Corona-Krise Wie zwei Fotografen um ihre Existenz kämpfen

Von Claudia Barner 

Die Kontaktbeschränkungen haben das Geschäftsmodell der Fotografen ausgehebelt. Mit kreativen Ideen kämpfen Thomas Ceska aus Waldenbuch und Jan Reiche aus Stuttgart-Asemwald um ihre Existenz.

Den Fotografen Jan Reiche hat die Corona-Pandemie hart erwischt. Erst im Januar hatte er den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Foto: privat
Den Fotografen Jan Reiche hat die Corona-Pandemie hart erwischt. Erst im Januar hatte er den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Foto: privat

Asemwald/Waldenbuch - Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Auch in den Fotostudios gingen durch den Corona-Lockdown im März die Lampen aus. Mit kreativen Ideen kämpfen sich die Lichtbildner jetzt wieder zurück. Das kostet mitunter viel Überwindung und den Mut, das Foto-Handwerk neu zu denken. Die Fotografen Thomas Ceska aus Waldenbuch und Jan Reiche aus dem Asemwald haben ganz unterschiedliche Wege gewählt, um mit der existenziellen Bedrohung umzugehen.

Sein Platz ist hinter der Kamera. Hier fühlt sich Thomas Ceska wohl. Auf dieser Position verdient der Fotograf aus Waldenbuch seit 1992 seinen Lebensunterhalt. „Ich stehe nicht gern im Vordergrund“, erzählt der 62-Jährige, der auf Hochzeiten, Konfirmationen oder Familienfeiern als zurückhaltender Begleiter die anderen in Szene setzt. Doch während der Corona-Pandemie hat er die Seiten gewechselt, hat sich in seinem Studio vor die Kamera gestellt und einen Aufruf auf Facebook gestartet. Aus der Sequenz, die Ende März online ging, spricht die tiefe Sorge und Bedrängnis des Einzelhändlers, der an seine Kunden appelliert: „Melden Sie sich! Wir haben zu, sind aber voll produktionsfähig und bringen die Aufträge auch gern nach Hause.“

Der Einsatz hat sich gelohnt

Der öffentliche Auftritt ist Thomas Ceska schwergefallen. „Ich musste sehr über meinen Schatten springen und die Aufnahme mehrfach wiederholen.“ Doch der Einsatz hat sich gelohnt. Knapp drei Monate später stellt er fest: „Es war richtig, aktiv zu werden. Tatsächlich konnten wir viele Menschen erreichen.“

3000 Aufrufe hat die Videobotschaft des Fotografen bis heute verzeichnet. Familien orderten Gutscheine, Firmen brachten angestaubtes Bildmaterial zur Digitalisierung vorbei, und die Puzzleproduktion mit den Lieblingsbildern der Kunden hatte Hochkonjunktur.

Ein Ersatz für die entgangenen Einkünfte waren diese Bestellungen freilich nicht. Porträt-Sitzungen im Studio, Passbilder und Bewerbungsfotos, Familienfeiern, Firmenpräsentationen oder die Foto-Termine an den Schulen und Kindergärten – bis auf Weiteres war alles abgesagt. „Im April hatten wir nur etwa zehn Prozent des erwarteten Umsatzes“, berichtet Sieglinde Ceska, die das Fotostudio gemeinsam mit ihrem Mann führt.

Trotzdem waren die positiven Reaktionen der Kunden wichtig. „Wenn man spürt, dass es trotz aller Schwierigkeiten irgendwie weitergeht, ist es leichter, zuversichtlich zu bleiben“, sagt sie. Mittlerweile strahlt das Ehepaar wieder vorsichtigen Optimismus aus. Die staatlichen Soforthilfen gingen rechtzeitig auf dem Konto ein und halfen, die schwierigste Phase zu überstehen. Die Stadt Waldenbuch hat die Einzelhändler ebenfalls unterstützt. Aus dem örtlichen Rathaus kam der Auftrag, die Berichte zu den Natur- und Genießerwochen zu bebildern. Und auch der Förderverein der Oskar-Schwenk-Schule wurde aktiv und buchte den Profi für die Erinnerungsfotos der Schulabgänger. Inzwischen trudeln zudem wieder die ersten Aufträge der Kindergärten ein. „Wenn es keinen Rückschlag gibt, können wir es packen“, sagt Thomas Ceska.

Traum von der Selbstständigkeit nicht aufgeben

Packen will es auch Jan Reiche. Den 41-jährigen Fotografen aus dem Asemwald hat die Corona-Pandemie zum ungünstigsten Zeitpunkt erwischt. Gerade erst hatte der studierte Betriebswirtschaftler beschlossen, das Hobby zum Beruf zu machen. Im Januar 2020 erfüllte er sich mit der Selbstständigkeit als Fotograf einen lang gehegten Traum. Das Marketing lief an. Die Auftragsbücher füllten sich. Und dann kam Corona. „Von einem Tag auf den anderen blieb alles aus. Nichts schien mehr sicher“, erzählt er. „Die Gedanken, wie es weitergehen soll, ließen mich nicht mehr los“, berichtet der Firmengründer.

Entspannung fand er auf seinen stundenlangen Runden mit dem Hund auf dem Birkacher Feld oder im Ramsbachtal. Und hier fand er nach vielen Gesprächen mit anderen Hundebesitzern auch eine mögliche Lösung für seine Probleme: ein mobiles Fotostudio für die Bewohner des Asemwalds. „Jeder Kunde hat die Möglichkeit, frei zu wählen, wo er sich oder seinen tierischen Freund ablichten lassen möchte“, erklärt Jan Reiche. Wer lieber in den eigenen vier Wänden fotografiert werden will, kann den Profi auch zu sich nach Hause bestellen.

Obwohl jetzt alles anders kommt als geplant und deutlich schwieriger wird: Seinen Traum von der Selbstständigkeit hat der 41-Jährige noch nicht aufgegeben. Der Weg zurück ins Leben als Experte für Finanzen und Controlling ist für ihn nur die letzte Option. Jan Reiche schaltet die Lampen wieder an: „Ich will mich voll und ganz auf das konzentrieren, was ich am besten kann. Die Kamera ist mein ständiger Begleiter, und es begeistert mich, wenn ich mit meinem Schaffen andere Menschen erfreuen kann.“




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