Corona-Krise Drehstopps legen Hollywood und Kinos lahm

Von dpa 

Die Filmbranche ist in Aufruhr: Tom Hanks hat sich infiziert, Disney fährt die Produktion zurück, dem gesamten Betrieb drohen Milliardenverluste.

Unter den Hollywood Hills ist die gesamte Filmbranche der Stadt in Aufruhr. Foto: dpa/Andrew Gombert
Unter den Hollywood Hills ist die gesamte Filmbranche der Stadt in Aufruhr. Foto: dpa/Andrew Gombert

Los Angeles - Ein tödliches Virus aus Asien breitet sich weltweit aus. Staaten erlassen Quarantäne-Regel, Straßen und Geschäfte sind menschenleer. Die mysteriöse Pandemie reißt immer mehr Opfer in den Tod. MEV-1 heißt das Virus, das in dem Hollywood-Thriller „Contagion“ zur globalen Bedrohung wird. Vor neun Jahren brachte der US-Regisseur Steven Soderbergh den Katastrophenfilm mit Stars wie Matt Damon, Laurence Fishburne, Gwyneth Paltrow, Kate Winslet und Marion Cotillard ins Kino.

Durch die Coronavirus-Krise ist der sachlich inszenierte Thriller plötzlich bei Streaming-Diensten wieder stark gefragt. Was 2011 noch packende Unterhaltung war, hat nun einen bitteren Beigeschmack. Die Covid-19-Pandemie mit rapide steigender Zahl von Infizierten und Toten zeigt immer mehr Parallelen mit Katastrophenszenarien „Made in Hollywood“. Und das Coronavirus lehrt die Entertainment-Branche jetzt das Fürchten.

Den ersten Star hat’s erwischt

Ausgerechnet Hollywood-Liebling Tom Hanks und seine Ehefrau Rita Wilson überraschten als erstes Promi-Paar mit der Nachricht, dass sie beide infiziert sind. Der Unterhaltungsbetrieb liegt quasi lahm. Film- und TV-Produktionen werden gestoppt, Kinostarts weltweit abgesagt, Messen und Festivals gecancelt. Branchenexperten rechnen mit Kinokassen­einbußen von bis zu 20 Milliarden Dollar in diesem Jahr, wenn sich der Stillstand über mehrere Monate hinzieht.

Der erste Einbruch kam schon im Januar mit der Schließung der Kinos in China, dem Ursprungsland des neuartigen Virus, zugleich der zweitgrößte Kinomarkt nach USA und Kanada. Im Februar dann das vorläufige Aus für Tom Cruise und „Mission: Impossible 7“. Drei Wochen lang wollte Regisseur Christopher McQuarrie in Italien drehen, wo schon das Virus grassierte.

Es geht Schlag auf Schlag weiter: Anfang März wird der Start des neuen James-Bond-Films „No Time to Die“ um sieben Monate auf November verschoben. In den letzten Tagen trifft es weitere Blockbuster: „Fast & Furious 9“, „The New Mutants“, „Mulan“, „Peter Hase 2“, „A Quiet Place 2“.

Drehstopps beim Giganten Disney

Das Disney-Studio gab am Freitag einen massiven Drehstopp bekannt, Begegnungen am Set werden damit vermieden. Betroffen sind unter anderem Großprojekte wie „The Little Mermaid“, Guillermo del Toros „Nightmare Alley“ und Ridley Scotts Historiendrama „The Last Duel“ mit Matt Damon und Ben Affleck. Der Streaming-Dienst Netflix will vorsichtshalber mindestens für zwei Wochen die Produktion von Filmen und TV-Shows in den USA und Kanada einstellen.

Branchenexperten in Hollywood geben unterdessen eine düstere Prognose. Sie rechnen schon die möglichen Milliardenverluste durch die Corona-Krise hoch. 20 Milliarden Dollar könnten allein an den Kinokassen in diesem Jahr fehlen, vor allem, wenn die lukrativen ausländischen Märkte einbrechen, berichtete das Filmblatt „Hollywood Reporter“. 2019 flossen weltweit noch mehr als 42 Milliarden Dollar in Hollywoods Kassen.

Auch die großen Filmfestivals Tribeca in New York und das Internationale Film Festival in San Francisco (beide für April geplant) sind abgesagt geworden.