Corona-Krise Wo der Arbeitsplatz gerade keiner mehr ist

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Die Trainer können derzeit an ihren Wirkungsstätten allenthalben nicht zum Schläger greifen und niemanden mehr unterrichten. Die Coronavirus-Pandemie hält auch sie vom Dienst fern. Jetzt müssen sie schauen, wie sie zurechtkommen.

Die Tennisanlagewie hier beim TEV Fellbach  werden aller Voraussicht nach   noch länger verwaist bleiben Foto: Patricia Sigerist
Die Tennisanlagewie hier beim TEV Fellbach werden aller Voraussicht nach noch länger verwaist bleiben Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - An diesem Tag im März ist der Cheftrainer aus guter Gewohnheit immer noch da beim TEV Rot-Weiß Fellbach, und doch ist er gerade nicht mehr da. Als Armin Maute vor fast genau zehn Jahren sein Amt auf der Tennisanlage an der Kienbachstraße übernahm, hat er sich gut vorstellen können, diese Aufgabe auch noch sehr viel später auszufüllen.

Der 51-Jährige kann derzeit seiner Arbeit nicht nachgehen

Zum Beispiel an diesem Tag im März des nächsten Jahrzehnts. Armin Maute hatte davor 15 Jahre lang beim TV Vahingen die Fortschritte der Mitglieder beaufsichtigt, sein neuer Arbeitgeber hatte sich zwölf Jahre lang mit dem schwedischen Tennislehrer Stefan Andersson verbunden. Beide Seiten, die da im Frühjahr 2010 zusammenfanden, schätzen eine anhaltende Partnerschaft; diese Beziehung war auf Dauer ausgelegt. Bei den Fußballern des VfB Stuttgart, das nur mal zum Vergleich, war damals ein gewisser Christian Gross Trainer; ihm sollten sich bis heute 16 Berufskollegen anschließen. Nicht vorstellen können hätte sich Armin Maute allerdings zu jener Zeit, als der immer noch überaus versierte Roger Federer die Weltrangliste anführte, dass einmal, im fernen März 2020, seine Wirkungsstätte real gar nicht mehr seine Wirkungsstätte sein sollte. An vielen Tagen gar in diesem März, und denen werden aller Voraussicht nach noch viele andere Tage im Frühjahr folgen. Der 51-Jährige kann derzeit seiner Arbeit nicht nachgehen. Die Coronavirus-Pandemie hält auch ihn vom Dienst fern. Jetzt muss er schauen, wie er zurechtkommt.

So ist es aber nicht mehr, seit Coronaviren wüten

Seit dem 16. März hält der TEV Rot-Weiß Fellbach seine Zweifeldhalle aufgrund der verbreiteten Ansteckungsgefahr und der Instruktionen der Behörden verschlossen. Seitdem kann dort niemand mehr Tennis spielen und mithin auch niemand mehr Tennis unterrichten. Seitdem hat Armin Maute keine Arbeit mehr. Und nicht nur er. Mit dem Cheftrainer teilen sich Ralf Bernhard und Tomek Jasiak die Aufgaben im Verein. Der TEV Rot-Weiß Fellbach hat nach jüngstem Zählergebnis 546 Mitglieder; darunter ist reichlich Kundschaft für die Trainer. „Die drei waren bei uns noch bis Mitte März randvoll belegt, so soll es auch sein“, sagt Uwe Schröter, der Sportwart. So ist es aber nicht mehr, seit Coronaviren wüten. Jetzt sind die Plätze wie alle Sportanlagen leer. Selbst einer wie Armin Maute, der anderen zeigt, wie man zum Schläger greift, darf nicht mehr zum Schläger greifen. Die Welt steht in weiten Teilen still. Und wie lange das so weitergehen wird, kann gerade niemand seriös vorhersagen.

Allüberall sind aufgrund der Corona-Krise Existenzen bedroht

„Ich hoffe ein bisschen auf die Freiluftsaison“, sagt Armin Maute. Ein bisschen: Zuversicht klingt dann doch etwas anders. „Ein paar Rücklagen habe ich schon. Ich kann zwei Monate überbrücken, vielleicht auch drei“, sagt er. Die staatliche Unterstützung für Selbstständige kann dazu beitragen. „Aber ich habe eine fünfköpfige Familie, irgendwann muss dann schon mal wieder etwas hereinkommen“, sagt Armin Maute, der auf der verwaisten Fellbacher Tennisanlage auch einen Sportshop betreibt und in Bietigheim wohnt.

Allüberall sind aufgrund der Corona-Krise Existenzen bedroht. Auch im Sport. Bogdan Ivascu ist an diesen Tagen im März ohne Unterlass zu Hause. Das ist gut für Söhnchen Raphael, 2, mit dem er im Eigenheim in Birkmannsweiler viel Zeit verbringen kann. Nicht so gut ist das Mehr an Familienleben für das Familienbudget. Der Trainer des TV Oeffingen kann die Arbeit nicht daheim erledigen. Sein Arbeitsplatz ist der Tennisplatz. „Daran hänge ich“, sagt Bogdan Ivascu. Auf dem Tennisplatz verdient der frühere rumänische Meister in allererster Linie sein Geld. „Das ist eine harte Situation.

Der Rettungsschirm des Staates mag zunächst noch etwas helfen

Ich weiß nicht, wie ich das hinkriegen kann“, sagt der 42-Jährige. In der ersten Hälfte dieses Monats immerhin haben die Tennislehrer noch ihre Ballkörbe nutzen dürfen. Bis Ende April läuft für gewöhnlich die Hallensaison; Trainer und die jeweiligen Gesprächspartner in den Vereinen werden nun allenthalben zu klären haben, wie mit dem vorzeitigen Aus unter den Hallendächern und eventuell vorab geleisteten Zahlungen umzugehen sein wird.

Was allerdings geschieht, wenn Einrichtungen aller Art samt den Sportanlagen von Mai an immer noch Sperrzonen sein werden? Der Rettungsschirm des Staates mag zunächst noch etwas helfen. „Da können wir uns drunterstellen. Ich weiß aber nicht, wo danach das Geld noch herkommen soll“, sagt Dimitar Derderian. Der Cheftrainer des TSV Schmiden, dem dort sein Vater Edmond Derderian assistiert, müsste sich irgendwann wohl wie der eine oder andere Trainergefährte nach einer neuen Herausforderung umschauen. „Eine blöde Zeit für alle Selbstständigen“, sagt der 42-jährige Vater zweier Kinder: „Wir müssen aber abwarten und gucken, was passiert.“ Viele Fragen sind zu klären, und in diesem Zusammenhang schätzt der digitalaffine Vorspieler, der seine Kenntnisse auch noch beim Bietigheimer Hockey- und Tennisclub sowie beim TSV Neustadt weitergibt, die Solidarität unter Kollegen. Die Trainer tauschen sich auf verschiedenen Kanälen aus. Alle miteinander haben die gleichen Sorgen. Etwa auch Johan Vinterstad und Jens Gelbing vom KV Untertürkheim; letzterer spielt selbst noch an den Sommerwochenenden bei den Herren 50 des TV Oeffingen. Oder Frank Fischer vom TC Rommelshausen. Sie alle sind nach wie vor da an diesen Tagen, und doch sind sie auf den Tennisplätzen bis auf weiteres nicht mehr zu sehen.