Corona-Pandemie bringt neue Kunden Waiblinger Turnhalle wird zu Tafelladen

Von Annette Clauß 

Bananen, Lauch und Tiefkühlpizza statt Ballspiele und Geräteturnen: In einer Sporthalle des Waiblinger Staufer-Schulzentrums werden bis zum Ende der Sommerferien günstige Lebensmittel verkauft.

Bananen gefällig? Der Erzieher Thorsten Schweikart arbeitet ehrenamtlich für die Tafel Waiblingen. Foto: Gottfried Stoppel
Bananen gefällig? Der Erzieher Thorsten Schweikart arbeitet ehrenamtlich für die Tafel Waiblingen. Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - Der ältere Herr im karierten Hemd steht etwas unschlüssig im Eingangsbereich der Turnhalle 3 des Staufer-Schulzentrums Waiblingen. Wo sonst Bälle fliegen und Schüler schwitzen, stapeln sich grüne Plastikboxen mit Obst, Gemüse, Backwaren, Kaffee und allem, was Mensch so braucht. Das wird vorerst so bleiben – bis zum Ende der Sommerferien, sagt Petra Off. Sie leitet den Waiblinger Tafelladen, der seine Kundschaft nicht mehr am angestammten Platz in der Fronackerstraße, sondern in der Sporthalle auf dem Schulgelände empfängt.

Wegen der Corona-Pandemie hatte der Verein Tafel Waiblingen am 19. März seinen Laden zunächst komplett geschlossen. 60 Quadratmeter Verkaufsfläche – „das war viel zu eng und nicht mehr zu verantworten“, sagt Petra Off, der natürlich klar war, dass die Corona-Krise eine Zeit ist, in der Tafelläden besonders dringend benötigt werden. Deshalb hat sie der Stadt Waiblingen vorgeschlagen, dass der Tafelladen vorübergehend umzieht – zum Beispiel in eine Turnhalle. Der Verein erstellte ein Konzept, das statt der sonst üblichen Selbstbedienung vorsieht, dass die Ware wie am Marktstand von Tafelmitarbeitern in einen Korb gelegt wird.

Neue Kunden wegen Kurzarbeit

„Danach ging es Schlag auf Schlag“, berichtete die Vorstandsvorsitzende Erika Severin. Feuerwehr, Betriebshof und Hausmeister bauten Tische auf, die nun als Verkaufstresen dienen, errichteten Abschrankungen, legten Antirutschmatten aus. „Sie haben an alles gedacht“, sagt Petra Off, „das hat perfekt geklappt.“ Tafelläden anderswo hätten sich schwerer getan, Ersatzflächen zu bekommen, bestätigt Erika Severin. Manche müssten ihre Ware in Zelten anbieten, andere waren ganz geschlossen, was der Waiblinger Tafel zusätzliche Einkäufer einbrachte.

„Inzwischen hat sich die Zahl der Kunden aber wieder auf die üblichen 70 bis 80 pro Tag eingependelt“, sagt Petra Off. Ein Teil der Stammkunden habe zwar den neuen Standort noch nicht gefunden, es seien aber neue Kunden hinzugekommen, beispielsweise Studenten, die ihren Minijob verloren hätten oder Menschen, die aufgrund von Kurzarbeit plötzlich auf jeden Euro achten müssen. Wem der für den Einkauf benötigte Ausweis noch fehlt, darf trotzdem kommen. „Wir regeln das derzeit auf dem kleinen Dienstweg“, sagt Petra Off – eine E-Mail der Stadt Waiblingen reiche aus, um einkaufen zu können.

Kisten voll mit Äpfeln, Bananen, Ananas und Pfirsichen, Lauch, Salat und Sellerie, Croissants, Hefezopf und Flachswickel – an Lebensmitteln herrscht kein Mangel in der Turnhalle. „Wir haben keine Durststrecke beim Warenfluss“, bestätigt Petra Off. Auch die oft knappen haltbaren Lebensmittel wie Mehl oder Zucker sind vorrätig. „Wir haben viele Spenden bekommen, der Zuspruch war riesengroß.“

Die meisten Ehrenamtlichen gehören zur Risikogruppe

Dennoch habe es anfangs für kurze Zeit düster ausgesehen, erzählt die Ladenleiterin: „Alles ist weggebrochen, denn 80 Prozent unserer Ehrenamtlichen gehören zur Risikogruppe 65 Plus“. Diese Freiwilligen hat Petra Off nach Hause geschickt. „Dann hat eine Einzelhändlerin uns gleich zehn Helfer zur Verfügung gestellt“, berichtet Erika Severin. Nach und nach meldeten sich weitere Freiwillige.

Einer davon ist Thorsten Schweikart, der sonst, von einer Zeitarbeitsfirma vermittelt, als Erzieher in einer Kita in Fellbach arbeitet. „Wegen Corona werde ich derzeit aber nicht gebucht“, erzählt Schweikart, der täglich in die Turnhalle kommt und für Petra Off „wie ein Sechser im Lotto“ ist. „Fünf Wochen bin ich zu Hause gesessen, jetzt bin ich dankbar, dass ich was tun kann“, sagt Schweikart.

Spricht’s und wendet sich dann dem Herrn im karierten Hemd zu. „Honigmelone? Aprikosen?“ Der Mann schüttelt den Kopf. Thorsten Schweikart preist weiter seine Ware an. Für einen Granatapfel kann er den Kunden dann begeistern. Schwupps landet die Frucht im Korb, Thorsten Schweikart notiert den Preis auf einem Zettel, legt diesen bei. „Danke, einen schönen Tag noch!“ – und schon kommt der nächste Kunde.

Wo man den Tafelladen Waiblingen findet

Als Verkaufsfläche dient derzeit die Turnhalle 3 im Staufer-Schulzentrum, ein Zugang ist am Ende der Theodor-Kaiser-Straße. Die Öffnungszeiten sind von 25. Mai an montags bis freitags 11 bis 13.30 Uhr.




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