Corona-Infektionsketten unterbrechen Warnapp Luca könnte zum Standard werden

Die Warnapp Luca könnte bald eine große Bedeutung bei der Nachverfolgung von Kontakten erlangen. Foto: imago images/Sven Simon

Die ersten Erfahrungen in Baden-Württemberg sind sehr positiv – aber die offizielle Einführung steht noch aus. In anderen Bundesländern ist man schon weiter.

Klima/Nachhaltigkeit : Thomas Faltin (fal)

Stuttgart - Die Warnapp Luca wird von immer mehr Gesundheitsämtern und öffentlichen Einrichtungen positiv beurteilt und entwickelt sich allmählich zu einer fast amtlichen Standard-App, obwohl es sich um eine private Initiative handelt. Vor allem Smudo, Mitentwickler der App und Mitglied der Hip-Hop-Band Fantastische Vier, trägt stark zur wachsenden Bekanntheit der Anwendung bei. Am Freitag hat etwa Mecklenburg-Vorpommern eine Vereinbarung mit den Betreibern geschlossen und will die App von sofort an flächendeckend nutzen. Thüringen steht kurz vor der Einführung.

 

Schon jetzt könnte sie zum Beispiel in Pflegeheimen, in Läden oder auch an Arbeitsstätten verwendet werden. Jeder Nutzer muss die App auf sein Smartphone laden und registriert sich einmal. Bei jedem Besuch, nach der Öffnung auch in Restaurants, Hotels oder bei Konzerten, meldet man sich über einen QR-Code papierlos an und ab. Sollte man später mit dem Virus infiziert werden, kann der Nutzer per TAN seine Besuchshistorie ausschließlich für das Gesundheitsamt freigeben, sodass dieses einsehen kann, wer sich sonst zur gleichen Zeit im Lokal oder in der Bücherei aufgehalten hat.

Die App soll die bisherige Zettelwirtschaft ersetzen

Die Behörde kann diese Personen dann umgehend warnen und muss nicht wie in der Vergangenheit erst die Zettel in Restaurants händisch auswerten. Smudo betont: „Ohne großen Aufwand, ohne Zettelwirtschaft, ohne einzelne Rückrufe ist sichergestellt, dass alle in der Infektionskette Bescheid wissen und sich gegebenenfalls testen lassen sollten.“ Damit hat jeder Nutzer ebenso wie bei der offiziellen Corona-Warnapp des Bundes weiter die Hoheit über seine Daten. Dazu gehört aber, dass jeder Besucher bei einer Anmeldung per QR-Code automatisch die Einwilligung erteilt, dass er vom Gesundheitsamt gewarnt werden darf; das Restaurant sieht die Daten dagegen nicht. Gibt der Infizierte allerdings seine Daten nicht frei, so findet auch weiterhin keine Nachverfolgung statt.

In Baden-Württemberg ist man lange noch nicht so weit wie in anderen Bundesländern. Bisher wurde Luca in den Kreisen Breisgau-Hochschwarzwald samt Freiburg, Reutlingen sowie dem Bodenseekreis getestet. Das zuständige Sozialministerium hält sich zurück: Man sei noch in der Auswertung, sagt der Sprecher Pascal Murmann. Das Land begrüße den Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz, dass sich die Länder auf ein bundeseinheitliches System verständigen wollen. Es dürfe keinen Flickenteppich geben. In Mecklenburg-Vorpommern wollte man aber nicht länger warten und legte nun los.

Der Erfolg, betonte Murmann, hänge davon ab, dass möglichst viele Nutzer bereit seien, „im Infektionsfall dem Gesundheitsamt die Aufenthaltsorte der letzten 14 Tage mitzuteilen.“

In Freiburg will man die App auf jeden Fall nutzen

Freiburg als Teil der Pilotkreise hat dagegen die Testphase bereits für abgeschlossen erklärt. OB Martin Horn betonte, die Luca-App sei ein „weiterer Baustein zur Bekämpfung der Pandemie und Normalisierung unseres Lebens.“ In Freiburg wollen auch Museen und die Stadtbibliothek die App nutzen.

Auch der Enzkreis hat die App auf Herz und Nieren geprüft und kommt zu einem positiven Fazit. Luca könnte ein Schlüssel zur einfacheren, schnelleren und lückenlosen Nachverfolgung von Kontakten werden, sagte Brigitte Joggerst, die Leiterin des Gesundheitsamtes Pforzheims und des Enzkreises. Die Betreiber der App scheinen allerdings zunehmend unter dem Erfolg zu ächzen. Ruft man bei der Berliner Firma culture4life an, erfährt man nur, dass die Sprachbox voll sei.

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