Corona-Krise in der Region Stuttgart Die Hilfsangebote überschlagen sich

Von Caroline Holowiecki 

Die Corona-Krise lässt die Menschen zusammenrücken. In kürzester Zeit haben sich Freiwillige in Vereinen, Kirchen, Initiativen und Facebook-Gruppen organisiert und bieten Nachbarn ihre Hilfe an. Einige Beispiele von der Filderebene.

Einkaufen für die, die nicht können oder dürfen: Aktuell schwappt eine Solidaritätswelle durchs Land – auch auf den Fildern. Foto: Caroline Holowiecki
Einkaufen für die, die nicht können oder dürfen: Aktuell schwappt eine Solidaritätswelle durchs Land – auch auf den Fildern. Foto: Caroline Holowiecki

Filder - Manne Lucha hat gerufen, und viele folgen. Der Minister für Soziales und Integration hat an die Menschen im Land appelliert, sich im Sinne der Nachbarschaftshilfe zu organisieren und vor allem Alten und Kranken unter die Arme zu greifen, und in kürzester Zeit haben sich Vereine, Initiativen und Facebook-Gruppen gefunden, in denen sich Freiwillige engagieren.

Das Suse-Mobil in Filderstadt ist nicht neu. Seit 2007 holen Ehrenamtliche mehrmals die Woche Senioren aus dem Stadtgebiet ab, fahren sie etwa zum Einkaufen und wieder heim. „Das Suse-Mobil fährt weiterhin ganz normal“, sagt der Initiator des Dienstes, Karl Praxl, wenngleich er betont, dass die Hygienevorschriften an Bord verschärft, weniger Leute auf einmal mitgenommen und dafür ein zweites Auto eingesetzt würden.

Das Suse-Mobil aus Filderstadt hat ein neues Angebot in der Corona-Krise

In der Corona-Krise kommt nun etwas Neues hinzu: ein Einkaufsdienst, zunächst dienstags und donnerstags. Karl Praxl spricht von einer konzertierten Aktion mit den Kirchen und der Stadt. Interessenten können sich unter der Telefonnummer 0711/7 00 33 03 beim städtischen Pflegestützpunkt melden.

In Degerloch tun sich ebenfalls Kirchen und Stadt zusammen. Der Bezirksvorsteher Marco-Oliver Luz weist darauf hin, dass die evangelischen und katholischen Pfarrämter sowie das Bezirksrathaus „einen entscheidenden Beitrag zur gemeinsamen Überwindung der Pandemie-Zeit durch Solidarität und eine starke Gemeinschaft leisten“ wollen. Wer Hilfe brauche, könne sich telefonisch bei all diesen Einrichtungen melden.

Auch online passiert aktuell einiges

In Möhringen wiederum hat der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) in Absprache mit der Initiative Lebensraum Möhringen-Fasanenhof-Sonnenberg (ILM) das Projekt Nachbarschaftshelden ins Leben gerufen. Wer Assistenz benötigt, kann sich an die Jugendreferentin Stefanie Weinmann unter Telefon 0711/71 49 80 oder per Mail an stefanie.weinmann@ejus-online.de wenden.

Auch online passiert viel. Über „Wir helfen – die Fildergruppe“ oder „Gemeinsam helfen mit Herz“ teilen Facebook-Nutzer von den Fildern Einkaufstipps oder bieten Kinderbetreuung an. Letztere Gruppe entstammt dem Verein „Gemeinsam helfen auf den Fildern“, der seit Jahrzehnten Projekte in Poltawa, der ukrainischen Partnerstadt von Leinfelden-Echterdingen, Filderstadt und Ostfildern, unterstützt. Nun hat der Club ein Corona-Hilfsprojekt gegründet. „Es sind so viele auf uns zugekommen und haben berichtet, dass sie Bedürftige kennen. Da habe ich Gänsehaut bekommen“, sagt Christiane Braunmüller aus dem Vorstand.

Es gebe schon Stützpunkte in Filderstadt, Waldenbuch oder Stuttgart, von denen aus Helfer ausschwärmen. Erreichbar sind sie unter Telefon 0162-6 33 12 11 oder per E-Mail an die Adresse info@gemeinsam-helfen-auf-den-fildern.de.

Handballer nutzen die trainingsfreie Zeit

Die Handballer aus den Reihen des SV Vaihingen nutzen ebenfalls die trainingsfreie Zeit, um sich anderweitig zu betätigen. Die Sportler bieten sich all jenen in Vaihingen fürs Gassigehen oder Erledigungen an, die selbst nicht können oder dürfen. „Die Zeiten, in denen wir uns bewegen, bedürfen eines neuen Wirgefühls“, sagt ein 23-jähriger Spieler und Schiedsrichter. Zusätzlich haben Freiwillige begonnen, Flugzettel und Aushänge im Stadtteil zu verteilen. Erreichbar sind die Handballer unter Telefon 01578-6 99 84 33 und per E-Mail an nachbarschaftshilfe@svv-handball.de.

Ähnliche Gedanken treiben auch Mitglieder des Bürgervereins Schönberg um – zumal es im Birkacher Ortsteil keinen Laden gibt. Zettel sollen zeitnah in allen Briefkästen landen. „Wir haben den Anspruch, jeden zu erreichen“, sagt Martin Baumgardt. Er hat an diesem Tag das Handy bei sich, das der Club eingerichtet hat und unter den Mitgliedern weiterreicht. Ziel: Wer Probleme hat, kann sich unter der Nummer 0152-34 79 02 11 oder per Mail an vorstand@im-schoenberg.de melden. Er hofft, dass ein Ruck durch die Gesellschaft geht: „Unser Bundespräsident hat gesagt, wir haben eine Riesenchance, wieder zusammenzukommen. Vielleicht bleiben Dinge hängen.“

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