Corona-Krise Nähkreis behebt den Mundschutz-Mangel

Auch Franziska Brückner (links) und Katrin Lamster  nähen. Foto: privat
Auch Franziska Brückner (links) und Katrin Lamster nähen. Foto: privat

Weil Einmalmasken so gut wie nicht mehr zu bekommen sind, hat der Krankenpflegeverein Schmiden-Oeffingen nun spontan eine Hilfsaktion gestartet. Freiwillige fertigen auch Stoffmasken für das Seniorenzentrum Schmiden.

Region: Corinna Meinke (com)
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Fellbach - Jetzt ist der Trend zum Selbernähen von Masken auch in Fellbach angekommen, denn Not macht erfinderisch. Diese Weisheit haben Freiwillige rund um Christa Meißner aus Schmiden in die Tat umgesetzt. Weil Einmalmasken nicht zu haben sind, hatte das Pflegeheim in der Tournonstraße angefragt, ob die Akteure vom Seniorenbesuchsdienst, den Meißner koordiniert, Mundschutzmasken anfertigen könnten. Außerdem nähen auch Freiwillige vom Krankenpflegeverein Schmiden-Oeffingen solche Masken.

Die Produktion übersteige schon jetzt den Bedarf

Die Bitte des Schmidener Pflegeheims wurde verbreitet, und sehr viele Helferinnen haben ganz spontan genäht, berichtet Christa Meißner, die sich auch selbst an die Maschine gesetzt hatte. Inzwischen wurden im Pflegeheim 350 Mundschutzmasken abgegeben.

Zu den Näherinnen zählen auch Franziska Brückner und Katrin Lamster von der katholischen Gemeinde. Die beiden Frauen sind nur ein Beispiel aus einem „großartigen Netzwerk“, das sich nach dem Aufruf sofort in die Näharbeiten stürzte. Und dieser Kreis wurde von Tag zu Tag größer, berichtet Klaus Köberlein vom katholischen Kirchengemeinderat in Schmiden. So habe auch die Frauen-Union der CDU ihre Hilfe angeboten, und ein Syrer, der eine Näherei betreibt, wollte mithelfen. Die Produktion übersteige schon jetzt den Bedarf, und so könnten Masken auch abgegeben werden.

Ohne Maske könnten ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht arbeiten

Auch der Krankenpflegeverein Schmiden-Oeffingen hat zur Selbsthilfe gegriffen, weil Einmalmasken so gut wie nicht mehr zu haben sind. Eine Gruppe um Geschäftsführerin Jennifer Hoss startete vor einer guten Woche spontan eine Nähaktion. Innerhalb weniger Tage konnten so 50 Masken gefertigt werden. Sie werden im Pflegealltag bereits voll eingesetzt.

„Momentan ist es fast unmöglich, noch an Einmalmasken zu kommen“, beklagt Jennifer Hoss den eklatanten Versorgungsengpass. Aber ohne Maske könnten ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht arbeiten, weil sie die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts in Zeiten der Coronakrise umsetzen und bei der Pflege Masken tragen müssten.

So eine einfache Maske schütze zwar nicht den Träger, dafür aber das Gegenüber vor einer Tröpfcheninfektion. Und weil viele ihrer Klienten zur Risikogruppe der Senioren zählten, sei dieser Schutz sehr wichtig, zumal ihr Team ja sehr nah mit den Menschen zusammenarbeite. Gleichzeitig baue so ein Mundschutz aber auch eine Barriere auf, wenn ein großer Teil des Gesichts hinter der Maske verschwinde. Auch das betrachtet Jennifer Hoss als neue Herausforderung im Umgang mit Menschen, für die der Besuch der Krankenpflegefachkräfte häufig der einzige soziale Kontakt am Tag sei.

Und das habe auch in ihrem Umfeld über die sozialen Kanäle wie WhatsApp schnell Kreise gezogen

Die Nähaktion sei ganz spontan aus der Not heraus geboren worden, erzählt Hoss. Obwohl sie selbst im Nähen wenig Erfahrung habe, habe sie sich einfach mal hingesetzt und einen Prototyp gefertigt. Das notwendige Schnittmuster dafür habe sie im Internet aufgestöbert, denn inzwischen würden viele Menschen diese einfachen Stoffmasken selbst nähen.

Und das habe auch in ihrem Umfeld über die sozialen Kanäle wie WhatsApp schnell Kreise gezogen. Daraufhin habe sie die Näharbeiten nur noch koordinieren müssen, berichtet Jennifer Hoss anerkennend. Freundinnen, Mitarbeiterinnen und Angehörige hätten sich spontan angeschlossen und ebenfalls ihre Nähmaschinen ausgepackt. Dafür sei sie sehr dankbar. Und die Vorstandsfrau lobt auch den Zusammenhalt, den sie in dieser Situation ganz deutlich gespürt habe.

Alle Näherinnen hätten reinen Baumwollstoff verwendet, der mit 60 Grad gewaschen werden kann

All das mache ihr viel Hoffnung, die Krise gemeinsam meistern zu können. Eine Freundin sei besonders flott mit ihrer Nähmaschine zugange gewesen und habe in nur zweieinhalb Stunden 20 Masken genäht. Und so habe das bunt zusammengewürfelte Team innerhalb kurzer Zeit 50 Masken angefertigt. Herausgekommen seien Masken in verschiedenen Farben, uni und geblümt – und alle in Faltentechnik genäht, was eine gute Passform garantiere.

Alle Näherinnen hätten reinen Baumwollstoff verwendet, der mit 60 Grad gewaschen werden kann. Hoss stellt klar, dass diese einfachen Masken ohne Schutzklasse auskommen müssten. Gerne hätte sie einen für medizinische Zwecke geeigneten Spezialstoff bestellt, aber der sei momentan nicht lieferbar.

Nun seien die eigenen Masken seit einer Woche bei den Kolleginnen und Kollegen im Einsatz. Nach dem Besuch bei den Kunden zu Hause würden die Stoffmasken jeden Abend in der eigenen Hauswirtschaftsabteilung gewaschen und am nächsten Morgen – mit Heißdampf hygienisch behandelt – wieder in Umlauf gebracht. Jede Fachkraft erhalte mehrere Masken pro Arbeitstag.




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