Corona-Krise Kein Kinospaß im Rathausinnenhof?

Von Ingrid Sachsenmaier 

Die 30. Ausgabe des Sommernachts-Kinos in Fellbach fällt höchstwahrscheinlich Corona zum Opfer. Aus Kostengründen müssten nämlich je 500 Besucher eine Vorstellung besuchen können. Hinzu kämen strenge Sicherheitsvorschriften.

Das Open-Air-Kino in Fellbach steht in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie auf der Kippe. Foto: Patricia Sigerist
Das Open-Air-Kino in Fellbach steht in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie auf der Kippe. Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - Corona trifft auch Cineasten. Die Leinwand im Orfeo-Kino in Schmiden bleibt aller Wahrscheinlichkeit den ganzen Sommer hindurch dunkel. „Wir würden gerne im September das Orfeo wieder öffnen“, so die derzeitige Planung von Melanie Hoffmann. Sie ist zuständig für den Spielbetrieb im Gewölbe im Großen Haus in Schmiden, der seit Mitte März aufgrund der Corona-Vorschriften ruht.

Im Orfeo müssen alle Besucher über denselben Aufgang die Plätze erreichen

Seit Montag dürfen Kinos in Baden-Württemberg zwar wieder öffnen, aber für die Verantwortlichen von Kinokult in Ludwigsburg – dem Betreiber des Orfeo in Schmiden – sind die Hygienevorschriften der Landesregierung noch zu ungenau und die Raumsituation im Gewölbe zu schwierig, um eine Lösung zu finden, „die sich rechnet“. Im Orfeo müssen alle Besucher über denselben Aufgang die Plätze erreichen. „Sie würden sich also unweigerlich auf der Treppe begegnen und dann wieder in den Reihen, wenn sie aneinander vorbei müssen, um ihre Plätze einzunehmen.“ Ein Abstand von mindestens 1,5 Metern sei da nicht möglich, sagt Hoffman. Dazu muss sich der Spielbetrieb auch finanziell rechnen: Mindestens 25 Leute müssten eine Vorstellung besuchen, damit es zu keinem Minus bei der Kalkulation kommt.

Hinzu komme, dass „es aktuell keine Filme gibt“, bedauert Hoffmann. „Alle neuen Filme sind ja schon von den Autokinos ausgelutscht.“ Mit ihren Teamkollegen in Ludwigsburg habe sie ausgerechnet, „dass es uns billiger kommt, das Orfeo unter den aktuellen Bedingungen geschlossen zu halten.“ Auch in Ludwigsburg gibt es aktuell keine Filme im Scala.

Hoffnung – wenn auch nur in geringem Ausmaß – besteht noch für das Open-Air-Kino im Rathausinnenhof

Zum Thema Autokino gibt Melanie Hoffmann zu, dass es bei den Kinokult-Verantwortlichen nicht zur Kategorie „Lieblingskonzepte“ zählt. „Wir alle sind nicht so begeistert von dem Format“, sagt sie und erklärt, dass sie in Fellbach zudem auf keinen geeigneten Platz gestoßen seien. „Er müsste frei von Bäumen sein, wegen der Sicht“, erklärt sie. In Fellbach sind größere Parkplätze, wie etwa der des F3-Bads, aber immer mit grünen Zwischenstreifen angelegt. Auch bei Gesprächen mit dem Kulturamt in Fellbach sei man nicht fündig geworden.

Hoffnung – wenn auch nur in geringem Ausmaß – besteht noch für das Open-Air-Kino im Rathausinnenhof. Es wäre dieses Jahr das 30. in Folge. Weil die Orfeo-Macher diesbezüglich wegen der Hygiene- und Abstandsregeln „noch im Dunkeln stochern“, ist die Freiluftveranstaltung noch nicht definitiv abgesagt, aber „eine Durchführung eher unwahrscheinlich“. Immerhin müssten im Schnitt 500 Leute pro Vorstellung den Rathausinnenhof füllen, und das „bei zwei kalkulierten Schlechtwetter-Tagen“. Melanie Hoffmann erklärt: „Wenn aufgrund der Corona-Sicherheitsvorschriften beispielsweise nur 150 bis 200 Leute einen Filmabend unter freiem Himmel besuchen könnten, dann sind wir bei den Kosten schon jenseits von Gut und Böse.“ Im Übrigen gelte auch beim Open-Air-Kino: Es gibt im Moment keine aktuellen Filme, weil die Produzenten sie nicht anlaufen lassen.

Ein Szenario wie im Ufa-Palast in Stuttgart zeichnet sich für Schmiden nicht ab

„Ich bekomme schon graue Haare“, sagt Melanie Hoffmann. Damit spielt die Mittdreißigerin auf die „knifflige Situation“ an, die sie seit Wochen meistern muss. Bei Kinokult wollen sie das Geld „zusammenhalten, um durchzuhalten“. Im Orfeo wird die Miete umsatzbezogen an die Stadt Fellbach bezahlt, somit sind bei ruhendem Betrieb keine Mietzahlungen fällig. „Das hilft uns natürlich“, sagt Hoffmann. Trotzdem sei sie „mit den Nerven am Ende“. Dennoch schaut sie verhalten positiv in die Zukunft. In Ludwigsburg, so hofft man bei Kinokult, können Cineasten sehr wahrscheinlich früher als in Schmiden wieder Filme schauen. „Das könnte dann ja auch fürs Fellbacher Publikum interessant sein.“ Ein Szenario wie im Ufa-Palast in Stuttgart, wo die Leinwand aufgrund von Corona und den damit erstandenen finanziellen Problemen für immer dunkel bleibt, zeichnet sich für Schmiden nicht ab. Gott sei Dank.




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