Corona-Krise im Kreis Ludwigsburg Krankenhäuser mit Millionen-Defizit

Von Michael Bosch 

Wegen der Corona-Pandemie wurden in allen Krankenhäusern im Kreis Ludwigsburg weniger Patienten versorgt. Besonders hart hat es die Klinik in der Barockstadt – einer der Covid-19-Hotspots im Land – getroffen.

Die Corona-Pandemie belastet die Kliniken im Kreis Ludwigsburg finanziell. Foto: Archiv/factum/Simon Granville
Die Corona-Pandemie belastet die Kliniken im Kreis Ludwigsburg finanziell. Foto: Archiv/factum/Simon Granville

Kreis Ludwigsburg - Die Corona-Krise reißt ein großes Loch in die Kasse der Kliniken Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen. Wie groß das Defizit letztlich ausfallen wird, ist noch nicht klar, aber schon jetzt sind die Folgen der Pandemie in den Büchern sichtbar. Von Januar bis April haben die Kliniken im Kreis gut 13 Millionen Euro weniger eingenommen als im Vorjahreszeitraum. Der Finanzchef Axel Hechenberger beziffert das bisher absehbare Corona-Defizit auf drei Millionen Euro, hinzu kommt das ohnehin geplante Minus von etwa 700 000 Euro.

Der Klinikenchef Jörg Martin ist zumindest aus medizinischer Sicht zufrieden mit den vergangenen Monaten. Ludwigsburg war einer der Corona-Hotspots im Land, mit bis zu 1000 Patienten waren hier mehr Infizierte untergebracht, als in manch einer Uniklinik. Weil gleichzeitig der normale Betrieb aber auf ein Minimum heruntergefahren wurde, brachen die Einnahmen ein.

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Im vergangenen Jahr war der Standort Ludwigsburg noch einer der Gewinnbringer der Regionalen Kliniken Holding gewesen. Die Klinik erwirtschaftete einen Überschuss von 972 000 Euro, auch das Krankenhaus Bietigheim schrieb schwarze Zahlen (266 000 Euro). Die Klinik in Marbach häufte hingegen weitere Schulden in Höhe von zwei Millionen Euro an, weshalb schon 2019 die Bilanz in Summe negativ ausfiel.

Der Preis für Schutzkleidung explodierte

Dass die Krankenhäuser während der Pandemie Personalkosten gespart haben, weil es nicht für alle Pflegekräfte Arbeit gab und sie teils frei hatten, kann die Verluste nicht aufwiegen. Denn an anderer Stelle musste deutlich mehr Geld auf den Tisch gelegt werden. Zum Beispiel bei der Schutzkleidung. Sie war Mangelware und schnell vergriffen, dementsprechend zogen die Preise an. Auch die Aufrüstung der Intensivstationen, um Corona-Patienten versorgen zu können, schlägt sich negativ in der Bilanz nieder.

Dass sich „normale Patienten“ derzeit immer noch – auch bei dringenden Eingriffen – nicht sofort behandeln lassen und das Krankenhaus eher meiden, trägt nicht zu Verbesserung der finanziellen Situation bei. Martin berichtete von deutlich weniger Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten. „Dass diese Krankheitsbilder einfach so weniger werden, kann gar nicht sein“, sagt Martin. Er rechnet frühestens wieder 2021 mit einem normalen Krankenhausbetrieb.




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