Corona-Krise Franziska Giffey sieht erneute Kita-Schließung als letztes Mittel

Von Lena Hummel 

Trotz Corona-Krise kehren Kinder in ganz Deutschland in die Betreuung zurück. Eine bundesweite Studie soll zeigen, wie sich der Regelbetrieb umsetzen lässt. An diesem Dienstag fällt ein wichtiger Startschuss.

Eine bundesweite Studie beschäftigt sich mit dem Regelbetrieb in Kitas. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst
Eine bundesweite Studie beschäftigt sich mit dem Regelbetrieb in Kitas. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Berlin - Vielen Eltern ist bei der Nachricht ein Stein vom Herzen gefallen: Eine vom Land Baden-Württemberg in Auftrag gegebene Studie zeigte vor etwa zwei Monaten, dass Kinder unter zehn Jahren einen sehr viel geringeren Anteil am Pandemiegeschehen haben als ursprünglich angenommen. Auf Basis dieser Erkenntnisse kehrten Kitas und Grundschulen im Land Ende Juni zum Regelbetrieb zurück. Und auch in den meisten anderen Bundesländern gehen Kitas nach und nach zu einem Zustand über, den man in der Corona-Krise zumindest als verhältnismäßig normal bezeichnen kann.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat am Montag in Berlin deutlich gemacht, dass sie eine erneute Schließung der Kitas unbedingt vermeiden will. Das sei „das allerletzte Mittel“. Björn Köhler, Vorstandsmitglied für Jugendhilfe der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), findet es gut, dass eine potenzielle Schließung trotzdem kein Tabuthema ist. „Wir können das Infektionsgeschehen einfach nicht vorhersehen“, sagt er. Zudem zeigen wissenschaftliche Erkenntnisse zwar, dass Kinder nicht maßgeblich am Infektionsgeschehen beteiligt sind, sie können aber Träger sein und das Virus weitergeben. „Und das beunruhigt natürlich einige Erzieherinnen und Erzieher, die ohne Schutzmaßnahmen mit den Kindern arbeiten“, weiß Köhler als Vertreter der Beschäftigten.

Keine Maskenpflicht für Kinder

Gemäß den Leitlinien für den Regelbetrieb an Kitas, die Giffey am Montag vorgestellt hat, sollen Abstandsregeln und die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes nur für Erwachsene gelten; und für Erzieher auch nur dann, wenn sie sich außerhalb ihrer eigenen Gruppe befinden. Für Kinder gibt es diese Regelung nicht, das sei „ einfach nicht praktikabel“, sagt die Familienministerin. Neben den allgemein bekannten Hygienemaßnahmen sei die Raumbelüftung wichtig. Die Kinderbetreuung sollte in möglichst festen Gruppen erfolgen, und Personalwechsel sollte soweit wie möglich vermieden werden, um im Falle einer Ansteckung mit dem Coronavirus Infektionsketten nachvollziehen zu können.

Lesen Sie hier: „Schnupfen ist kein typisches Symptom“

Es sollte weiter selbstverständlich sein, dass fiebernde Kinder zu Hause blieben, sagt Giffey weiter und begrüßt gleichzeitig die Entscheidungen in Bayern und Baden-Württemberg, dass Kinder trotz Schnupfens die Kita besuchen dürfen. Für Erzieher müsse es kostenlose Coronatests geben – auch ohne Symptome. „Da darf es keine Unterschiede zu den Schulen geben“, sagt die Ministerin. Finanziert werden müsse das aus den Länderkassen. In Baden-Württemberg etwa „besteht zwischen dem 17. August und dem 30. September 2020 für jede an einer Schule, einer Kindertageseinrichtung oder in der Kindertagespflege tätige Person die Möglichkeit, sich ohne Vorliegen von Symptomen maximal zweimal testen zu lassen.“ So steht es in einem entsprechenden Papier des Kultusministeriums vom 28. Juli.

Kita-Register startet am 11. August

Welche Maßnahmen in den Ländern tatsächlich umgesetzt werden und was diese bringen, soll ein im Mai gestartetes Kooperationsprojekt zwischen dem Deutschen Jugendinstitut (DJI) und dem Robert Koch Institut (RKI) zeigen. Denn: In den Ländern gebe es zwar viele Einzelstudien zum Infektionsgeschehen bei Kindern, sagt Giffey. Was aber fehle, seien Erkenntnisse darüber, „welche Umstände im Regelbetrieb dazu führen, dass sich ein Infektionsgeschehen entwickelt.“

Das sogenannte Kita-Register sei „das Herzstück der Studie“, sagt DJI-Direktor Thomas Rauschenbach. Insgesamt 5000 Kitas und Kindertagespflegepersonen hätten sich schon angemeldet, bevor die Internetplattform an diesem Dienstag offizielle an den Start geht. Wer das Angebot nutzt, kann wöchentlich Informationen zum Infektionsgeschehen und den Kapazitäten in den Einrichtungen eintragen. Weil die Ergebnisse über die Entwicklungen während des Regelbetriebs nur bei hoher Beteiligung aussagekräftig seien, hofft Rauschenbach auf viele Registrierungen.

Um die Länder darüber hinaus zu unterstützen kündigte Giffey außerdem die Einberufung eines Corona-Kita-Rates an. Am 31. August sollen sich die Vertreter von Bund, Ländern, Kommunen, Gewerkschaften, Eltern und Kindertagespflege erstmals treffen und anschließend monatlich über Erfahrungen und Konzepte in den Kitas austauschen.




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