Corona-Krise bremst Start-up-Unternehmen Die Sahneträumchen hängen in der Warteschleife

Von Caroline Holowiecki 

Seit Monaten wird die einstige Unger-Filiale umgebaut. Nun steht fest: Hier entsteht eine Patisserie. Die Inhaber warten nur auf das Ende der Corona-Krise.

Aizhan Tugelbayeva und ihr Mann Anuar Tugelbayev haben das Start-up „Tartelier“ gegründet. Foto: Caroline Holowiecki
Aizhan Tugelbayeva und ihr Mann Anuar Tugelbayev haben das Start-up „Tartelier“ gegründet. Foto: Caroline Holowiecki

Sillenbuch - Die ehemals verblichene Fassade leuchtet in Weiß und Schwarz. Das Gebäude an der Ecke Kirchheimer und Liliencronstraße in Sillenbuch ist viele Monate lang renoviert worden. Im Erdgeschoss war bis Anfang 2017 die Filiale der Bäckerei Unger. Nur der Türgriff in Brezelform erinnert noch daran, dass es hier einst Ofenfrisches gab. Doch bald wird hier wieder gebacken.

In Kürze soll an der Stelle eine Patisserie mit kleinem Stehcafé aufmachen. Eröffnen wird das „Tartelier“ ein Ehepaar vom Frauenkopf. „Ich bin für die Produktion zuständig“, sagt Aizhan Tugelbayeva, und ihr Mann Anuar Tugelbayev fügt lachend hinzu: „Ich für den Papierkrieg.“ Anbieten wollen sie in ihrem Ladenlokal selbst gemachte Törtchen, Tartelettes und Macarons in Bio-Qualität. Aizhan Tugelbayeva zeigt stolz Bilder auf ihrem Handy: Fotos von verzierten Sahneträumchen. „Kleine Kunstwerke“, sagt ihr Mann. Elegant und gehoben soll alles werden.

Mittelfristig wollen sie Unternehmen beliefern und ein Catering anbieten

Anuar Tugelbayev (40) stammt aus der Gastronomiebranche. 15 Jahre hat er im Bereich Air-Catering gearbeitet, also am Flughafen, später im Lebensmittelexport. Seine 39-jährige Frau wiederum kommt aus einer ganz anderen Ecke. „Ich bin eigentlich Staatsanwältin“, sagt sie, in Deutschland könne sie mit ihrem kasachischen Abschluss jedoch nicht praktizieren. Gebacken habe sie schon immer für ihr Leben gern. Sie vermisse die Tortenkultur, die in ihrer zentralasiatischen Heimat verbreitet sei. „In Deutschland sind Kuchen populärer“, sagt sie.

Den Gründern des Start-ups schwebt nicht nur der Ladenverkauf vor. Mittelfristig wollen sie auch an andere Unternehmen, etwa im Bereich Hotellerie, liefern. Auch das Catering für Hochzeiten wollen die beiden ins Portfolio aufnehmen, doch erst müsse man die Marke etablieren.

Die Visitenkarten sind gedruckt, der Kühlwagen steht bereit, die Küche ist fertig. Anuar Tugelbayev spricht von hohen Investitionen im sechsstelligen Bereich. Doch die Eröffnung verschiebt sich. „Wir sind im Grunde fast startbereit“, sagt er, die Corona-Krise hat ihm und seiner Frau allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Ehepaar hofft, dass die bald überwunden ist. Man merkt beiden an, dass sie loslegen wollen. Aizhan Tugelbayeva strahlt. „Wir würden uns freuen.“




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