Corona-Krise Wie Homeoffice bei schlechtem Internet funktioniert

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Wer keine stabile Verbindung hat, hat jetzt in Zeiten der Corona-Krise ein Problem. Doch für einige Menschen im Stadtteil Stuttgart-Sonnenberg, die schon lange über das schlechte Netz klagen, zeichnet sich nun eine Lösung ab.

Viele Menschen müssen derzeit von zu Hause aus arbeiten. Foto: dpa/Daniel Naupold
Viele Menschen müssen derzeit von zu Hause aus arbeiten. Foto: dpa/Daniel Naupold

Sonnenberg - Wegen der Corona-Krise arbeiten derzeit wahrscheinlich so viele Menschen wie noch nie im Homeoffice. Dabei sind sie auf eine stabile und möglichst schnelle Internetverbindung angewiesen. Doch die gibt es noch nicht überall – auch nicht in Stuttgart. In Sonnenberg hatten sich zuletzt immer wieder Menschen über die schlechte Verbindung ins weltweite Datennetz beklagt. Auch im Bürgerhaushalt kam das Thema mehrfach zur Sprache. Der Sonnenberg-Verein griff das Thema in einer Umfrage auf. Von den 2000 grünen Zetteln, die der Verein in die Briefkästen warf, kamen 40 zurück mit Meldungen über schlechte Internetverbindungen.

Einer der Beschwerdeführer ist Michael Pfister. Er wohnt an der Kießstraße, und dort ist das Netz oft so schwach, dass er nicht einmal eine E-Mail verschicken kann. „Egal, wohin wir in den vergangenen Jahren in den Urlaub gefahren sind, überall ist das Internet besser gewesen als bei uns zu Hause. Und das, obwohl wir in einer Landeshauptstadt wohnen“, sagt der Mann aus Sonnenberg.

Der Zeitpunkt der Umsetzung ist derzeit nicht absehbar

Doch nun zeichnet sich eine Lösung ab. Pfister bekam vor Kurzem eine Nachricht von der Stuttgarter Wirtschaftsförderung. Darin stand: „Die Telekom hat uns mitgeteilt, dass sie vorhat, die unterversorgten Gebiete in Sonnenberg zeitnah mit Vectoring auszubauen.“ Die Bundesnetzagentur habe einen entsprechenden Antrag genehmigt, den Kabelverzweiger vor Ort ausbauen zu dürfen. Vectoring bedeute, dass die Telekom bis zum Verzweiger, also bis zu einem der grauen Kästen am Straßenrand, Glasfaser verlegt. „Damit können anschließend die Haushalte vor Ort mit maximal 250 Mbit/Sekunde im Web surfen“, teilt die Wirtschaftsförderung mit.

Im Schreiben der Verwaltung steht, dass von dem Ausbau neben der Kießstraße auch die Bodelschwingh-, Edenhall-, Günther- und Heinestraße sowie die Johannes-Krämer-Straße profitieren würden. Auch bei der Stadt Stuttgart sei der Ausbaugenehmigungsprozess bereits angelaufen, heißt es in der E-Mail. Wann der neue Anschluss fertig sei und genutzt werden könne, sei derzeit nicht abschätzbar, unter anderem könne es wegen der Corona-Krise zu Verzögerungen kommen. „Die Telekom rechnet aber damit, dass die schnellen Anschlüsse noch dieses Jahr gebucht werden können“, ist in dem Schreiben zu lesen.

Nicht alle profitieren

Michael Pfister freut sich, dass „eine gute Lösung gefunden wurde“, und hofft, dass „diese nun zeitnah umgesetzt wird“. Er sagt: „Es vermittelt einem ein gutes Gefühl, wenn Initiativen von Bürgern, in diesem Fall des Sonnenberg-Vereins und einiger Anwohner, bei den Verantwortlichen am Ende nicht auf Granit, sondern auf Verständnis stoßen.“

So sieht das auch Martin Schleiermacher: „Die Stadt hat gemerkt, dass sie was tun muss. Ich habe das Gefühl, dass es nicht mehr nur ein Versprechen ist, sondern dass sie wirklich was in die Wege geleitet hat“, sagt der Vorsitzende des Sonnenberg-Vereins. Einen Wermutstropfen gebe es dann aber doch: „Leider sind noch nicht alle Straßen dabei“, sagt Schleiermacher. Gerade jetzt in der aktuellen Krisensituation werde deutlich, wie wichtig eine leistungsstarke Internetverbindung sei. „Das Thema Homeoffice gewinnt an Bedeutung. Manche Menschen sind jetzt geradezu von der Außenwelt abgeschnitten. Das kann schnell existenziell werden“, sagt der Vereinsvorsitzende. Vielleicht habe das Coronavirus daher den Ausbau des Internets im Stadtteil sogar befördert.

Einen Erfahrungsbericht darüber, wie schwer es in Sonnenberg sein kann, von zu Hause aus zu arbeiten, kann Michael Pfister liefern. Sein Sohn sei im Homeoffice und könne nur übers mobile Internet, also einen sogenannten Hotspot, vom heimischen Schreibtisch aus arbeiten. „Mit unserer Internetverbindung wäre da nichts zu machen.“

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