Sie waren der Erfolgsgarant und haben Stadtgeschichte geschrieben“, sagte Sußmann und überreichte den DRK-Beschäftigten ein Geschenk der Stadtverwaltung.

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