Corona-Maßnahmen an den Schulen Eisenmann gegen schulischen Wechselbetrieb

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) Foto: Leif Piechowski
Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) Foto: Leif Piechowski

Von den Ländern werden Ideen für einen besseren Infektionsschutz an Schulen erwartet. Kultusministerin Eisenmann sieht da andere am Zuge: Nicht alle Länder hätten ihre Maßnahmen „gleichermaßen verstärkt“.

Politik: Christoph Link (chl)

Stuttgart - Die neuen Vorstöße der Ministerpräsidenten für einen verbesserten Corona-Schutz an den Schulen sind im Kultusministerium in Stuttgart auf Zurückhaltung gestoßen. So erwartet die Runde von den Ländern bis nächste Woche Vorschläge, wie das Infektionsgeschehen an den Schulen besser eingedämmt werden könne. Im Südwesten sieht man da aber wenig Bringschuld. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) antwortete auf die Frage unserer Zeitung, ob es bereits Ideen für Verbesserungsvorschläge aus Stuttgart gebe mit einem Hinweis auf die Bilanz im Südwesten.

Skeptisch beim Vorschlag von Peter Altmaier

So seien die Maßnahmen seit der Ausrufung der Pandemiestufe 3 an die veränderte Infektionslage angepasst worden. „Seit dem 19. Oktober gilt deshalb an weiterführenden sowie beruflichen Schulen ab Klasse 5 die Maskenpflicht auch im Unterricht. Wir haben den Schulen umfangreiche Hygienehinweise an die Hand gegeben, die wir mehrfach an die Situation angepasst haben. Sie werden von den Schulen mit großer Sorgfalt umgesetzt“, so Eisenmann. Und sie ergänzte: „Noch nicht alle Länder haben ihre Maßnahmen gleichermaßen verstärkt. Deshalb rechnen wir mit weiteren Abstimmungen innerhalb der Kultusministerkonferenz zu diesen Punkten.“ Skeptisch reagierte Eisenmann auch auf Vorschläge ihres Parteifreundes Peter Altmaier, dem Bundeswirtschaftsminister. Der hatte angeregt, man möge zur Entlastung der Schulen und für eine Erleichterung der Abstandsgebote leer stehende Räume für den Unterricht öffnen, beispielsweise in Gemeindezentren, Kulturhäusern oder ungenutzten Räumen von Gaststätten oder Hotels.

Ein Wechselbetrieb benachteiligt einige Kinder

„Solche Vorschläge wurden bereits mehrfach, auch im Frühjahr, zur Diskussion gestellt“, sagte Eisenmann unserer Zeitung. „Konzepte lassen sich aber nur umsetzen, wenn sie pragmatisch sind und der schulischen Realität entsprechen.“ Für den Schulbetrieb benötigen die Schulen nicht nur Flächen oder Räume, sondern auch eine funktionierende Infrastruktur, wie Tafeln, Beamer oder Fachräume. Auch Bibliotheken seien derzeit nicht unbedingt menschenleere Orte, da sich dort vermehrt Studierende aufhalten, weil ihre Hochschulen geschlossen sind.

Sollte es wieder Rufe nach einem Wechselbetrieb von Präsenz- und Fernunterricht geben, so baute Eisenmann dem in ihrer Erklärung bereits vor. Sie sehe – „wie alle anderen 15 Kultusministerien“ – einen Wechselbetrieb an den Schulen kritisch. „Ein Wechselbetrieb würde bedeuten, dass für die Schüler, die zu Hause sind, wochenweise kein Präsenzunterricht stattfindet.“ Die Erfahrungen aus der ersten Jahreshälfte hätten bundesweit gezeigt, dass sich der Bildungsauftrag für Kinder aus sozial schwächeren Familien dann weniger gut erfüllen lasse. „Ein Wechselbetrieb würde auch berufstätigen Eltern wegen der Betreuung ihrer Kinder erhebliche Schwierigkeiten bereiten.“

Kritik vom Lehrerverband VBE

Gerhard Brand, Landesvorsitzender der Bildungsgewerkschaft VBE, sagte, dass es „falsch“ sei, das rollierende System – also einen Wechselbetrieb – kategorisch auszuschließen. „Die Rückmeldung der Mehrzahl der Rektoren zeigt uns, dass sie grundsätzlich an der Schulöffnung und am Präsenzunterricht festhalten wollen.“ Es gebe aber Regionen mit hohen Fallzahlen oder „prekäre Situationen“ an einzelnen Schulen, wo ein Wechselbetrieb durchaus Sinn mache. Der Vorschlag von Altmaier ist nach Ansicht Brands „Quatsch“. Halbiere man Klassen, brauche man doppelt so viele Lehrer. Außerdem gebe es 67 000 Klassen im Land: „So viele Gemeindehäuser haben wir doch gar nicht.“

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